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Stormarner Tageblatt

23. Oktober 2017 | 07:25 Uhr

„In der Wildnis der Gedanken“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein Blick in die erste Ausgabe des „Oldesloer Wochenblattes“

shz.de von
erstellt am 16.Jan.2014 | 13:14 Uhr

Acht Seiten, keine Fotos und kleiner als eine Din-A4-Seite: Bescheiden war der Anfang. Aus heutiger Sicht. 1839 war das „Oldesloer Wochenblatt“ ein Novum. Bisher dominierten Mund-zu-Mund-Propaganda, Flugblätter oder öffentliche Aushänge den Informationsfluss. „Von diesem Blatt erscheint wöchentlich ein Bogen“, hieß es in der ersten Ausgabe. Erhältlich war es – wie das „Stormarner Tageblatt“ heute – schon damals im Abonnement. Zugestellt wurde es durch die Post.

Verleger Julius Schüthe ließ es sich nicht nehmen, in der ersten Ausgabe sein Ansinnen den Lesern zu vermitteln. „Ich meine, dass man seine Natur auf alle mögliche Weise ahnungsreich erweitern, die verborgenen Bronnen seiner Gefühle und Denkkräfte [...] eröffnen muss.“ Nicht verwunderlich, dass Schüthe auf verschiedene Weise versuchte, den Geist der Leser zu kitzeln. Mehrere Rubriken gliederten schon damals das Blatt. Im Bereich „Örtliches“ wurde über die Mitteilungen des Magistrats der Stadt berichtet. Es ging in „No.1“ um die Sperlingsplage, Personaldinge aber auch um Wirtschaftliches: „Vom hiesigen Pferdemarkt, welches am 25. März d. J. statt fand, sind an Pferden in die Fremde geführt worden: nach Preußen 119, Mecklenburg 163, Hannover 7, Hamburg 73, Lübeck 3, nach dem Lauenburgischen 11 und nach Altona 9, zusammen 385 Stück.“

Unter der Rubrik „Vermischtes“ lassen sich Meldungen aus aller Welt finden – Nachrichten unter anderem wie diese: „In Dresden beklagen sich die Eisenbahnpassagiere sehr häufig über die vom Dampfwagen abfliegenden glühenden Kohlenbrocken. Ganz neue Kleider, namentlich die der mitfahrenden Damen, sind dadurch schon ruiniert worden. Ein Kleiderkünstler in Dresden kündigt nun ,unverbrennbare, feuerdichte Eisenbahn-Assecuranz-Kleider-Überwürfe’ an.“ Aber auch ins Ausland schaute der Verleger Schüthe: „Immer vorwärts. Nächstens fahren wir nach London und essen Beefsteak. Für die neue deutsch-englische Dampfschifffahrt, die täglich von London nach Köln und Mannheim gehen soll, sind in einer Stunde in London über 7 Millionen Gulden gezeichnet worden.“

Aus heutiger Sicht mit einer dicken Staubschicht bedeckt ist die Rubrik „Vaterländisches“ – 1839 aber lediglich der Begriff für die eigene Heimat. Insofern finden sich auch nur lediglich Nachrichten aus und über die nähere und weietre Umgebung. Schüthe schreibt beispielsweise über das Dampfschiff „Löwen“, das Fahrten zwischen „Wordingburg und Kiel an denselben Tagen, als im vorigen Jahre“ anbieten soll.

Was wie heute in einer Zeitung nicht fehlen sollte sind Anzeigen und Unterhaltung. Schüthe sorgte für letztere mit einer „wahren Begebenheit“; einer Kurzgeschichte mit dem Titel „Edelmuth des Kaisers Alexander“. Für Kurzweil sorgte im Anschluss „Der verschmitzte Bauer“.

Der Bereich Anzeigen war hingen übersichtlich: vier Inserate. So teilte die Kirche mit, wer die Früh- und Vormittagspredigt hielt (jeweils Hauptpastor Hansen), die Redaktion ließ wissen, dass „in diesem ersten Quartal Nachbestellungen auf dieses Blatt angenommen“ werden. Denn die weitere Verbreitung war Schüthe nicht nur aus unternehmerischer Sicht wichtig: „Sollte die [...] Wochenblattschriftstellerei nur dazu beitragen, unsere Holsteiner immer holziger und steiniger zu machen, so wäre es besser, dass die Drucker-Pressen vom Angrunde verschlungen werden. Ließe sich das Volk nicht anders aufklären, über seine Rechte und Pflichten [...], so möchte man die früheren Zustände vorziehen, wo es in der Gedankenlosigkeit oder in der Wildnis der Gedanken hinlebte.“

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