Bad Oldesloe : Hunderte zeigen ihre Solidarität

Andrang bei der Solidaritätsdemo: Der Platz in der Peter-Paul-Kirche reichte kaum aus, um alle Aufzunehmen.   Fotos: Schlüter
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Andrang bei der Solidaritätsdemo: Der Platz in der Oldesloer Peter-Paul-Kirche reichte kaum aus, um alle Aufzunehmen. Fotos: Schlüter

Die Kundgebung des Bündnis gegen Rechts fand so viel Resonanz, dass der Platz in der Oldesloer Peter-Paul-Kirche kaum ausreichte.

shz.de von
12. Januar 2015, 06:00 Uhr

„Meine Nationalität: Mensch“ und „Mir seid ihr willkommen“ stand auf den eilig zusammengezimmerten Schildern der 600 Demonstranten, die sich Sonnabendvormittag in der Peter-Paul-Kirche versammelten, um ihre Solidarität mit den Flüchtlingen in Grabau zu zeigen. Nach dem Rauchbombenanschlag im dortigen Asylheim organisierte das überparteiliche Bündnis gegen Rechts spontan eine Kundgebung in der Innenstadt – wegen des Sturms wurde die Veranstaltung kurzerhand in die Peter-Paul-Kirche in der Nähe verlegt.

So voll sei das Gotteshaus meist nur zu Weihnachten, bemerkte eine Teilnehmerin. Die Menschen aus Bad Oldesloe, Grabau, Reinfeld, den umliegenden Gemeinden und sogar aus Neumünster fanden nicht alle Platz im Kirchenschiff und auf der Galerie. Viele drängten sich noch im Sammlungsraum. Bevor die Redner zu Wort kamen, legten die Versammelten eine Schweigeminute für die Terroropfer von Paris ein.

Grabaus Bürgermeister Hans-Joachim Wendt sprach von einem „schweren Angriff auf die Freiheit“. Die Flüchtlinge im Dorf würden vorbildlich von den Nachbarn unterstützt und fühlten sich sehr wohl. „Wir Grabauer wissen, was es bedeutet, ein Vertriebener zu sein“, betonte er. 75 Prozent der Bevölkerung seien als Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg ins Dorf gekommen.

Der syrische Flüchtling Firas Fayad Agha, der mit seiner Familie in Grabau Zuflucht gefunden hat, bedankte sich für ihre Unterstützung: „Zuerst hatten wir nach dem Anschlag Angst, dann aber haben uns all die vielen Menschen ihr gutes Herz gezeigt, so dass wir uns wieder sicher fühlen.“ Das Dorf sei zu ihrer zweiten Heimat geworden, er und seine Familie hofften auf eine Chance für Integration. „Paris ist nicht der wahre Islam“, schloss er seine kleine Ansprache. Er sprach auf arabisch und wurde von Gudrun Behnsen-Katenhusen übersetzt, die sich intensiv um die Flüchtlinge kümmert und in ihrer Ansprache eine Bresche für die Menschenwürde schlug.

Oldesloe Bürgerworthalter Rainer Fehrmann sprach seine Solidarität mit den Flüchtlingen aus: „Der Anschlag passierte genau vor unserer Haustür, wir sprechen uns gegen jede Art der Fremdenfeindlichkeit aus“. Er bezeichnete den Übergriff als „niederträchtig, sinnlos und verabscheuungswürdig“.

„Wenn es um unsere Freiheit geht, bedeutet das auch, dass Flüchtlinge keine Eindringlinge sind, dass wir bereit sind, Menschen aufzunehmen, die die Freiheit suchen“, ergänzte Pastor Volker Hagge. Walter Albrecht vom Bündnis gegen Rechts sprach von einer „Schande für unser Land“. Die Oldesloer würden an der Seite der Asylbewerber stehen und „klare Kante“ zeigen, jeden Tag für die Demokratie kämpfen.

Albrecht Werner von der Initiative „Asyl in Reinfeld“ mahnte, dass das Nicht-Wissen in der Bevölkerung „eine leichte Quelle für solch fehlgeleitete Menschen“ sei.

„Asyl ist ein Versprechen auf ein besseres Leben. Lassen wir den guten Worten auch gute Taten folgen“, mahnte Gerd-Günther Finck vom Verein „Für Integration und Toleranz“. Man dürfe nicht zulassen, dass so ein feiger Anschlag noch einmal passiere, sprach Javus Bilgic vom Migrations-Forum allen Teilnehmern aus dem Herzen.

Die große Beteiligung an der Kundgebung mache Mut, denn es gebe vermehrt Kräfte, die die Gesellschaft spalten wollten, sagte Konstantin von Notz, Bundestagsabgeordneter der Grünen. Er erinnere sich nur zu genau an den Mordanschlag auf Asylanten in seiner Heimatstadt Mölln im Jahre 1992.

Nach der Kundgebung in der Kirche versammelten sich die Teilnehmer trotz Sturm und Regen auf der Hude, um gemeinsam bis zum Marktplatz zu gehen.

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