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Stormarner Tageblatt

24. Oktober 2017 | 01:34 Uhr

Bargteheide : Hüterinnen der Historie

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Hannelies Ettrich und Maike Franell verpassten dem Schatz des Stadtarchivs eine Frischzellenkur.

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2015 | 12:08 Uhr

Ganz viel Herzblut und jede Menge Fachkenntnis gehören dazu, wenn man die Schätze des Stadtarchivs erhalten möchte. Beides bringen Historikerin Hannelies Ettrich und Maike Franell, Leiterin des Haupt- und Ordnungsamtes, mit. „Im Archiv lagern schon so einige unbekannte und spannende Dokumente“, sagt Ettrich. Das Archiv erhielt 17  000 Euro Fördermittel vom Land Schleswig-Holstein zur Entsäuerung, Digitalisierung, Verfilmung und Restaurierung der heimatkundlichen Schätze.

Sieben Anträge hat die Historikerin insgesamt gestellt, alle wurden genehmigt. Nach dem Umzug der Stadtverwaltung aus dem Utspann ins neue Rathaus wurden viele Dokumente auf dem Boden des neuen Domizils gelagert. „Wir haben inzwischen fast alle Unterlagen dort gesichtet und neu archiviert“, erklärt Hannelies Ettrich – darunter Papiere von unschätzbarem Wert für die Dorf- und Heimatgeschichte.

Damit diese nicht verloren gehen und nicht in Vergessenheit geraten, nutzte das kompetente Frauen-Duo die Fördermittel, um eine Massenentsäuerung der Sammelakten des Standesamtes Bargteheide von 1874 bis 1956 in Berlin vornehmen zu lassen. Rund 100 Kilogramm Dokumente wurden dort restauriert.

„Die Akten dokumentieren die Entwicklung des Standesamtwesens, enthalten Toten- und Heiratslisten“, so Ettrich. Außerdem wurden 21 Handbücher der Gemeindekasse aus den Jahren 1921 bis 1944 restauriert. Die damals noch handgeschriebenen Haushaltspläne erhielten neue Umschläge. Wenn möglich, wurde sogar der historische Buchumschlag aufgearbeitet, um die Authentizität zu wahren. Schimmelbefall, Deformierung der Buchdeckel – hier gab es viel zu tun. Die Seiten wurden teilweise mit speziellem Japanpapier verstärkt. Das Protokollbuch des Schulcollegiums 1865 bis 1933 konnte durch die Restaurierung als die erste Schulchronik des Dorfes für die Nachwelt gerettet werden. „Der Bargteheider Pastor Gottfried Barlach, Großvater des Bildhauers Ernst Barlach, führte das Protokollbuch von 1856 bis 1874,“ so die engagierte Archivleiterin. Sie ist stolz darauf, dass sich im Archiv der komplette Aktenbestand seit der preußischen Zeit befindet, der einen Einblick in die Arbeit der Verwaltung zu damaliger Zeit gibt. „Es ist spannend, in den Akten zu stöbern und zu erfahren, wie Verwaltung damals funktioniert hat“, ergänzt Franell.

Zu den restaurierten Stücken gehört auch das Dorfschaftsbuch aus dem Jahre 1869 und das Protokollbuch der Gemeindevertreter von 1922 bis 1957, das unter anderem die Machtübernahme der Nationalsozialisten eindrucksvoll dokumentiert. Als Quelle der damals 105 landwirtschaftlichen Betriebe gilt das restaurierte Verzeichnis der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft (1936 bis 1952). Der stark verschmutzte Umschlag wurde durch einen Ph-Wert neutralen Umschlag ersetzt. Die Akten der Sozialdemokratie in Bargteheide geben Aufschluss über die Arbeit der SPD von 1891 bis 1932. Sie waren stark verschmutzt und von Mikroorganismen befallen. „Die Akten sind von großer Wichtigkeit für die Anfänge der SPD in Bargteheide“, erklärt Ettrich. Seltene Dokumente wie die Flugblätter der berühmten Rednerin Louise Zietz, die Schriften von August Bebel und das Erfurter Programm von 1891 im Original sind von unglaublichem Wert.

Ungeheuerliches habe sie darin gelesen, erinnert sich die frühere Leiterin der VHS Bargteheide. Hier gehe es natürlich auch um Bespitzelungen während der Nazi-Zeit. Die restaurierten Dokumente werden in spezielle Kartons verpackt im Magazinraum archiviert. Dieser enthält einen Luftfeuchtigkeitsmesser, damit die Luft nicht zu feucht oder zu trocken wird. Sie wird auf einem neutralen PH-Wert gehalten. Hannelies Ettrich: „Dort werden die Akten optimal gelagert und sind auch viele Jahre später noch einzusehen.“ Das Archiv ist für jedermann offen. Sie möchte jetzt ihre Funde auswerten und wird für 2016 weitere Fördermittel beantragen.

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