Bad OldesLoe : Hoffnungsschimmer für das Industriegleis

Das Industriegleis im  Oldesloer Gewerbegebiet Rögen/Sandkamp: Sanierungskosten von rund 500 00 Euro stehen an.
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Das Industriegleis im Oldesloer Gewerbegebiet Rögen/Sandkamp: Sanierungskosten von rund 500 00 Euro stehen an.

Lokalpolitiker möchten Verkauf oder Verpachtung doch noch überprüfen lassen.

shz.de von
12. Mai 2018, 17:15 Uhr

Eigentlich war die Entscheidung bereits gefallen, dass das Industriegleis im Gewerbegebiet Rögen/Sandkamp in Bad Oldesloe zurückgebaut werden soll. Zu teuer und zu wenig genutzt, lautete das Urteil der Stadtverordnetenversammlung. 56 000 Euro kostet der Unterhalt der Gleisanlagen die Stadt jedes Jahr. Und in den nächsten Jahren sind Investitionen notwendig, die sich geschätzt auf 500 000 Euro summieren. Deshalb und weil das Gleis zuletzt nur noch von einer Firma genutzt wurde, zogen die Lokalpolitiker die Notbremse: Das Gleis wurde zum 1. Januar 2017 stillgelegt.

Doch nach einem Ortstermin mit Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz und Landrat Dr. Henning Görtz steht eine mögliche Rettung des Industriegleises wieder in – ferner – Aussicht. Die Stadtverordneten hoben in ihrer alten Zusammensetzung ihren eigenen Beschluss zum Rückbau der Gleise wieder auf.

Allerdings machten die auch deutlich, dass die Stadt die Anlagen nicht mehr selbst betreiben wolle. Die Verwaltung soll prüfen, ob die Gleise an ein Unternehmen verpachtet oder vielleicht sogar verkauft werden können. „Das kann man ja gerne prüfen, solange es nichts kostet. Und dann entscheiden wir“, sagte Horst Möller (CDU). Matthias Rohde (FBO) ging einen Schritt weiter und fragte, ob nicht die alte Bahnlinie von Blumendorf bis nach Henstedt Ulzburg wieder in Gang gebracht werden könnte.

Die Grünen seien immer dafür, Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern, so Wilfried Janson, der sich aber gegen einen Verkauf aussprach. Damit würde man die Chance weggeben, die Trassen bei einem möglichen Rückbau als Radwanderwege nutzen zu können: „Das sind Strecken, die wir echt gut gebrauchen könnten. Wenn dort keine Schienen mehr sind, sollten wir die Hand darauf haben, dass wir dort Radwege errichten.“

Beim Ortstermin mit Bernd Buchholz im Dezember hatte das Stahlhandelsunternehmen Arcelor-Mittal deutlich gemacht, wie wichtig der Gleisanschluss ist. Pro Woche kamen sieben Waggons im Rögen an. Das ist ein Viertel der angelieferten Gesamtmenge von bis zu 1200 Tonnen und entspricht 28 voll beladenen 40-Tonnern. 30 000 Euro zahlte das Unternehmen für die Gleisnutzung an die Stadt, deutlich darüber hinausgehen könne man aber auch nicht. Mitte der 1970er Jahre hatte die Stadt das Gleis zur Voraussetzung für das Gewerbegebiet Sandkamp gemacht und Grundstücke sollten auch nur an Firmen mit Gleisanschluss gehen. Das war die Idee, in der Realität blieb das Gewerbegebiet leer, bis man die Vorgabe aufhob.

Zwei oder drei Unternehmen, die auf die Schiene setzen, würden reichen, damit sich der Betrieb des Gleises rechnet. Bei den Sanierungskosten will das Ministerium zwar nichts bestätigen, aber man scheint in Kiel geneigt, zu sein, die 500 000 Euro aufzutreiben. Dann würde es nur noch um den städtischen Beitrag für den Gleisunterhalt gehen. Und ein saniertes Industriegleis könnte auch für private Bahnfirmen ein interessantes Objekt sein.

Den Optimismus teilten die Oldesloer Politiker bei ihrem Beschluss zwar nicht, aber immerhin wird es Abfang Juli ein weiteres Gespräch mit dem Wirtschaftsministerium geben.

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