Stormarn : Immer mehr Eltern wünschen sich eine Ganztagsbetreuung

Immer mehr Kinder gehen in die Krippe oder Kita.
Immer mehr Kinder gehen in die Krippe oder Kita.

Bei Kitas bieten Kommunen meist eine komplette Versorgung, bei Krippen sind es fast 45 Prozent

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02. August 2018, 10:44 Uhr

Seit fünf Jahren gibt es den Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung ab dem 1. Lebensjahr. Das kann jeder einfordern, wobei sich der Umfang nach dem individuellen Bedarf richtet. Allerdings war nicht die 100-prozentige Versorgung das Ziel. Die Vorgabe lautete, dass für mindestens jedes dritte Kind unter drei Jahren ein Betreuungsangebot zur Verfügung stehen sollte.

In Stormarn wurden in den vergangenen Jahren viele Plätze geschaffen, doch erreichen die Gemeinden die geforderte Quote von 33 Prozent? In der Kreisverwaltung wird zurzeit der Kindertagesstättenbedarfsplan 2018 erstellt, der Grundlage für die Finanzierung durch Land und Kreis ist. Bislang liegt nur der Plan aus 2017 vor, der 166 Kindertagesstätten mit 11 466 Plätzen in 702 Gruppen sowie weitere 1059 Plätze und 220 genehmigte Tagespflegepersonen aufzählt. Sieben weitere Einrichtungen sind in den vergangenen Monaten gebaut worden.

Als der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz ab dem dritten Lebensjahr eingeführt wurde, hatte der Kreis keine feste Quote vorgegeben, sondern den Gemeinden Handlungsspielraum eingeräumt. Sie durften von der geforderten hundertprozentigen Versorgung abweichen, wenn Erhebungen nachweisen, dass die Nachfrage geringer ist. Man wollte verhindern, dass über Bedarf gebaut wird, was sich in der Praxis bewährt hat. Es kamen so gut wie keinen Klagen und viele Kommunen liegen sogar über 100 Prozent.

Das sind laut Bericht 2017 die Städte Bad Oldesloe (102 Prozent) und Bargteheide (109), die Gemeinden Barsbüttel (104) und Tangstedt (107) sowie die Ämter Bad Oldesloe-Land (110) und Trittau (105). Am geringsten, aber mit 94 Prozent immer noch gut, war die Quote im Amt Bargteheide-Land. Zudem sind dort neue Kapazitäten geschaffen worden.

Auch bei den unter Dreijährigen hat der Kreis den Gemeinden keine Quote aufs Auge gedrückt. „Die Nachfrage ist in den städtischen und ländlichen Gemeinden sehr unterschiedlich. Daher macht eine einheitliche Versorgungsquote keinen Sinn“, heißt es im Bericht. Einen Platz für jedes dritte Kind fordert der Gesetzgeber, wobei 30 Prozent der Plätze in der Tagespflege sein dürfen.

Diese Vorgaben übertrifft Stormarn locker. Auch ohne die zuletzt neu geschaffenen Plätze lag der Kreisdurchschnitt bereits bei 41 Prozent. Mit den angekündigten 340 zusätzlichen Plätzen dürfte die Versorgungsquote bereits bei 45 Prozent liegen.

Den höchsten Wert weist Reinfeld mit 70 Prozent auf. 50 und mehr sind es in Barsbüttel und im Amt Bargteheide-Land. Zwischen 40 und 50 Prozent liegen die Ämter Nordstormarn und Oldesloe-Land, Großhansdorf, Reinbek und Tangstedt – unter 40 Prozent die Ämter Siek und Trittau, Bargteheide, Oststeinbek und Glinde. Unter den 33 Prozent bleibt – Stand 2017 – nur Bad Oldesloe mit 30 Prozent.

Regional, vor allem in Städten, gebe es aber trotzdem Probleme, sagt Kreisjugendamtsleiter Wilhelm Hegermann, „auch wenn sich die Kommunen bemühen, kann nicht jeder Wunsch voll erfüllt werden.“ Stormarn verzeichnet nicht nur Zuzug, „wir hatten in den vergangenen Jahren auch eine erhebliche Zunahme durch Asylsuchende. Das war nicht planbar“, erläutert Wilhelm Hegermann.

Um exaktere Zahlen zu bekommen, welche Betreuung vor allem im U 3-Bereich gewünscht wird, hat die Kreispolitik Mittel für eine Elternbefragung durch ein Institut bereitgestellt. Vor wenigen Jahren war die Kita die erste auswärtige Betreuung, jetzt kommen immer mehr Kinder aus der Krippe, und die Eltern brauchen oder wollen oft einen Ganztagsplatz. „Sechs bis acht Stunden sind im U3-Bereich schon heute der Regelfall“, betont Hegermann, „mit der Umfrage wollen wir klären, welchen Umfang, welche Randzeiten und welche sonstigen Angebote von den Eltern gewünscht werden.“

Die meisten Kosten für die Kitas fallen in den Kommunen an. Der Kreis übernimmt den Sozialstaffelausgleich, der für Geschwisterkinder und Eltern mit geringem Einkommen gewährt wird. 12,6 Millionen Euro sind im laufenden Haushalt angesetzt. Das ist doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Und die Tendenz ist weiter steigend.

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