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Das Videothekensterben : „Ich habe bis zum Schluss durchgehalten“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

In Bargteheide wird im August die letzte Videothek geschlossen. Andere Besitzer in Stormarn suchen nach zusätzlichen Geschäftsfeldern.

Es ist schwer zu ertragen, wenn ein halbes Lebenswerk als gescheitert erscheint. An diesem Punkt steht Roger K. (Nachname auf seinen Wunsch hin abgekürzt). Mitte dieses Monats wird er seine Videothek in Bargteheide schließen. „Es rechnet sich längst nicht mehr“, sagt der 48-jährige Pölitzer, der den Medienverleih seit einem Vierteljahrhundert betreibt: „Bevor ich Schulden machen muss, schließe ich lieber jetzt.“

Es ist ein Zeichen der Zeit: Mit der zunehmenden Zahl der Angebote, die per Internet, konsumiert werden können, haben die Videotheken ihre Bedeutung weitgehend verloren. Die Bargteheider ist eine der letzten klassischen Videotheken in Stormarn: Die ehemals drei Videotheken in Ahrensburg sind alle geschlossen, den den drei Videotheken in Bad Oldesloe ist noch eine übrig geblieben, Centaurus in der Bahnhofstraße. In Trittau gibt es noch eine Filiale von Tower Video in Schwarzenbek, und in Reinfeld die Mediathek.

„Ich hätte den Laden gern gehalten, schon wegen meiner Verpflichtung gegenüber meinen drei Mitarbeitern“, sagt Roger K.. Die Entscheidung, ihnen zu kündigen, sei ihm nicht leicht gefallen. Bis zuletzt habe er noch auf eine Übernahme der Videothek gehofft.

1990 hatte sich der gelernte Einzelhandelskaufmann in Bargteheide selbstständig gemacht. Damals gab es drei Videotheken in Bargteheide, die nacheinander geschlossen haben. „Ich habe bis zum Schluss durchgehalten“, sagt er. Täglich habe er mitgearbeitet. „Jetzt muss ich den Schmerz überwinden und nach vorne schauen.“ Seine Frau hat ein Job-Angebot in Berlin angenommen, beide planen bereits den Umzug in die Bundeshauptstadt.

Roger K.  sieht eine Ursache für den Umsatzrückgang in seinem Geschäft in den Download-Angeboten aus dem Internet. „Heute kann fast alles heruntergeladen werden“, sagt er, „auch illegale Raubkopien haben viel kaputt gemacht.“ Der Mindestlohn habe ein Übriges getan. Dennoch: „Die Kunden schätzen aber die persönliche Beratung, die es online nicht gibt. Sie werden uns in Zukunft vermissen“, ist K. überzeugt.

Szenenwechsel nach Reinfeld: „Man muss sich halt etwas einfallen lassen“, sagt Sven Kließ von der Mediathek in der Karpfenstadt zum Thema Videothekensterben. Vom Verleih allein könne auch er nicht mehr leben, der mache nur noch ein Drittel seines Umsatzes aus. Der größere Teil werde mit Spielen und dem Kartenverkauf erzielt.

„Die Beratung durch qualifizierte Mitarbeiter und der Service am Tresen sind nicht zu ersetzen! Das betontt Robert Wilkens von Centaurus in Bad Oldesloe. Videotheken seien ähnlich wie Buchläden und Reisebüros seit den 80er Jahren immer wieder tot gesagt worden. Aber die aktuellsten Filme gebe es weiterhin meist nur in der Videothek. Hinzu komme das Einkaufserlebnis in einem gut geführten Geschäft. „Das ist eben anders, als nur auf dem Sofa zu sitzen und zu klicken“, sagt Wilkens.

In Reinfeld und Bad Oldesloe sind Action-Filme und gute Komödien die Renner, auch Horror-Filme, Science Fiction und Spiele sind gefragt. „Die Playstation 4 ist sehr beliebt“, sagt Wilkens, „und Blue Rays werden immer wichtiger.“

In Bargteheide beginnt Roger K. mit dem Ausverkauf des Bestands. 4500 DVDs, 1000 Blue Rays und 2000 VHS-Videocassetten sowie weitere 850 Medien aus dem Verkaufssortiment sollen neue Besitzer finden, darunter 700 DVDs und 500 Kassetten mit Erotikfilmen, Spiele und Konsolen sowie Artikel aus dem An- und Verkauf wie Plattenspieler, Handys und Uhren. Auch das Inventar am Markt wird verkauft, Regale, Kühl- und Gefrierschrank. Ende August läuft der Mietvertrag aus. Dann ist in Bargteheide die Ära der Videotheken abgelaufen.


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