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Stormarner Tageblatt

24. August 2017 | 01:32 Uhr

Reinfeld : Holzernte beginnt schon früher

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Landesforsten verfolgen in Reinfeld das Konzept „Integrativer Naturschutz im Wirtschaftswald“. Darüber haben sie jetzt bei einer Begehung informiert.

In diesem Jahr beginnen Holzernte und Pflegemaßnahmen früher als gewohnt im Reinfelder Wald. Abgeholzt wird in der Fohlenkoppel, Graskoppel und im Heidekamper Wohld. Um die Bürger über die Maßnahmen zu informieren, luden die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten zu einem Rundgang durch das Revier Fohlenkoppel ein. Dieses Angebot nutzten vor allem Mitglieder der Bürgerinitiative Viva Wald, die sich in den vergangenen zwei Jahren für mehr Naturschutz im Wald stark gemacht haben.

„Grund für den früheren Beginn im September ist unter anderem die Witterung“, erklärt Reinfelds Revierförster Matthias Wruck. Im Spätsommer sei der Boden trocken und hart, so dass kaum tiefe Fahrspuren durch die Erntefahrzeuge entständen, während im Herbst und Winter mit aufgeweichten Böden und weitaus höheren Schäden zu rechnen sei. Eingesetzt werden Harvester, Motorsägen und auch mal das Pferd.

Die Rückegassen werden weiß markiert und sind etwa 40 Meter breit. „Während der Holzernte dürfen die schweren Maschinen nur auf diesen Gassen fahren“, so der Förster. Auch wirtschaftliche Aspekte spielen laut Jens-Birger Bosse von den Landesforsten eine Rolle. Das Holz aus Reinfeld würde in dieser Zeit vor allem von der Firma Knauf aus Stockelsdorf, die Eisstiele herstellt, abgenommen. „Die brauchen vor allem jüngeres Holz für die Produktion“, sagt Wruck. Auch für die Parkettproduktion seien jüngere Bäume gut geeignet.

Mitglieder von Viva Wald gaben zu bedenken, dass durch das frühe Fällen das empfindliche Ökosystem durcheinander gebracht werden könnte – nicht nur durch die Harvester, die auf den Rückegassen ihre tiefen Spuren hinterließen, sondern auch durch die Störung von Vögeln und Insekten unter und in den noch belaubten Bäumen. „Wir wollen ja gerade Schäden vermeiden, indem wir früher fällen“, entgegnete der Revierförster. Er zeigte der Gruppe die roten Striche an den Bäumen, die ab September gefällt werden. Man gehe hier nach genauen Vorschriften und Plänen der Landesforsten vor, halte sich an strenge ökologische Vorgaben, lege die Rückegassen so, dass sie den Waldboden nicht allzu sehr schädigten – zum Beispiel nicht in Senken, sondern auf härteren, höher liegenden Böden.

Den Vorwurf, dass doch zu viel abgeholzt werde, wies Bosse zurück. Der Bestandvorrat werde gemessen. Längst habe man sich nach der starken Abholzung und schnellen Wiederaufforstung durch schnell wachsende Kiefern und Fichten nach dem Zweiten Weltkrieg besonnen, nachhaltig zu wirtschaften. Inzwischen sei es so, dass die Landesforsten nicht einmal den Zuwachs der Buchen abholzen würden. Man befände sich jetzt in der Übergangszeit und arbeite daran, dass die Bäume dichter stehen in den Wirtschaftswäldern. „Trotz Fällungen haben wir immer noch genügend Puffer für Baumzuwachs“, ergänzt Wruck.

Ziel sei es, die Vorräte ansteigen zu lassen und den Anteil der starken Bäume zu erhöhen. Dass die Landesforsten allerdings Bäume fällen und verkaufen müssten, um zumindest eine schwarze Null zu schreiben, dürfe dabei nicht vergessen werden. In der Waldwirtschaft werde außerdem in Jahrzehnten oder gar einem ganzen Jahrhundert gerechnet – langfristige, nachhaltige Planung unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte und der Naherholung.

Immer mehr Habitatbäume werden gekennzeichnet – starke Bäume, die nicht gefällt werden. Wruck zählt in seinem Revier mindestens fünf dieser alten Bäume pro Hektar. Der Förster rechnet in den nächsten Jahren mit einer Erhöhung von 20 bis 30 Festmetern pro Hektar – trotz Nutzung. Überzeugen konnten die Vertreter der Landesforsten die Bürgerinitiative nicht. Immer wieder stoße man bei Waldspaziergängen auf durch die Harvester verursachte tiefe Gräben. Das sei vor ein zwei Jahren sicher mal vorgekommen, man arbeite daran und wolle gerade durch das frühe Ernten solche Schäden vermeiden, so Wruck. Sein Kollege Bosse spricht von „integrativem Naturschutz im Wirtschaftswald“.

Man tue sein Möglichstes, um Ökologie und Wirtschaftlichkeit miteinander zu verbinden: „Ganz sicher schlagen wir nicht willkürlich ein, sondern nur nach Vertragsvereinbarungen mit unseren Abnehmern.“ Nicht immer sei es einfach, „ganz viele Interessen miteinander zu vereinbaren“. Man versuche jedoch, dies mit moderner Technik, flexibleren Zeiträumen und langfristiger Organisation hinzubekommen, habe auch viel aus Fehlern der Vergangenheit gelernt.

Burghard Beese von Viva Wald: „Politisch kommen wir bestimmt nicht auf einen Nenner, aber wir müssen miteinander reden, um uns einen Schritt näher zu kommen.“ Förster Wruck findet die Debatte um Reinfelds Wald eher belebend: „Es gibt immer wieder neue Anregungen, die wir uns auch sehr zu Herzen nehmen.“




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erstellt am 27.Aug.2015 | 13:54 Uhr

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