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Das Tageblatt begleitet eine Flüchtlingsfamilie : Hoffnung auf eine Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Hala Ismaiel und Ziead Zankello erzählen vom Leben vor dem Krieg, von Flucht und ihrem Neuanfang in Deutschland.

Immer mehr Flüchtlinge aus Syrien kommen im Kreis Stormarn an. Um den Wirren des Krieges in ihrem Heimatland zu entkommen, haben sie oft gefährliche Fluchtwege in Kauf genommen, um hier Asyl zu beantragen und in Frieden zu leben. Das Ehepaar Hala Ismaiel und Ziead Zankello aus Aleppo ist erst vor wenigen Wochen hier angekommen und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Das Stormarner Tageblatt hat die jungen Syrer nach den Beweggründen für ihre Flucht, ihrem Alltag in fremder Umgebung und ihren Zukunftsplänen befragt und wird ihren Werdegang in den kommenden Monaten weiter begleiten. Im 1. Teil erzählen Hala und Ziead von ihrem Leben vor dem Krieg, der Flucht und Ankunft in Deutschland.

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Was Hala Ismaiel und Ziead Zankello in ihrer syrischen Heimatstadt Aleppo und auf ihrer Flucht vor den Kriegswirren erlebt haben, können sie kaum in Worte fassen. Zu tief und zu nah sind der Schmerz und die Trauer. „Was wir nicht mit Sprache ausdrücken können, verarbeiten wir auf künstlerische Weise“, sagt die 27-jährige Hala. Beide studierten Kunst an der University of Fine Arts in Aleppo, bevor sie aus der belagerten Stadt entkommen konnten.

 Vor zwei Wochen sind sie in Stubbendorf angekommen und haben es sehr gut mit dem Hausherren getroffen. Jan Kühl und seine Frau Annette wurden vom Amt Nordstormarn nach leer stehendem Wohnraum für Flüchtlinge gefragt. Eine Selbstverständlichkeit für das Stubbendorfer Ehepaar, Hilfe zu leisten. „Zuerst fand Halas Bruder Joud Ismaiel (23) Unterkunft in unserem alten Stall“, drückt Jan Kühl es mit einem Augenzwinkern aus. Platz habe er genug, seitdem die Kinder ausgezogen sind. Als der junge Syrer von seiner Schwester Hala und ihrem Mann Ziead erzählte, die beide seit Mitte September in der Erstaufnahmeeinrichtung in Boostedt wohnten, war es für ihn keine Frage, das Ehepaar ebenfalls bei sich aufzunehmen. Noch nie habe er es erlebt, dass Behörden so schnell und unbürokratisch gehandelt haben wie das Amt Nordstormarn. Der Bescheid über die Ankunft des Ehepaars sei nach einem „bürokratischen Hürdenlauf“ dann ganz plötzlich gekommen. Von einem Tag auf den anderen habe ein Transporter des ASB vor der Tür gestanden und gespendete Möbel für das Zwei-Zimmer-Appartement in der ehemaligen Alten Schule in Stubbendorf geliefert.

„Die Unterstützung für Flüchtlinge in Nordstormarn und Reinfeld ist enorm“, so Kühl. Trotzdem könnten viele noch viel mehr tun, um weiteren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Da herrsche doch manchmal noch die Angst vor dem Fremden vor. Dabei sei das nun wirklich nicht nötig. Er zwinkert Hala und Ziead zu. Deshalb habe er auch noch keine Unterkunft für Halas Vater finden können, der zurzeit noch in Gettorf untergebracht ist.

Hala und Ziead sitzen im gemütlichen, ehemaligen Klassenzimmer neben Jan Kühl, unterhalten sich angeregt auf Englisch und scherzen ab und zu miteinander – als würden sie sich schon viel länger als zwei Wochen kennen. „Er ist so hilfsbereit und nett, ein richtiger Freund für uns“, sagt die junge Frau aus dem fernen Syrien.

 Sorgen macht sie sich um ihre Mutter, die immer noch in Syrien ist. „Es wurde immer schlimmer und schlimmer in Aleppo, wir mussten fliehen“, erinnert sie sich. Eineinhalb Jahre verweilte das Ehepaar in der Türkei, versuchte, dort Fuß zu fassen, was sich als schwierig erwies. „Es gab keinen Job für uns, wir konnten kein Geld verdienen“, erklärt Ziead (28). Er hielt sich zeitweise als Gepäckträger, sie als Mitarbeiterin der Organisation IMC über Wasser. „Ohne Job kann man in der Türkei nicht überleben“, erklärt Hala.

  Stolz ist sie darauf, dass mit Hilfe von Freunden ihre Bilder und Karikaturen unter dem Titel „Waiting“ in der Türkei ausgestellt werden konnten. Hala: „Das Warten drückt unsere Situation aus. Wir warten auf Frieden für unser Land, auf eine bessere Zukunft für uns.“ Das Ehepaar beschloss, weiterzureisen. Ihre Flucht führte es fünf Tage lang erst mit dem Flugzeug nach Griechenland, von da aus weiter über Mazedonien, Serbien, Ungarn und Wien nach Neumünster.

„Wir haben uns Deutschland ausgesucht, weil wir glauben, dass unsere Berufe dort gebraucht werden und es dort ein humanes Asylrecht gibt“, sagt Hala. Sie hoffen jetzt, schnell Deutsch zu lernen, einen Deutschkursus haben sie bereits in Neumünster angefangen. In Bad Oldesloe soll es damit nach ihrer Anerkennung als Asylbewerber weitergehen. Hala: „Wir möchten unser Studium mit dem Master of Fine Arts in Deutschland abschließen.“ Die Anhörung ist heute in Begleitung einer Betreuerin in Neumünster. Jan Kühl zeigt sich optimistisch: „Das ist bei syrischen Flüchtlingen eine Formsache.“

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