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Stormarner Tageblatt

11. Dezember 2017 | 03:25 Uhr

In Bargteheide entscheidet das Los

vom

Hängepartie um Sitzverteilung: Stimmen-Patt im WK 7 / Entscheidung Mittwoch / Grünen die Gewinner, CDU und SPD die Verlierer

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Bargteheide | Was für ein Wahlabend in Bargteheide! Er endete mit einem Kuriosum: Zwar ging die Stimmenauszählung glatt über die Bühne, aber nicht die Sitzverteilung. Da sind noch alle Bälle in der Luft, weil es im Wahlkreis 7 (ASS I) eine Pattsituation gibt: Sandra Harmuth (CDU) und Andreas Müller (SPD) kommen auf jeweils 146 Stimmen. Alle Stimmen wurden noch einmal vom Wahlvorstand gezählt. Es blieb dabei. Da war guter Rat teuer: Bürgermeister und Gemeindewahlleiter Henning Görtz kontaktierte sofort die Kommunalaufsicht. Und die entschied, "eine Sitzverteilung wird es heute Abend nicht geben", verkündete Görtz kurz nach 20.30 Uhr den etwa 50 wahlinteressierten "Seh-Leuten" im Ratssaal. Erst am Mittwoch wird die Sitzverteilung feststehen. Dann tagt der Gemeindewahlausschuss, wird das Los entscheiden. Das zieht der Gemeindwahlleiter selbst. Da die CDU auf der einen Seite mindestens 13 der 14 Mandate direkt geholt hat, gibt es auf der anderen Seite Ausgleichsmandate. Die Wahl-Spannung bleibt also noch einige Tage erhalten.

Von dieser Besonderheit abgesehen, war es ein farbenfroher Wahlabend, bei dem der ein oder andere schwarz oder rot gesehen haben dürfte: Grün, die Farbe der Hoffnung, leuchtete in Bargteheide besonders hell. Gelb zeigte sich kräftig und orange verlor etwas an Strahlkraft. Bargteheider Farbenlehre anders ausgedrückt: CDU und SPD müssen satte Verluste hinnehmen. Die Grünen schaffen den Einzug in die Stadtvertretung. Die FDP legt leicht zu, die WfB verliert erheblich. "Hier geht noch was" - der Wahlslogan von Bündnis 90/Die Grünen findet in Bargteheide ein großes Echo. Hier geht nicht nur was, hier geht sogar mehr: Die Grünen schaffen nicht nur auf Anhieb den Sprung ins Stadtparlament. Sie können demnächst gleich auf mehreren Sitzen Platz nehmen (auch wenn die Anzahl derzeit noch nicht feststeht) und mittendrin statt nur dabei Politik betreiben. So ist der Jubel im Bahnhofsbüro, wo die Wahlparty läuft, nicht ohne. Ortsvorsitzende Isabell Steinau, Spitzenkandidatin Wiebke Garling-Witt, weitere Mitglieder und Sympathisanten können es kaum glauben. Die Grünen holen 15,3 Prozent der Stimmen - sind damit drittstärkste Kraft in der nächsten Stadtvertretung.

Auch die FDP kann zulegen und landet bei 6,6 Prozent (2008: 5,7 %). Verlierer des Abends sind ganz klar die großen Parteien - CDU und SPD - sowie die WfB (die Wählergemeinschaft für Bargteheide). Die CDU verliert zu 2008 weitere Prozentpunkte und kommt nur noch auf 41,5 Prozent. Die SPD verliert am meisten und pendelt sich bei 23,4 Prozent ein. 2008 waren es immerhin noch 31,3 Prozent. Mehr als 13,8 Prozent sind für die WfB nicht drin (2008: 17,5 %).

Während CDU, SPD und WfB den gestrigen Wahlabend erst einmal verdauen müssen, sind die Grünen über den grünen Wandel im Stadtparlament überglücklich. Hatten sie doch bislang nur hinter den Kulissen die Strippen für eine klimafreundliche Stadt und andere wichtige Themen gezogen. "Aber hallo, das ist phantastisch", erklärte am späten Abend Landeschefin Ruth Kastner in der Landeshauptstadt. "Jahrelang haben wir Politik nur außerhalb der Stadtvertretung betrieben. Dass die Wähler uns ihr Vertrauen zurückgegeben haben", sei einfach toll.

2009 waren die Grünen aus einem fünfjährigen Dornröschenschlaf erwacht und bereit für einen Ortsverband. Den führte jahrelang Ruth Kastner. Als sie zur Landesvorsitzenden gewählt wurde, brauchte sie eine Nachfolgerin: Die ist mit Isabell Steinau gefunden: "Wir haben während des Wahlkampfs viel Zuspruch bekommen und dass es frischen Wind für Bargteheide geben müsse." Nun gibt es diesen Wind!

Alle haben irgendwie auch verloren: Die Wahlbeteiligung sank auf 53,3 Prozent.

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