Ahrensburg : „Ich wusste nicht, dass es verboten ist“

<p>Ein Kind löste mit einer täuschend echt aussehenden Spielzeugwaffe einen Polizeieinsatz auf der Kieler Woche aus.</p>

Ein Kind löste mit einer täuschend echt aussehenden Spielzeugwaffe einen Polizeieinsatz auf der Kieler Woche aus.

Weil er Waffen in ein Krisengebiet geliefert hat, wurde ein Oldesloer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

shz.de von
09. März 2017, 18:00 Uhr

Seine Gutmütigkeit hat Oleg K. zum Straftäter gemacht. „Ich habe im Internet einen Ukrainer kennengelernt, mit dem ich meinen Musikgeschmack teilte“, sagt er vor dem Schöffengericht in Ahrensburg aus. Dem schickte er öfters Lautsprecher oder Verstärker nach Kiew. Doch dabei blieb es nicht. Sein Freund bat ihn um eine kriminelle Gefälligkeit und gab ihm den Link einer slowakischen Firma im Internet. K. sollte Pistolen und automatische Waffen besorgen. „Das gefiel mir überhaupt nicht“, sagt er, „schweren Herzens habe ich es aber doch getan.“

Die waren 2015 noch legal in der Slowakei zu haben. Sie waren zwar als Salutwaffen noch nicht scharf, das konnte aber mit wenigen Handgriffen geändert werden. Die Gesetze wurden später zum Glück geändert. Das Bundeskriminalamt erhielt im gleichen Zug Zugriff auf die Kundenkartei der slowakischen Firma. Und dort tauchte auch K.s Name auf. „Wir haben so schon Hunderte von Verfahren nach dem Kriegswaffen-Kontrollgesetz durchgeführt“, sagt der Staatsanwalt.

„Ich wusste nicht, dass es verboten ist“, sagt K., der voll geständig ist. Auf der Internetseite der Firma habe nichts davon gestanden. Erst nach den Terrorangriffen in Paris sei er nachdenklich geworden und habe keine Waffen mehr in die Ukraine geschickt. Er habe seinem Freund aber eine Frau aus Bayern vermittelt, die seine Aufgabe übernahm.

Den Transport organisierte er verdeckt. Der 44-Jährige aus Bad Oldesloe brachte die Waffen verpackt in Kartons mit Hifi-Geräten zum Busbahnhof in Hamburg. Dort gab er sie Busfahrern mit. „40 bis 80 Euro habe ich dafür gezahlt, je nach Größe des Pakets“, sagt er. Dann gingen die Waffen auf Reise in die Ukraine, wo schon damals Bürgerkrieg herrschte. Mindestens zwei Maschinenpistolen und andere Feuerwaffen gelangten so ins Krisengebiet. Auch passende Munition besorgte er. Die ist bei uns zwar nicht legal zu haben, aber in Einzelteilen schon. So besorgte K. Hülsen, Zündplättchen und Patronen. 10 bis 20 Prozent schlug er auf den Einkaufspreis auf und verdiente 2000 Euro. Im Dezember durchsuchten Landeskriminalbeamte die Wohnung, fanden Luftpistole und MP-Attrappe – und eine akribische Buchführung über die Waffen-Deals.

Immerhin zeigte sich K. sofort kooperativ und nannte die Namen der Beteiligten. Auch bei der Bayerin lief eine Hausdurchsuchung an, die Hamburger Polizei ermittelte gegen die Busfahrer. Der Name seines ukrainischen Partners ist bekannt. „Es gibt diese Person“, sagt der Staatsanwalt, „sie ist aber nicht auffindbar.“

Die getarnte Lieferung mit dem Bus spreche für einen Vorsatz, so der Staatsanwalt: „Es ist erhebliches Unrecht, Waffen in ein Krisengebiet zu liefern.“ Mildernd sei zu berücksichtigen, dass K. die Waffen nur durchgereicht und nicht scharf gemacht habe. Das Schöffengericht verhängt eine einjährige Bewährungsstrafe. Die Bewährungsfrist beträgt drei Jahre. Dazu kommen 2000 Euro Geldstrafe, die K. in Raten an den Kinderschutzbund zahlen muss.

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