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Stormarner Tageblatt

17. August 2017 | 10:07 Uhr

Ahrensfelde : Hohe Strafe oder Milde?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Zwei der angeklagten Ahrensfelder Brandstifter sollen Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten erhalten. Ein Verteidiger forderte hingegen die Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen und Geldbuße.

Harte Strafen hat der Staatsanwalt im Prozess gegen die vier Brandstifter aus der Freiwilligen Feuerwehr Ahrensfelde gefordert. Zwei Angeklagte sollen eine Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten erhalten, einer ein Jahr und sechs Monate und einer zwei Jahre. Alle Jugendstrafen sollen für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Neun Taten wurden verhandelt, die meisten sollen von zwei bereits verurteilten Auftragsbrandstiftern begangen worden sein (wir berichteten).

„Alle wussten von Anfang an Bescheid, sie wollten Feuer legen, aber nicht erwischt werden“, so der Staatsanwalt. Er sprach von der Schwere der Schuld der jungen Männer im Alter zwischen 20 und 22 Jahren: „Sie hatten Schutzpflichten gegenüber der Bevölkerung und haben dagegen in hohem Maße verstoßen.“ Außerdem forderte er Geldstrafen zwischen 800 und 2200 Euro und eine Auflage zu pädagogischen Gesprächen.

Bis zu vier Monate hatten die Angeklagten in Untersuchungshaft verbracht. Das sei Strafe genug, argumentierte einer der Rechtsanwälte. Die Aussage eines der Auftragsbrandstifter sei widersprüchlich und in hohem Maß unglaubwürdig, so Anwalt Jan Baumgarten. „Der hatte viel mehr zu verantworten.“ Zudem habe er seinen Mandanten belasten wollen, weil der im Prozess gegen den Zeugen ausgesagt hatte. Nur die Angaben seines Mandanten seien zutreffend. Der heute 22-Jährige hatte als einziger seine Schuld gestanden.

Von der Anklage gegen seinen Mandanten sei fast nichts mehr übrig, sagte Thomas Elvers: „Es bleibt nur noch eine Beihilfe zur Sachbeschädigung.“ Die Telefonüberwachung habe keinen Hinweis auf ihn ergeben. Ob er von den Brandstiftungen wusste, sei ihm nicht nachzuweisen. Mitglieder der Jugendfeuerwehr hätten im Gegensatz zu Polizisten auch keine Anzeigepflicht, widersprach er dem Staatsanwalt. Elvers forderte die Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen und eine Geldbuße von 500 Euro.

„Das Verfahren hat von Anfang an unter massivem Druck der Öffentlichkeit gestanden“, kritisierte die Verteidigerin Maraike Hagelmann. Ziel sei es, die Angeklagten wegen gemeinschaftlicher Taten zu verurteilen. Das Gericht habe diverse Zeugenaussagen außer Acht gelassen. „Es bleibt die Sachbeschädigung eines Papiercontainers übrig, und die hat mein Mandant zugegeben.“

Auch der vierte Anwalt zeigte sich überrascht, dass die Staatsanwaltschaft moralische Werte juristisch durchsetzen wolle. „Kein Zeuge oder die Aussagen der Polizisten deuten auf eine gemeinschaftliche Anstiftung hin“, so Christian Remy. Was bleibe, seien Klatsch, Tratsch und Gerüchte. Sein Mandant habe lediglich einen der Auftragsbrandstifter zu einem Tatort gefahren. Erst unterwegs habe er von dessen Plänen erfahren und daraufhin versucht, ihn davon abzubringen. Vorrangig müsse das Gericht Erziehungsgesichtspunkte berücksichtigen: „Eine Jugendstrafe würde die Entwicklung erheblich beeinträchtigen.“

„Ich entschuldige mich dafür, was ich den Leuten angetan habe“, sagte ein Angeklagter im Schlusswort, „das tut mir verdammt weh.“ Ein anderer entschuldigte sich bei seinen Feuerwehrkameraden: „Es tut mir Leid, dass ich sie hintergangen habe und ich nicht mehr dabei sein kann.“ Die anderen Angeklagten schlossen sich den Worten ihrer Verteidiger an.

Das Urteil des Schöffengerichts soll am kommenden Dienstag verkündet werden.




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