„Ich war gerne hier“

Flüchtling Michael Tsegay (3.v.l.) aus Eritrea mit (v. l.): Betreuerpaar Jürgen und Marianne Heydorn, Bürgermeisterin Ulrike Stentzler sowie Peter Kung und Waldemar Preis vom Bauhof.
Flüchtling Michael Tsegay (3.v.l.) aus Eritrea mit (v. l.): Betreuerpaar Jürgen und Marianne Heydorn, Bürgermeisterin Ulrike Stentzler sowie Peter Kung und Waldemar Preis vom Bauhof.

Erster Flüchtling feierlich nach Baden-Württemberg verabschiedet

shz.de von
30. November 2016, 14:34 Uhr

Lütjensees erster Flüchtling, Michael Tsegay (37), wurde gestern feierlich von Bürgermeisterin Ulrike Stentzler, seinen Betreuern Marianne und Jürgen Heydorn sowie seinen Arbeitskollegen vom Bauhof, Peter Kung und Waldemar Preis, mit einem Essen im Dorfgemeinschaftshaus verabschiedet. „Ich war gerne hier, würde gerne bleiben, aber meine Frau hat in Neuenburg in Baden-Württemberg bereits eine Arbeit als Erzieherin gefunden“, sagt der Eritreer, der sich daher mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus der Gemeinde verabschiedet.

2014 kam er als erster Flüchtling nach Lütjensee, sein Asylverfahren steht kurz vor dem Abschluss. Seine Frau ist bereits anerkannt, die drei Kinder sollen demnächst aus Eritrea kommen und die Familie wieder komplett machen.

Im Rahmen des Asylbewerberleistungsgesetzes hat Tsegay im Bauhof gearbeitet, war vorwiegend für die Rasen- und Beetpflege verantwortlich. In seinem Zeugnis wird er als fleißig, zuverlässig und freundlich bezeichnet. „Es war ein unkompliziertes Verhältnis. Michael Tsegay hat auch in der Gemeinschaftsunterkunft, in der er ein acht Quadratmeter großes Zimmer bewohnt hat, für Ordnung gesorgt und Streit geschlichtet, der auf so engem Raum schnell mal aufkommt“, sagt Bürgermeisterin Ulrike Stentzler. Unterstützt wurde er von der Familie Heydorn, die sich verstärkt um die Verbesserung seiner Deutschkenntnisse bemühte. Auch gemeinsamer Sport wie Prellball und Fußball standen je einmal die Woche auf dem Programm des Bayern-München-Fans Tsegay. „Er ist ein netter, fleißiger Mensch“, bestätigen auch die Heydorns.

Michael Tsegay kam nach der Schule mit 21 Jahren zum Militär in Eritrea. Das brutale Vorgehen konnte er jedoch nicht verkraften und desertierte – flüchtete nach Deutschland. „Ich möchte in kein anderes Land“, betonte er zum Abschied. Und eine Rückkehr wäre wohl lebensgefährlich. In Lütjensee werden derzeit 54 Flüchtlinge betreut.

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