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„In der Ukraine gibt es leider keine Frauenhäuser“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Iana Kaminska aus der Ukraine begleitet als Internationale Parlamentsstipendiatin den Politiker Franz Thönnes

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2017 | 06:00 Uhr

Fast auf den Tag genau vor 60 Jahren verabschiedete der Bundestag ein Gesetz, das die Gleichberechtigung von Frauen und Männern verbindlich festlegte. Was uns heutzutage selbstverständlich erscheint, war das Ergebnis harter Kämpfe engagierter Frauen. Allerdings gibt es noch jede Menge zu tun, denn nicht nur in anderen Ländern werden die Rechte von Frauen missachtet, auch bei uns werden Frauen immer noch diskriminiert. So haben es Frauen auf dem Arbeitsmarkt immer noch schwerer als Männer. Insbesondere ihre Chancen beim beruflichen Wiedereinstieg, etwa nach einer Baby- und Familienpause, seien wesentlich schlechter, als bei Männern, weiß Inke Stäcker von der Beratungsstelle „Frau & Beruf“.

Davon konnte sich auch die junge Ukrainerin Iana Kaminska überzeugen, die zusammen mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Franz Thönnes sowohl die Frauenberatungsstelle „Frau & Beruf“ als auch den Verein „Frauen helfen Frauen“ besuchte und sich mit den dort arbeitenden Frauen austauschte. Die 23-Jährige Studentin ist zurzeit eine von rund 120 Internationalen Parlamentsstipendiaten des Deutschen Bundestages, junge Hochschulabsolventen aus 41 Nationen.

Die studierte Juristin wird fünf Monate lang von Franz Thönnes betreut, und jetzt begleitet sie den Sozialdemokraten auch auf seiner einwöchigen Tour durch seinen Wahlkreis in Schleswig-Holstein. Da sich Iana Kaminska sehr für das Thema Frauengleichstellung interessiert, besuchten sie in Bad Oldesloe die beiden Beratungsstellen. „Das ist eine tolle Möglichkeit für mich, mich aus erster Hand zu informieren. Deutschland ist ideal für mich“, so die junge Praktikantin, die hervorragend Deutsch spricht. „Bei uns in der Ukraine gibt es leider keine Frauenhäuser. Unsere Gesetze schützen die Frauen nicht so, wie hier in Deutschland. Es gibt zwar eine Art Hotline für Frauen in Not, aber nur in der Hauptstadt Kiew, nicht in der Provinz. In der Ukraine ist längst nicht so viel geregelt, wie in Deutschland“, erzählt Iana Kaminska.

Ein großes Thema, mit dem sich die Beraterinnen bei „Frauen helfen Frauen“ tagtäglich beschäftigen müssen, ist häusliche Gewalt. „Häusliche Gewalt hat dadurch, dass sie immer mehr öffentlich gemacht wird, das Bewusstsein der Menschen verändert. Die Gewalt wird realer in der Wahrnehmung“, sagt Dagmar Wölm, Sozialpädagogin bei „Frauen helfen Frauen“. In der Ukraine bekämen die Menschen viel weniger Informationen. „Es gibt nur einen Straftatbestand bei sexualisierter Gewalt. In Deutschland ist das viel differenzierter“, so die junge Juristin.

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