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Brandstifter-Prozess : „Ich sehe keine Fluchtgefahren“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Jugendschöffengericht Ahrensburg hebt die Haftbefehle gegen die jungen Angeklagten auf.

Überraschung am dritten Prozesstag gegen die vier Brandstifter, die aus den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr Ahrensfelde kommen: Das Jugendschöffengericht in Ahrensburg hob jetzt die Haftbefehle gegen die Angeklagten auf. Die waren nur mit erheblichen Meldeauflagen und Kontaktverbote ausgesetzt worden. Das Gericht folgte damit dem Antrag eines Verteidigers für seinen Mandanten.

Auch der Staatsanwalt hatte keine Einwände und beantragte die Aufhebung des Haftbefehls für alle vier Angeklagten: „Ich sehe keine Fluchtgefahren.“ Die Fortsetzung der Hauptverhandlung sei deshalb nicht gefährdet.

Die wichtigste Aussage beim jüngsten Prozesstag kam vom zweiten Auftrags-Brandstifter, der bereits deswegen und anderer Taten zu zwei Jahren Haft verurteilt worden ist. Der 21-jährige Pferdewirt Hans C. (Name geändert) aus Hamburg wurde zum zweiten Mal im Gericht in Handschellen vorgeführt. Beim letzten Termin war die Vorladung kurzfristig aufgehoben worden, zuvor kam er ebenfalls nicht zu Wort. Entsprechend mürrisch war er, weil er jetzt zum dritten Mal von einer Haftanstalt in die andere „verschubst“ und dann zum Gericht transportiert wurde.

Teils allein, teils mit seinem Kumpan legte er fünf Brände, um damit die bereits ins Visier der Polizei geratenen Feuerwehrleute zu schützen. Dafür wurde ihnen Geld geboten, allerdings nicht immer auch gezahlt. „Das Geld war mir nicht wichtig. Ich wollte nur, dass meine Freunde nicht verdächtigt werden“, so seine Aussage. Welche Summen für die Brandstiftungen gezahlt wurden, bleibt widersprüchlich. Vermutlich waren es Beträge zwischen zehn und 50 Euro pro Tat. Aber auch aus Langeweile und spontan habe er eine Strohmiete angezündet, so Hans C.: „Damit haben die Angeklagten nichts zu tun.“

Wie die meisten Zeugen in diesem Verfahren hat auch er große Erinnerungslücken. Er belastet vor allem einen ehemaligen Feuerwehrmann schwer, einen 22-Jährigen aus Hamburg. Der hatte am ersten Verhandlungstag als Einziger ausgesagt und auch eigene Brandstiftungen zugegeben.

„Er hat mich beauftragt und mir das Geld gegeben“, sagt Hans C. Seine letzte Brandstiftung ließ er bewusst misslingen: „Ich habe einen Dunghaufen angezündet, ich wusste, dass er nicht brennen wird.“ Er war sauer, weil sein Auftraggeber nicht gezahlt hatte. Auch das Schicksal der vier Angeklagten ist ihm gleichgültig: „Ich habe meine Strafe, was die anderen bekommen ist mir egal.“

Interessant war auch die Auswertung der Handy-Daten, die über „Whats App“ gesendet wurden. Mit etwa 25 Jugendlichen hatten die Angeklagten und der Zeuge dort eine Gemeinschaft betrieben. „Atown Chiller“ nannte sie sich. Die Kripo hatte die gespeicherten SMS ausgewertet und dabei verdächtige Botschaften entdeckt. „Wie viel kriege ich?“, „was denn, soll ich was anzünden?“ oder „die Bullen sind hier draußen, ich muss mich verstecken“, lauteten einige der Botschaften.

Allein deren Auswertung soll 15 Aktenordner füllen. Sie werden während der nächsten Verhandlung offen gelegt, der auswertende Beamte wird als Zeuge geladen. „Wir haben bisher nur Auszüge davon erhalten“, kritisiert Anwalt Thomas Elvers, „wir erfahren damit nur, was Polizei und Justiz für wichtig halten.“

In dieser Gemeinschaft, die sich oft bei McDonalds oder dem Penny Markt in Ahrensburg traf, ließen sich die Taten nicht verbergen. Zumal einige Freundinnen bei Brandstiftungen dabei waren und im Auto warteten. Vor Gericht bestätigten sie das. „Ich habe nicht damit geprahlt, aber so sprach sich das natürlich langsam herum“, sagt er.

Ob sie sich die ausgesetzte Belohnung verdienen wollte, fragte ein Verteidiger eine 16-jährige Zeugin. Auch ihr Chat wurde ausgewertet. „Frag bei der Polizei nach dem Geld“, hatte eine Freundin geraten. „Wollten sie für die Belohnung Kleider und Handtaschen kaufen?“, fragte der Anwalt. „Kann sein in der ersten Euphorie“, gab sie zu.

Viele Fragen sind noch offen, die Situation der Angeklagten hat sich aber entspannt. Nur der Hauptakteur muss vermutlich mit einer höheren Strafe rechnen, durch sein vorläufiges Geständnis hat er aber Pluspunkte gesammelt.

>Die Fortsetzung der Verhandlung ist für Montag, 23. November ab 11 Uhr geplant. Dann gibt es wahrscheinlich auch Aussagen der übrigen drei Angeklagten, so kündigten es ihre Anwälte an.
 

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