Lesestoff : Immer diese Jugend ...

Die pensionierten Lehrer und Buchautoren Dietrich von Horn (r.) und Hein-Dirk Stünitz.
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Die pensionierten Lehrer und Buchautoren Dietrich von Horn (r.) und Hein-Dirk Stünitz.

Bargteheider Autorenduo schrieb ein Buch über die merkwürdigen Launen junger Leute

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11. August 2018, 06:00 Uhr

In Deutschland leben laut Statistischem Bundesamt etwa 8,7 Millionen Jugendliche und junge Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren. Bei allem Verständnis für die jungen Leute, die sich mit Pubertät und Selbstfindungsprozessen auseinandersetzen, kommt es immer wieder zu fassungslosem Kopfschütteln bei der älteren Generation. Diese muss nämlich die Egozentrik, die dümmliche Lautheit, das Desinteresse, die Wichtigtuereien und so manche Rücksichtslosigkeit der Jugendlichen tagtäglich ertragen. So sehen es jedenfalls – mit einem Augenzwinkern – die beiden Bargteheider Dietrich von Horn (73) und Hein-Dirk Stünitz (70), die sich mit „der Jugend“ bestens auskennen, denn beide Senioren waren mal jahrzehntelang gestandene Grund- und Hauptschullehrer.

Dietrich von Horn, Gründungsmitglied des Bargteheider Kunstkreises, und Hein-Dirk Stünitz, ehemaliger Schulleiter der Grund- und Hauptschule Bargteheide, kennen sich seit 50 Jahren und haben jetzt gemeinsam ein weiteres Buch geschrieben mit dem viel sagenden Titel „Immer diese jungen Leute! 111 Gründe, über die Jugend den Kopf zu schütteln“. Kurzweilig und treffend, manchmal sogar sehr verständnisvoll beschreiben die beiden Bargteheider in ihrem neuesten Werk die Nervereien der Jugend von heute. Vergleichend mit ihrer eigenen, selbstverständlich vorbildlichen Jugendzeit, geben die Autoren Einblicke in unsere Zeit und Ausblicke auf eine fragwürdige Zukunft. Dietrich von Horn und Hein-Dirk Stünitz haben 111 Gründe zusammen getragen, über die Jugend den Kopf zu schütteln und sich insgeheim zu freuen, dass man selbst gereift und erwachsen ist. Sie werfen einen professionellen und persönlichen Blick auf die Jugendlichen von heute. Schließlich haben beide Autoren selbst erwachsene Kinder, mehrere Enkelkinder und wissen deshalb ziemlich genau, worüber die reden, bzw. schreiben.

„Sie sind ja noch unfertige Wesen, wollen sich oder sollen sich noch finden. Da müssen sie sich aber von uns lebenserfahrenen, klugen, bedachten Alten nun einmal Kritik gefallen lassen. Schließlich wissen wir ja, wie der Hase läuft“, sagt Dietrich von Horn mit einem Augenzwinkern. Gründe, über die Jugend den Kopf zu schütteln gibt es mehr als genug. In acht Kapiteln mit verschiedenen Schwerpunkten wie Mode, Freizeitgestaltung, soziales Verhalten oder Nöte im Alltag werden die verschiedensten Gründe aufgezählt, warum das Kopfschütteln der Alten keine gesundheitlichen Gründe hat, sondern dem merkwürdigen Gebaren der Jugend gilt.

Jeder der 111 Gründe beginnt mit einem „weil“: Weil sie dem Modewahn unterliegen, weil sie sich ihre eigene Sprache basteln, weil sie gerne Filme wie „Fack ju Göhte“ sehen, weil sie naive Träume haben, weil sie ihre eigene Haut freiwillig verschandeln und so weiter.

Dabei nehmen die Autoren natürlich auch ihre eigene Jugend aufs Korn und vergleichen ihre Jugendzeit vor mehr als 50 Jahren mit den heutigen Verhältnissen. Zum Beispiel beim Thema „Haarstyling“: In den 50er Jahren war die Frisur bei den Jungen nicht essenziell, aber doch nicht ohne Bedeutung. Im Frühjahr hieß es: Ab mit den Haaren, hin zum Friseur! Widerspruch wurde nicht geduldet. Und so kam man vom Friseur mit fast kahlem Kopf und damit durch den Sommer. Erst der Rock’n’Roll hinterließ bei den jungen Männern seine Spuren – Elvis sei dank. Die Haare mussten nun gestylt werden, „Brisk aus der Tube“ wurde ein begehrtes Mittel. Und die Frisur wurde Ausdrucksmittel für eine bestimmte gesellschaftliche Haltung: Lange Haare Revoluzzer, kurze Haare Spießer. Und heute?

Schwer im Trend ist der seitliche Kahlrasierer mit hochgestylter Krone, neudeutsch „undercut“, schreibt Hein-Dirk Stünitz. Ein schlechtes Gewissen muss man ob dieser Kritik nicht haben, denn schon die alten Sumerer sind viel herber mit ihrem Nachwuchs ins Gericht gegangen und vermerkten auf Tontafeln: „Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen übernommene Werte.“

Die beiden Autoren leben in Bargteheide und schrieben gemeinsam bereits die Bücher „How to survive im Ruhestand. Wie man das Leben ohne Arbeit in vollen Zügen genießen lernt“ sowie „Weitere 111 Gründe, Lehrer zu sein: Eine Hommage an den allerschönsten Beruf der Welt“.

>Das Taschenbuch „Immer

diese jungen Leute“ hat 264

Seiten, ist im Verlag Schwarzkopf &

Schwarzkopf erschienen und

kostet 9,99 Euro.
















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