Hohe Auszeichnung in Polen

Reinhard Donder beim Festakt im Schloss Allenstein. Foto: st
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Reinhard Donder beim Festakt im Schloss Allenstein. Foto: st

Reinhard Donder hat sich um den deutschen Friedhof in seiner polnischen Heimatstadt Kalkofe n verdient gemacht

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19. Oktober 2012, 08:32 Uhr

Lütjensee | Reinhard Donder aus Lütjensee hat eine ganz besondere Auszeichnung erhalten: Im September wurde er von "Marschall" Jacek Protas - vergleichbar mit unserem Ministerpräsidenten, des Bundeslandes Ermland-Masuren in Polen - mit einem Ehrenkreuz und einer Urkunde für seine Arbeit am Friedhof in Kalkofen (polnisch Chrzanowo) ausgezeichnet. "Das entspricht unserem Bundesverdienstkreuz", berichtet der frühere Kapitän stolz. Mit ihm wurden auch drei polnische Bürger im Schloss Allenstein geehrt.

1941 wurde Reinhard Donder in Kalkofen im damaligen Ostpreußen geboren. Er musste später mit seinen Eltern fliehen und lebt seit 1945 in der Gemeinde Lütjensee. 1975 kehrte er mit seinen Eltern erstmalig in die alte Heimat zurück. Sein Vater fand den Grabstein seiner Mutter auf einem total verwilderten Gelände des Mitte des 19. Jahrhunderts angelegten evangelischen Friedhofs. Da reifte die Idee, den Friedhof instand zu setzen.

Seit 1990 reiste Donder jedes Jahr in seine Geburtsstadt und begann den verwilderten Friedhof zu restaurieren. Eigens dafür gründete er 1995 den "Verein zur Förderung der deutschen Kulturgüter in Kalkofen", der es ermöglichte, auch Spenden anzunehmen. Rund 20 Mitglieder hat der Verein heute, die zum Teil mit nach Polen fahren. 32 Gräber, Grabeinfassungen und Erinnerungssteine fanden die Deutschen vor, darunter auch Soldatengräber aus dem ersten Weltkrieg.

Es wurde eine Mauer gezogen, ein Erinnerungsstein mit Sitzgelegenheit sowie ein großes Holzkreuz aufgestellt. Von Zeit zu Zeit werden Gottesdienste mit ortsansässigen Pastoren gemeinsam mit der deutschen Minderheit, den heutigen Bewohnern und Schulklassen gefeiert. Zwei Weiden wurden gepflanzt, eine deutsche, eine polnische, die das Zusammenwachsen der Völker symbolisieren. Der 2500 Quadratmeter große Friedhof wurde so zu einer Erinnerungs- und Begegnungsstätte und 1998 unter Denkmalsschutz gestellt.

Im Kopernikussaal des Schlosses Allenstein hielt Reinhard Donder eine kleine Dankesrede, die übersetzt wurde, ebenfalls eine Seltenheit, dass Deutsche bei so einer Veranstaltung Reden halten. Wie hoch angesiedelt die Veranstaltung war zeigt die Gästeliste, die neben den Vorständen der Woiwodschaft Ermland und Masuren (Bundesland) auch den Erzbischof von Ermland und den Bischof der Diözese nennt.

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