Immer wieder fasziniert von Jagdschloss Malepartus

So prächtig sah das Jagdschloss bis zum Jahr 1938 aus, als die Reichspost mit dem Umbau begann. Wilma Griese hinter der Rückfront des Modells. Foto: Meier
So prächtig sah das Jagdschloss bis zum Jahr 1938 aus, als die Reichspost mit dem Umbau begann. Wilma Griese hinter der Rückfront des Modells. Foto: Meier

Gleich zwei Ausstellungen in Bargteheide sind dem Jagdschloss Malepartus gewidmet. Bereits in der vergangenen Woche öffnete die Schau in den Fluren des Rathauses, die von Stadtarchivarin Hannelies Ettrich zusammengestellt wurde. Jetzt folgte das Museum des Verschönerungsvereins.

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16. September 2009, 10:29 Uhr

Bargteheide | Museumsleiterin Wilma Griese hat eine ganz andere Sichtweise auf das Jubiläum. Sie stützt sich vor allem auf die Aufzeichnungen von Ulrich Henke, der einst an einem Lehrgang in der ehemaligen Postlehrstätte teilnahm. Er hat die Geschichte des Gebäudes akribisch dokumentiert. Erstmals werden Auszüge aus seiner Arbeit damit der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Blickfang in der Ausstellung ist ein Modell des Jagdschlosses, sowie es bis 1938 aussah. Dann übernahm die Oberpostdirektion das Gebäude und baute es als Erholungsheim für weibliche Bedienstete gründlich um. Damit verschwand auch sein Charme aus der Gründerzeit. Das Ziegeldach wurde durch ein Dach aus Reet ersetzt. Das sollte sich später rächen. "1951 wollte der Hausmeister den Schornstein freibrennen", hat Wilma Griese herausgefunden. Doch der Funkenflug setzte das Reetdach in Brand. "Es folgte einer der größten Feuerwehreinsätze in Bargteheide", erzählt Wilma Griese.

20 Wehren waren im Einsatz, doch sie konnten nicht verhindern, dass das Obergeschoss völlig ausbrannte. Vom Wiederaufbau profitierten viele örtliche Handwerker in der kargen Zeit.

Das Modell im Maßstab 1:50 hat Günter Kossow nach den Bauplänen gebaut. Der leidenschaftliche Modellbauer hat den Zustand aus dem Jahr 1915 zum Vorbild genommen. Damals lebte die Familie des Erbauers Friedrich August Neubauer (1855 - 1928) im Jagdschloss, das streng genommen kein Schloss, sondern ein Landsitz im englischen Stil war.

Neubauer war ein Kaufmann, der sein Vermögen vor allem im Zuckerhandel gemacht hatte. Er war geschäftlich viel unterwegs. Nach und nach kaufte Neubauer bis zu 138 Hektar Land auf. "Oft nutzte er dabei die Situation in Not geratener Bauern auf", schreibt Henke. Das machte ihn nicht gerade beliebt. Das Land wurde verpachtet oder zur Jagd genutzt. Immerhin fanden einige Bargteheider im Jagdschloss eine Arbeitsstelle.

In einer Vitrine hat Wilma Griese Erinnerungen von Bargteheidern zusammengestellt. "Die Familie hatte keinen Kontakt zu den Bürgern hier", hat sie erfahren, "einige Zeitzeugen haben sich noch erinnert, wie Frau Neubauer mit ihren Töchtern in der Kutsche zum Bahnhof gefahren wurde." Aus Kanada kam ein Brief, in dem der Auswanderer Herbert Harder seine Erlebnisse beim Brand schilderte.

1938 kaufte die Reichspost das Anwesen. Henke beschreibt auch, wie sich in den 1940er Jahren hier Nazigrößen in Zivil dort vergnügten. In den letzten Kriegsjahren und danach fanden bis zu 100 Ausgebombte und Flüchtlinge hier ein Obdach. Am 3. Mai 1945 erreichten englische Truppen Bargteheide und richteten im Jagdschloss ihre Kommandantur ein. Sie blieben vier Jahre lang hier. Im Teich hatten kurz vor Kriegsende deutsche Soldaten noch ihre Waffen versenkt. "Einige wurden später herausgefischt und auf dem Schwarzmarkt in Hamburg verkauft", hat Wilma Griese erfahren.

Nach dem Brand baute die Bundespost das Haus als Lehrstätte um. Bis zu 120 Personen bildeten sich hier weiter. 1995 endete die Post-Ära.

Acht Jahre stand das Gebäude leer, dann übernahm Katharine Steinbuck das Anwesen. Es entstanden 43 vollstationäre Pflegeplätze im Apartementhaus, das die Post errichtet hatte. Im Jagdschloss hat ein Ambulanter Pflegedienst seinen Sitz, seit vier Jahren werden hier auch Altenpfleger ausgebildet. Dazu kommt ein Trauzimmer, das als Außenstelle des Standesamts anerkannt ist.

Die Ausstellung mit vielen Requisiten, Fotos und Dokumenten ist sonntags von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt fürs Museum in der Hamburger Straße 3 ist kostenlos.

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