In Nordstormarn wird Bauen billiger

Durch das Neubaugebiet Hoppenbrook gingen in Hammoor die Preise nach oben.  Foto: vst
Durch das Neubaugebiet Hoppenbrook gingen in Hammoor die Preise nach oben. Foto: vst

Die Grundstückspreise in Stormarn bleiben auf einem hohen Niveau, gehen vor allem im Norden des Kreises aber tendenziell nach unten. Das zeigt der neue Bericht des Stormarner Gutachterausschusses.

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04. Februar 2009, 10:07 Uhr

Bad Oldesloe | Rund 4700 Kaufverträge aus den Jahren 2007 und 2008 hat Stormarner Gutachterausschuss für Grundstückswerte in mehreren Sitzungen ausgewertet. Dass der Markt schwieriger geworden ist, lässt sich bereits an der Zahl der Kaufverträge ablesen. Sie hatte im Zeitraum 2005 und 1006 noch bei 5500 gelegen, ein Rückgang um 14,5 Prozent. Ein Minuszeichen steht steht auch bei der Preisentwicklung in den meisten Kommunen, vor allem in Zarpen (minus 20 Prozent), Meddewade (minus 15 Prozent), Klein Wesenberg (minus 13,7 Prozent), Schlamersdorf (minus 11,1 Prozent) oder Barnitz (minus 10,5 Prozent).

Gewinner sind vor allem Hammoor (plus 18,2 Prozent) und Grande (plus 14,2 Prozent). Was nach Ansicht von Stefan Leutelt, Leiter Bauverwaltung im Kreis und Vorsitzender des Ausschusses, aber nicht überbewertet werden darf: "In Hammoor gab es ein Neubaugebiet. Das prägt, denn dann ziehen auch andere Verkäufer im Preis nach."

Schwankungen im Bereich von fünf Prozent seien ohnehin im Rahmen des Normalen und eher als Korrekturen im Markt zu begreifen. Der fast durchgängige Preisrückgang in Nordkreis "fällt aber schon auf", so Leutelt: "Es geht um Angebot und Nachfrage. Wir hatten weniger Verkäufe, und die erste Frage der Käufer ist meistens die nach dem Bahnhof." Im ländlichen Bereich Nordstormarns seien Preisnachlässe notwendig, damit die Grundstücke noch für Käufer attraktiv seien.

Für Armin Baghai Vertriebsleiter der Sparkassen Erschließungsgesellschaft (SEG) und Mitglied im Gutachterausschuss, bestätigen die neuen Zahlen "bis auf wenige Ausnahmen" den Trend weg vom Dorf hin zu den Städten, wo es die Infrastruktur gibt. "In Fällen, in denen es anders war, sind meistens nur sehr wenige Grundstücke verkauft worden", so Baghai. Er hat angesichts der demografischen Entwicklung auch keinen Zweifel daran, dass dieser Trend anhalten wird. "Die Städte sind die Gewinner der Entwicklung. Der Bahnanschluss zum HVV-Tarif ist ihr Bonus."

Dass der Norden Stormarns weniger gefragt ist, liegt nach Baghais Ansicht auch an der Entwicklung in Lübeck. Für die Hansestadt gehen die Prognosen von sinkenden Einwohnerzahlen aus, während man in Stormarn, vor allem in den Hamburg-Randbereichen, noch mit einem leichten Zuwachs rechnet.

In den Zentrumslagen ist traditionell Ahrensburg am teuersten, und daran hat sich auch dieses Mal nichts geändert. Leutelt: "Dass am Rondeel sogar etwas mehr gezahlt wird, zeigt die Nachfrage nach der A1-Lage in Ahrensburg." Teuer bleiben die Preise auch im Zentrum von Bad Oldesloe, allerdings gelte das nur für die Top-Lagen, so Leutelt: "Nach außen fällt das Niveau schnell ab." Dem Plus von 14,5 Prozent für die Poststraße in Trittau misst er nur wenig Bedeutung bei: "Dort haben wir ein recht geringes Preisniveau."

Im Geschosswohnungsbau verzeichnete der Ausschuss eine ähnliche Entwicklung wie bei den Grundstücken. Bis auf Bad Oldesloe und Bargteheide sanken die Quadratmeterpreise leicht. Stärker nach unten ging es bei Gewerbegrundstücken, vor allem in Bad Oldesloe (minus 14,5 Prozent) und Ammersbek (minus 11,5 Prozent). Ein Plus verbuchten lediglich Barsbüttel, wo man "vom Autobahnanschluss profitiert", so Leutelt, sowie Oststeinbek (von 85 auf 95 Euro) und Siek (von 95 auf 100 Euro).
Immobilienexperten
Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte ist eine unabhängige Behörde in der Kreisverwaltung und besteht neben dem hauptamtlichen Vorsitzendem aus ehrenamtlichen Mitgliedern aus den Immobiliensparten – Architekten, Vermessungsingenieure, Immobilien- oder Bankkaufleute oder landwirtschaftliche Sachverständige. Seit rund 45 Jahren ermittelt der Ausschuss Bodenrichtwerte für das ganze Kreisgebiet. Sie beziehen sich auf Grundstücke für den individuellen, für den Geschoss-Wohnungsbau, in Gewerbegebieten sowie in Zentrumslagen. Nach dem Baugesetzbuch sind die Notare verpflichtet, dem Gutachterausschuss alle Grundstückskaufverträge zur Verfügung zu stellen. Außerdem bemüht sich die Geschäftsstelle mit Fragebögen um zusätzliche verwertbare Informationen. In der Kreisverwaltung gibt es jährlich rund 5000 Anfragen nach Bodenrichtwerten.

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