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Stormarner Wochenschau : Immer an der Wand lang

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ungewöhnliche Bauvorhaben, sonderbare Werbeversprechen ud eine vielsagende Botschaft.

von
erstellt am 25.Dez.2016 | 06:00 Uhr

Gegen die Wand

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Das sagte DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht wenige Wochen, bevor die Berliner Mauer gebaut wurde. Bis heute rätselt man ja darüber, wer dieser Niemand war, aber es ist kaum anzunehmen, dass sich Ulbricht jemals etwas daraus gemacht hat, als Lügner dazustehen – war ja nur im verhassten Westen. Der Deutschen Bahn ist es vermutlich auch egal, dass Ahrensburg bald von einer Mauer geteilt sein könnte. Natürlich ohne Stacheldraht und statt Graubeton in augenfreundlichen Grüntönen und sogar durchsichtig dort, wo historische Sichtachsen der Schlossstadt von den drei oder sechs Meter hohen Wänden durchschnitten werden. Anders als Ulbricht leugnet die Bahn ihre Absicht ja nicht. Zwei Mauern – eine rechts und eine links der Bahnlinie – sei sogar alternativlos, wenn die Ahrensburger nicht vom Lärm der S-Bahnen und Güterzüge auf der Belt-Strecke genervt und um den Schlaf gebracht werden wollen. Es kann also niemand sagen, er hätte nichts gewusst. Geahnt hatte man es ja schon länger, aber irgendwie gedacht, dass der Kelch an einem vorüber gehen würde. Wenn die Bahn nicht bereit sei, die Gleise tiefer zu legen, könnten doch zumindest alternative Lärmdämm-Konzepte zum Einsatz kommen, dachte man – Mini-Wände in Achsenhöhe und Matten auf den Gleisen. Das reicht laut Bahn aber nicht, um die Grenzwerte einzuhalten. Und nun fragt sich die Politik: Was nun? Kann man nur hoffen, dass Bürgermeister Michael Sarach nicht eines Tages auf den Slogan der Demonstranten in der untergehenden DDR zurückgreifen muss.

 

Marketing

„Dank vielseitiger Verkehrsverbindungen und unmittelbare Nähe zu Hamburg und Lübeck haben Menschen wie Unternehmen auch schnellen Zugang zu den Häfen und Fähren“ heißt es auf im Internetauftritt des Kreises, der erst vor wenigen Wochen völlig erneuert wurde. Jedenfalls äußerlich. Der Inhalt scheint weniger interessant zu sein. Den „Top-Zustand der Bundes- und Landstraßen“ in Stormarn kann man noch als Eigenwerbung durchgehen lassen. Dass „die Flughäfen der beiden Hansestädte, Hamburg-Fuhlsbüttel und Lübeck-Blankensee“ vor der Tür liegen, stimmt zwar noch geographisch, von Blankensee hebt aber schon seit Jahren keine größeres Flugzeug mehr ab.

Dass man in Hamburg, Reeperbahn, Michel, Mönckebergstraße und den Fischmarkt beliebteste Sehenswürdigkeit der Hansestadt empfiehlt, aber die Elb-Philharmonie nicht erwähnt – geschenkt. Aber dass der Kreis Stormarn ausreichend Grundstücke für die Einzel-, Doppel- und Reihenhausbebauung bietet, um den „Traum vom Leben in gesunder Natur und den Wunsch zum Wohnen im eigenen Haus im Grünen“ Wirklichkeit werden zu lassen, ist weder Werbung noch Marketing, sondern schlicht falsch. Zumal man da noch der Satz folgt: „Mit einem Quadratmeterpreis ab ca. 65 Euro ist Bauland auch für junge Familien erschwinglich.“

 

Botschaft

Die Kritik der Kieler Piraten-Fraktion am Stormarner „Gefahrengebiet“ will man bei der Polizei gar nicht gerne hören. Umso erfreuter verkündete die Direktion, dass die Großkontrolle auch von denen gutgeheißen wurde, die kontrolliert wurden. Die Botschaft: Wir sind Freund und Helfer, nicht der Polizeistaat.

 

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