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Stormarner Tageblatt

17. August 2017 | 23:55 Uhr

Öffentliches WC : In der Not ist die Tür zu

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die geplante Behindertentoilette im Oldesloer Café am Markt soll nur mit einem Spezialschlüssel zugänglich sein.

Tja, so kann es kommen, wenn sich Entscheidungen und erst Recht deren Umsetzung über Jahre hinziehen. Plötzlich kann sich niemand mehr so genau erinnern: Wie ist das eigentlich mit der öffentlichen Toilette und dem Behinderten-WC im Café am Markt?

Die aktuellen Pläne für das „Laurent“, wie das Café am Markt zukünftig heißen soll, sehen im Bereich der ehemaligen Goldschmiede ein behindertengerechtes WC vor. Die Fassade wird nach vorne vorgezogen, es ist ein Durchbruch zum Restaurant geplant und eine Tür in Richtung Hindenburgstraße. Wie Architekt Christian Faber im Bauausschuss erklärte, werde eine elektronische Schaltung sicherstellen, dass jeweils nur eine der beiden Türen geöffnet werden kann. Im verbleibenden Teil der Goldschmiede ist die Küche vorgesehen. Das Café hatte nie eine professionelle Küche – das löst Platzprobleme im Restaurant. Dafür, dass die Pächter die Toilette mitbetreuen, bekommen sie monatlich 400 Euro. Die Tür zur Hindenburgstraße wird sich allerdings nur mit einem so genannten „Euro-WC-Schlüssel“, der ausschließlich an Behinderte ausgegeben wird, öffnen lassen.

So weit so gut. „Das ist aber doch keine öffentliche Toilette mehr. Wo kommt der Schlüssel her?“, wollte Bauausschuss-Vorsitzende Maria Herrmann (SPD) wissen. So spontan konnte das während der jüngsten Sitzung keiner beantworten. Dafür muss man tief in die Protokoll-Archive eintauchen.

Der entscheidende Beschluss fiel am 2. Dezember 2010. Dem Bauausschuss wurden sechs Varianten für ein öffentliches WC mit Behinderten-Toilette vorgelegt. Einstimmig machte Variante 2A das Rennen. Sie sieht ein öffentliches Behinderten-WC in den ehemaligen Killinger-Räumen vor. Kostenpunkt 75 000 Euro. Die restliche Fläche sollte Marketingbüro werden. Im Protokoll ist vermerkt: „Mit der öffentlichen Toilettenanlage entfällt der Bau des im Rahmen des Umbaus ZOB geplanten behindertengerechten WC, mit geschätzten Kosten von 180 000 Euro.“ Im August 2011 wurde der Beschluss leicht variiert: Kein Marketingbüro mehr, das soll der Gastronomie zugeschlagen werden, die Toilette rutscht nach hinten.

„Ich kann mir das nur so erklären, dass wir damals der Meinung waren, dass eine Toilette für alle völlig reicht“, kramt Maria Herrmann in ihren Erinnerungen. Zustimmung erhält sie von Uwe Rädisch: „Da hat Frau Herrmann völlig Recht. Wo jetzt die Küche vorgesehen ist, hatten wir mal eine öffentliche Toilette geplant. Das ist eine Haupt-Publikums-Achse, da macht sowas Sinn.“

Und wo kommt der Euro-Schlüssel her? „Fragen Sie mich nicht“, wehrt sich Yannick Thoms, Vorsitzende des Behindertenbeirats: „Das ist keine Forderung von uns.“ Laut ihren Unterlagen taucht der erstmals in einem Gespräch mit dem Gebäudemanagement im April 2014 auf. „Das war eine Idee der Verwaltung. Leider habe ich da zu spät reagiert. Wir vom Beirat hatten in der Runde vorgeschlagen, auch einen klappbaren Wickeltisch zu integrieren. Der würde ja mit einem Schloss keinen Sinn machen.“ Thoms erinnert an einen gemeinsamen Antrag von Senioren- und Behindertenbeirat für eine öffentliche Toilette. „Auf zwei Seiten die volle Argumentation für totale Öffentlichkeit“, findet sie: „Das macht ja auch Sinn, wenn die Stadt so viel Geld in die Hand nimmt.“

CDU und SPD wollen eine Lösung. „Da müssen wir noch mal ran“, sagt Uwe Rädisch. „Ich glaube, wir sind uns einig, dass wir das jetzt nicht ‚Michi‘ aufs Auge drücken können, seine Planung umzustellen“, führt Maria Herrmann aus.

 

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 10.Okt.2014 | 06:00 Uhr

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