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Stormarner Tageblatt

22. Oktober 2017 | 20:10 Uhr

Hommage an einen Exzentriker

vom

Der Marstall in Ahrensburg zeigt ab morgen eine Ausstellung rund um die Kunst des norddeutschen Künstlers Wenzel Hablik

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Ahrensburg | Erst schaute Landrat Klaus Plöger skeptisch, dann nahezu schockiert auf die Tapetenentwürfe von Wenzel Hablik (1881-1934). Anne Pfennig, Kuratorin der am Sonntag beginnenden Hablik-Ausstellung im Marstall Ahrensburg, und Stormarns Kulturreferentin Tanja Lütje konnten sich noch so sehr bemühen, Plöger war nicht bereit, sich zum Fan des exentrischen Künstlers machen zu lassen. Wobei - seine Ablehnung bezog sich nur auf den praktischen Nutzen in der heutigen Zeit. "Ich finde die Ausstellung ist eine super Idee. Und zu seiner Zeit war Hablik sicherlich ein Visionär, man kann sich das ja auch gerne mal anschauen. Aber wenn mein Arbeitszimmer so aussehen würde, dann würde ich ja verrückt werden. Das würde ich direkt überstreichen", so der für seine ehrlichen und direkten Aussagen bekannte Landrat.

Entsetzen in Pfennigs Augen, als Plöger im Scherz vorschlägt, eine Tapete mit Pyramiden eventuell mit Kamelen verzieren zu können. "Bitte nicht ohne Handschuhe anfassen. Das ist unser wertvollstes Stück." Für die Ausstellung hat die Kuratorin zahlreiche Bücher gewälzt, Archive besucht und sich vor allem mit dem Hablik-Museum in Itzehoe ausgetauscht aus dem die meisten Exponate stammen. "Habliks Werk ist so umfangreich, so dass wir uns hier auf seine Innenarchitektur und Architektur beschränken", erklärt sie. Zusammengefasst könne man sagen, dass "wir utopische Architekturentwürfe, expressionistisches Interieur und fantastische Kristallbauten zeigen wollen". Das sei sicherlich auch im Sinne des 1934 verstorbenen Künstlers. Der passende lokale Aufhänger der gesamten Ausstellung ist der sensationelle Fund von Hablik-Fresken in der Oldesloer Theodor-Storm-Straße, ehemals das Kontor des Magarinefabrikanten Bölck. "Wir verweisen hier auf die Führungen dort und umgekehrt", sagt Lütje über die von der Sparkassenkulturstiftung unterstützten Ausstellung.

"Es ist erstaunlich, was Hablik alles gemacht hat. Er war ein Vorreiter seiner Zeit. Man fühlt sich an Bauhaus erinnert oder zum Teil sogar an Design, wie es erst Jahrzehnte später modern wurde. Er muss ein exzentrischer Typ gewesen sein", beschreibt Pfennig den Künstler.

Bei ihren Recherchen stieß sie im Lager einer Tapetenfabrik auf Originalentwürfe Habliks. Diese sind nun das Herzstück der Ausstellung. "Wir haben genug tolle Entwürfe, um jeden Tag ein anderes Motiv zu zeigen. Es lohnt sich also für echte Fans tatsächlich, jeden Tag im Marstall vorbeizuschauen", so Anne Pfennig. Den typischen Hablik-Stil habe man auch für die Werbemittel benutzt. "Es soll einfach alles stimmig sein", sagt Lütje. Das ein eher regional und lokal tätiger Künstler ausgestellt werde, sei nicht direkt die Antwort auf in der Vergangenheit von Künstlern geäußerte Kritik, dass zu wenig Kunst aus der Region gezeigt werde. "Das haben wir wahr genommen. Bei Hablik gibt es diesen Bezug ja dieses Mal. Auch wenn das nichts mit der Kritik zu tun hat. Das Thema an sich ist interessant", so Lütje.

Die Ausstellung sei gelungen, pflichtet ihr Plöger bei. "Natürlich sind manche Entwürfe genial, und es ist schon faszinierend zu sehen, was der Künstler damals so gemacht hat. Ich würde es jedem kulturell Interessierten empfehlen, sich die Ausstellung im Marstall anzuschauen", betont er. Vielleicht fände er ja auch doch noch was, dass ihm so richtig gefalle. "Ich bin bekennender Kunstfreund, habe gerne etwas, was ich mir anschauen kann. Allerdings eher etwas, dass ich an die Wand hängen kann und das geht ja bei diesen Tapeten so gar nicht", sagte er und begab sich auf die Suche. Das Hablik-Design sei ihm persönlich farblich zu weit aus der Zeit gefallen.

Der Tapetenarchivar in Bramsche, bei dem Anne Pfennig die Ausstellungsstücke fand, sah das übrigens komplett anders. "Er sagte, dass man die Entwürfe eigentlich direkt der Geschäftsführung zeigen sollte. So aktuell sehen die aus."

Wer nun neugierig geworden ist, kann sich selbst ein Bild vom Expressionisten und Visionär Wenzel Hablik machen. Die Ausstellung wird morgen um 11.30 Uhr eröffnet und bleibt bis zum 29. September freitags, sonnabends und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Auch im Schloss Ahrensburg gegenüber werden zeitgleich Werke Habliks gezeigt.

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