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Bargteheide : „Ich denke nicht, dass unsere Arbeit zu ersetzen sein wird“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Bargteheider Kulturring steht vor dem Aus. Alle Abos wurden gekündigt, für die neue Spielzeit 2017/18 sind keine Veranstaltungen geplant.

Eigentlich war es anders geplant: Im Herbst wollte der Kulturring Bargteheide seinen 50. Geburtstag feiern. Mehr als 500 Veranstaltungen werden die ehrenamtlichen Kulturschaffenden dann auf die Beine gestellt haben. An der Planung von mehr als 280 Aufführungen war der aktuelle Vorsitzende Manfred Kutsche direkt beteiligt. Doch jetzt kommt es noch vor dem Jubiläum zur größten Zäsur in der Vereinsgeschichte – der Abgesang hat begonnen.

„Was sollen wir noch feiern? Es wird doch höchstens eine Trauerfeier“, sagt Kutsche und seine Stimme bebt. Der Grund für seinen Frust ist, dass er die letzte Aufführung der aktuellen Spielzeit absagen musste. Ein aus seiner Sicht unumgänglicher Schritt. „JazzaBilly am 20. Mai werden wir nicht durchführen können, die Finanzierung ist nicht gesichert. Das hat die Stadt zu verantworten“, so Kutsche: „Zugesagte Fördergelder wurden nicht so ausgezahlt, dass wir gesichert in die Veranstaltung gehen können.“

Für die nächste Spielzeit gebe es dann überhaupt kein Programm mehr. Zum 1. Mai kündigte der Kulturring daher alle Abos. „Es tut uns leid, dass wir den treuen Zuschauern nicht mehr das bieten können, was wir uns vorgenommen hatten“, so Kutsche. Auf der Jahresversammlung am Montag wird der Vorsitzende die Probleme erläutern. Dann möchte er sich auch ein letztes Mal zur Wiederwahl stellen. „Ich wünsche mir, das ordentlich zu Ende zu bringen. Es wird keine gestaltende, sondern nur noch ein abwickelnde und verwaltende Aufgabe werden“, so Kutsche betrübt.

Wie er erläutert, seien dem Verein für die Spielzeit 2016/17 28  000 Euro zugesagt worden. Es seien aber nur 20  000 Euro ausgezahlt worden und das auch erst, als sie durch einen Anwalt des Kulturrings abgefordert wurden. „Wir sollen den Rest erst erhalten, wenn wir eine Planung für 2017/18 vorlegen. Wir wissen doch gar nicht, wie die Situation sich entwickelt“, erklärt Kutsche. „Der stellvertretende Bürgermeister Claus-Christian Claussen forderte uns auf, nachzuweisen, dass wir das Geld auch richtig verwenden, bevor es ausgezahlt wird. Das ist ein ungeheuerlicher Vorgang. Seit 49 Jahren machen wir hier ehrenamtlich Kultur in der Stadt. Claussens Vater selbst hat den Verein stark unterstützt. Jetzt wird so getan, als wenn wir nicht vertrauenswürdig wären“, zeigt sich Kutsche sehr enttäuscht.

„Die Förderungszahlung ist so erfolgt, wie es bei uns üblich ist. Da hat sich auch zu den Vorjahren nach meinem Kenntnisstand nichts geändert“, stellt Bargteheides Bürgermeisterin Birte Kruse Gobrecht klar. Sie bestätigte, dass der Kulturring die Kommunikation an einen Anwalt übergab, was auf Verwunderung stieß. „Die Zahlbarmachung der Rate für die zweite Jahreshälfte ist allerdings damit verbunden, dass der Kulturring seine Vorhabenplanung für die zweite Jahreshälfte der Stadt mitteilt und mit dem Trägerverein des Kleinen Theaters die maßgeblichen Termine abstimmt“, bestätigt sie.

Und genau das ist für den Kulturring Höhepunkt und Ergebnis eines länger schwelenden Konflikts. „Mit der Einführung des neuen Trägervereins – der nichts weiter ist als ein Treuhänder der Stadt – sind uns sämtliche Rechte genommen worden. 49 Jahre geben wir hier ehrenamtlich alles für die Kultur in der Stadt und jetzt sind wir nur noch Bittsteller. Der Trägerverein macht mit dem Segen der Stadtverwaltung was er will, und wir müssen uns unterordnen“, ist der Kulturring-Chef sauer: „Unsere Vorstellung waren oft ausverkauft oder sehr gut besucht, jetzt klingt es immer so, als müssten wir alles neu überdenken und anders machen. Warum sollten wir?“

Kutsche befürchtet, dass der Kulturring einfach nur unter das Dach des Trägervereins gezwungen werden soll. „Die Selbstständigkeit des Kulturrings wurde stets respektiert und nie von unserem Verein in Frage gestellt. Zu keiner Zeit sollte der Kulturring seine Selbstständigkeit aufgeben und er wurde auch nie dazu aufgefordert“, sagt hingegen Joachim Krämer vom Trägerverein. „Niemand nahm oder nimmt Einfluss auf den Spielplan des Kulturrings, auf Termine und schon gar nicht auf Inhalte. Von einer zu erteilenden ‚Erlaubnis‘ kann keine Rede sein“, ist Krämer über die Vorwürfe erstaunt.

„Manfred Kutsche danken wir – als Besucher und als Kulturschaffende in Bargteheide – für seine besondere und erfolgreiche Theaterarbeit über Jahrzehnte, die einen großen Teil der Kulturszene im Kreis Stormarn ausmachte und diese auch prägte“, heißt es von Seiten des Trägervereins. Mit allen Akteuren im „Kleinen Theater“ sei ein harmonisches Miteinander gelungen – abgesehen von Manfred Kutsche. „Gesprächsangebote wurden nicht beantwortet oder abgelehnt“, beklagt Krämer. Der Sprecher des Trägervereins bestätigt, dass der Kulturring tatsächlich für die Spielzeit 2017/18 keinen einzigen Termin angemeldet habe.

„Die Stadt Bargteheide hätte uns sagen können, dass unsere Arbeit nicht mehr gefragt ist. Die Lokalpolitiker, die uns jetzt vorwerfen die Kultur in ihrer Entwicklung zu behindern oder dass wir egoistisch handeln, scheinen sich nicht mit der Realität und dem von uns Geleisteten auseinanderzusetzen. Die Ignoranz ist unglaublich. Ich denke nicht, dass unsere Arbeit zu ersetzen sein wird“, bleibt Kutsche enttäuscht zurück.

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