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Stormarner Wochenschau : Ideen und Geld passen nicht immer

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Wohin mit den Fahrrädern, wohin mit dem Geld und wohin mit dem ... nein, CO2 wollen lieber gar nicht erst produzieren. Aber die Vorschläge kommen nicht immer an.

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erstellt am 28.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Geld-Frage

Was ist schlimmer: Wenn man denkt, dass man Geld hat, aber pleite ist? Oder wenn man denkt, dass man pleite ist, aber in Geld schwimmt? Jedes Jahr ist die Stadt Ahrensburg mit einem Minus ins Haushaltsjahr gegangen. Und weil man Jahre (und externe Hilfe) brauchte, bis die Jahresabschlüsse vorlagen, wusste man gar nicht, dass man unter dem Strich Geld übrig hätte, und gar nicht mal so wenig. Da hätte man also nicht so knausern müssen, als man der Stiftung Schloss Ahrensburg das Geld versagte, das man eigentlich zugesagt hatte. Fünf Mal 100  000 Euro im Jahr sollte die Schlossstadt zahlen, dann zahlt die Sparkasse Holstein noch mal dieselbe Summe ein. Als Ahrensburg das endlich mal wollte, zeigte das Land die rote Karte. Erst wenn der Haushalt drei Jahre lang ausgeglichen ist, dürfe man auch zustiften, teilten die Rechnungsprüfer mit. Hätte man – von hinten betrachtet – sogar irgendwie geschafft, aber in Kiel interessiert man sich nicht für die echten Zahlen – man prüft nur den Entwurf. Drei Jahre Zeit hat Ahrensburg nun aber nicht mehr, weil der Vertrag mit der Sparkasse im Jahr 2018 ausläuft.

Wenn nicht irgendjemand noch ein Einsehen hat, bleibt die Schlossstiftung so unterkapitalisiert, wie sie von Anfang an auch war. Hätte sie die 800  000 Euro schon bekommen, wäre das Defizit wesentlich niedriger. Gegen die 130  000 Euro im Jahr haben die Prüfer nichts einzuwenden, weil es ja keine Abgabe von Vermögen ist. Die tatsächliche Rechnung müsste anders aussehen: 400  000 Euro von der Stadt Ahrensburg wären 800  000 Euro für die Stiftung des Schlosses, die damit ihr Defizit um jährlich bis zu 30  000 Euro senken könnte.

Pedal-Ritter

Radfahren macht Spaß und ist gesund. Der Kreis Stormarn bietet viele interessante Fahrradrouten.Und wer das Auto stehen lässt, erzeugt auch keine Abgase. Alles richtig, aber braucht es den Pseudo-Wettbewerb Stadtradeln, um den Menschen beizubiegen, was ohnehin jeder weiß? Sicher, der eine oder andere lässt sich motivieren, tatsächlich drei Wochen ganz aufs Auto zu verzichten. Aber selbst das geht nur im Sommer und auch nur dann, wenn die Wege nicht zu weit und die Termine nicht zu eng sind. Die beeindruckende Zahl an Kilometern kommt ja nicht durch diese Idealisten zusammen, sondern weil tausende Schüler mitmachen. Umsteigen können die – wenn überhaupt – nur vom Bus. Und der fährt sowieso. Schon klar, dass es beim Stadtradeln vor allem um Symbolpolitik geht. Aber selbst die sollte schlüssig sein.

Versprecher

Ja, so langsam nimmt der Oldesloer Bürgermeister-Wahlkampf Fahrt auf. Auch die zweite Kandidaten-Runde in der Festhalle war wieder dermaßen überlaufen, dass noch vor Veranstaltungsbeginn wieder die Türen geschlossen werden mussten.

Und auch inhaltlich kommt langsam Bewegung in die Sache. Der Ton wurde eine Spur schärfer. Bei der zweiten Runde kitzelte Moderator Carsten Kock dann doch ein paar konkrete Details aus den Bewerbern heraus. Die überraschten teilweise sogar selber mit Idee. Jörg Feldmann (CDU) brachte beispielsweise einen Bürgerbeauftragten ins Gespräch. Ja ... hauptamtlich dürfte wohl flach fallen, denn die CDU lässt bislang keine Gelegenheit aus, gegen die anschwellenden Personalkosten zu wettern. Wenn überhaupt, dann werden neue Stellen nur zähneknirschend besetzt. Also ehrenamtlich. Kinder- und Jugendbeirat? Mangels Masse implodiert. Seniorenbeirat? Kandidaten konnte man nicht mal mit der Lupe finden. Behindertenbeirat. Ja, da gibt es ein paar fleißige, aber ganz ehrlich, auch der quillt nicht über vor engagierten Kandidaten. Oldesloe ist eben nicht Berlin oder Hamburg, hier trifft man den Bürgermeister oder wichtige Kommunalpolitiker noch in der Stadt, auf dem Wochenmarkt, beim Kaffee – die sind in der Regel auch immer ansprechbar.

Jörg Lembke hat in Holland schwimmende Pontons entdeckt, auf denen Fahrräder geparkt werden. Sowas brachte er als Idee für Oldesloe ins Gespräch. Naja, bislang wurden Beste oder Trave ja nur genutzt, um Räder endzuparken. Die größten Rad-Park-Probleme hat die Stadt am Bahnhof – fernab von Gewässern. Die einfachen Lösungen sind da schon rauf und runter geprüft worden ...

So ist halt der Wahlkampf. Und am Ende könnte man dem jeweiligen Bürgermeister vermutlich nicht mal einen Vorwurf machen, denn er kann kurzerhand sagen: Ich wollte ja, aber die böse Politik hat dagegen gestimmt.

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