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Stormarner Tageblatt

26. Juli 2017 | 00:50 Uhr

Bargteheide : Im Reich der Kleingärtner

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

126 Mitglieder der Kolonie feierten 70-jähriges Bestehen in Bargteheide.

Ein wenig sorgenvoll schauen Bargteheides Kleingärtner auf das benachbarte Wohngebiet, wo es schon neue Bebauungspläne gibt. „Wir fühlen uns inzwischen schon etwas eingekesselt“, sagt der Vorsitzende Wolfgang Meyer. Denn auch das letzte Teilstück der westlichen Umgehung wird entlang des Vereinsgeländes im Norden der Stadt geplant.
Doch noch gibt es keine Begehrlichkeiten für die 4,5 Hektar große Fläche. Jetzt feierten die 126 Mitglieder ihr 70-jähriges Bestehen.

Es gibt nur wenige Regulierungen für die Pächter. „Ein Drittel der Parzellen muss mit Obst oder Gemüse bebaut werden“, sagt Reinhard Vogler vom Festausschuss, „das schreibt ein Bundesgesetz vor.“ Und Wolfgang Meyer betont, dass der Verein eigenständig ist: „Wir sind nicht im Verband, weil wir uns weitere Vorschriften ersparen wollten.“ Neue Lauben dürfen nicht mehr als 24 Quadratmeter haben. Doch die werden nur selten errichtet, meist gehen die vorhandenen Lauben von alten zu neuen Pächtern über. „Die sind in der Regel sofort weg“, sagt Meyer, „wenn der Abstand nicht zu utopisch ist.“ Zwischen 3000 und 8000 Euro werden heute gefordert.

Meist harmonisch klappt das Zusammenleben, Freundschaften sind entstanden. „Es gibt hier keine Probleme“, freut sich Meyer. Wenn es doch mal Streit gibt, tagt ein Schiedsgericht, über dessen Beschluss dann noch der siebenköpfige Vorstand entscheidet. „Meist geht es um herüberhängende Äste oder zu viel Unkraut“, weiß Meyer. Ein Drittel der Parzellen wird heute von Aussiedlern aus Russland bewirtschaftet. Der Einsatz von Pestiziden ist verboten.

Knapp die Hälfte des Geländes gehört der Stadt, der Rest der Ev. Kirchengemeinde. Die Kirche stellte ihre Fläche bereits 1947 zur Verfügung, sieben Gartenfreunde bildeten die Keimzelle für den Verein. In den Hungerjahren nach dem 2. Weltkrieg wurden die Gärten komplett für eine bessere Ernährung genutzt. Die städtischen Flächen wurden erst später hinzugepachtet. In Eigenleistung wurden später Strom- und Wasserleitungen verlegt. 93 Parzellen gibt es heute. Die Pacht kostet 22 Cent pro m² jährlich, was im Schnitt gut erschwingliche 90 Euro ausmacht. Der Mitgliedsbeitrag liegt bei 25 Euro im Jahr, die Aufnahmegebühr bei 110 Euro. Übernachten in der Laube ist ausnahmsweise auch erlaubt, aber einen festen Wohnsitz bietet die Kolonie natürlich nicht.

Zwei der neuesten Pächter sind Tanja und Carsten Stein, deren Parzelle im Blumenweg liegt. „Wir haben Garten und wollten uns ohne Gift eigenes Gemüse anbauen.“ Das machten sie zuerst beim Gut Wulfsdorf. Doch dort wird das Ackerland jährlich neu vergeben, eine Laube darf darauf nicht gebaut werden.
Deshalb war das Paar froh, dass es im Mai den Zuschlag in Bargteheide erhielt.

Bei einem Bewerbungsgespräch erkundete der Vorstand, ob beide wirklich gärtnerisches Interesse hatten. Erbsen, Rote Bete und Zwiebeln sprießen jetzt, im Gewächshaus reifen die Tomaten, Quitte und Süßkirsche sind gepflanzt. Die allseits bedauerte Schneckenplage verschont auch das Paar nicht. „Wir hoffen noch auf Tipps von Nachbarn“, sagt Carsten Stein, „ansonsten holen wir uns Rat in der Literatur und bei Google.“




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