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Bundestagswahl 2013 : Horsterin kämpft gegen den Euro

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Ulrike Trebesius ist Sprecherin der Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) in Schleswig-Holstein / Ihr Ziel: der Bundestag

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 09:34 Uhr

Horst | Ulrike Trebesius hat ein klares Ziel: "Ich will im Bundestag sitzen." Sie habe ihre Tochter 15 Jahre lang "gut auf den Weg gebracht", jetzt will sie auf anderer Ebene Fürsorge übernehmen: Die politische Newcomerin will die Zukunft ihres Kindes und ihre eigene politisch gestalten.

Klar, gerade und überzeugt sagt sie das im Wohnzimmer ihres Einfamilienhauses in einer etwas älteren Horster Einfamilienhaussiedlung. Die Wände sind mit Bücherregalen bedeckt, eins zieht sich sogar über die Fensterwand zum Garten. Ulrike Trebesius sitzt am großen Tisch, vor sich ein aufgeklappter Laptop: hier beantwortet sie im Moment jeden Abend drei, vier Stunden lang E-Mails und telefoniert. Und sie informiert sich gründlich: "Ich lese jeden Tag zahlreiche politischen Tageszeitungen, ich höre jeden Tag mehrere Stunden lang Deutschlandfunk."

Als ihre Tochter klein war, engagierte Trebesius sich als Elternsprecherin im Kindergarten und in der Grundschule. Seit drei Jahren hat sie ihren Horizont erweitert, jetzt geht es ihr um das große Ganze. Das Thema Euro weckte ihr Engagement, sie arbeitet mit Bernd Lucke zusammen, einem Hamburger Volkswirt, der sich gegen den Euro ausspricht. Im Februar gründete sich die Partei "Alternative für Deutschland" (AfD), Lucke ist einer der drei Sprecher der Bundespartei. Am 27. April wurde der schleswig-holsteinische Landesverband der AfD gegründet, Trebesius wurde gemeinsam mit Jannis Andrae zur Sprecherin gewählt. In Schleswig-Holstein erlebt die AfD gerade die Dynamik eines Neustarts: Seit Ende April gibt es einen Landesverband, verschiedene Kreisverbände formieren sich gerade. Im Kreis Pinneberg soll in diesen Tagen eine Organisation der Partei gegründet werden. "Für mich war es logisch, mich zu engagieren und einen Landesverband aufzubauen", sagt die 43-jährige Horsterin. Dass sie an die Spitze gewählt wurde und die Landesliste für die Bundestagswahl anführt, wertet sie als Anerkennung für ihren Einsatz. "Ich oute mich, ich sitze nicht mehr im Kämmerlein". Dass sie dabei gleich ganz noch vorn marschiert ist, findet sie "überraschend für mich selbst", aber: "Wenn ich etwas mache, dann brenne ich dafür."

Geboren wurde Ulrike Trebesius in Halle an der Saale. Mit 19 Jahren erlebte sie den Zusammenbruch der DDR und ihr war klar, dass sie aus diesem engen Land raus wollte; Hamburg hatte es ihr angetan. Gelernt hat sie Bauingenieurin, heute arbeitet sie 30 Stunden pro Woche in Elmshorn bei einem mittelständischen Hersteller meteorologischer Messinstrumente. "Tolle Mitarbeiter, ein toller Chef - das ist manchmal wichtiger, als im erlernten Beruf zu arbeiten", zumal bei dieser Stelle Familie und Arbeit unter einen Hut passten.

Chef, Ehemann, Tochter: Alle unterstützen ihr Engagement für die Euro-kritische Partei, sagt die Horsterin. "Wir wollen ein Europa haben wie vor der Einführung des Euro", beschreibt sie die Zukunftsvision der "glühenden Europäer" in der AfD. Für Deutschland sei der Euro zu schwach, für die südeuropäischen Krisenstaaten zu stark, lautet ihre Analyse. Sie will nicht, dass Deutschland für die Schulden anderer Länder einsteht. Jedes Land soll seine eigene Währung haben, damit wieder ein "fröhliches Miteinander" auf dem Kontinent herrscht: "Ich möchte wieder als Gast in anderen europäischen Ländern sein und nicht als Okkupantin wie Frau Merkel gesehen werden." Die Bundeskanzlerin nimmt sie rhetorisch häufig ins Visier und wird dabei auch gern persönlich: "Frau Merkel hat keine Kinder, daran merkt man, wie wichtig ihr Zukunft ist."

Arbeit, Familie, politisches Engagement, dazu noch Inliner laufen, lesen und mit dem Rad fahren: "Ich bin gut organisiert", sagt sie, 15 Jahre als Mutter hätten sie geschult. Die gute Organisation gefiel ihr auch beim Gründungsparteitag des Landesverbands: "Wir haben 14 Stunden zusammengesessen, hoch organisiert und hochmotiviert." Das unterscheide die AfD von den Piraten, darum hat Trebesius auch keine Angst vor einem Absturz in Gezänk nach dem großen Zuspruch zum Start.

2000 Unterschriften braucht die Partei in Schleswig-Holstein, um zur Bundestagswahl zugelassen zu werden. Angesichts von 600 Parteimitgliedern erkennt Trebesius darin kein Problem. Die Chancen der AfD, in den Bundestag einzuziehen, sieht sie optimistisch: "Emnid sieht uns bei vier Prozent", zitiert sie ein Meinungsforschungsinstitut.

www.alternativefuer.de

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