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Wohnraumsprengung : Höchste Unterbringungskosten

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Hartz-IV-Empfänger in Stormarn müssen fast 50 Euro vom Existenzminimum für eine Wohnung zuschießen – nur Segeberg ist noch teurer. Verdi fordert Anhebung des Satzes und Bau von Sozialwohnungen.

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erstellt am 19.Sep.2013 | 06:00 Uhr

12 Uhr, die Glocken von Peter-Paul sind verstummt, da knallt es auf dem Mühlenplatz, kurz darauf bricht ein Haus zusammen – zwar nur eins, das aus Pappkartons zusammengesetzt war, aber immerhin. Die Aktion des Verdi Erwerbslosen Ausschusses zog etliche Passanten in der Fußgängerzone an.

So witzig das auch aussehen mag, so ist der Hintergrund doch ernst. „Immer mehr Menschen in unserem Kreis sind ärmer als arm“, kritisiert Sprecher Lothar Kulik. Es geht um Hartz IV-Empfänger und deren Kosten für die Unterkunft. Gut 4800 sogenannte Bedarfsgemeinschaften gibt es in Stormarn. Die haben einen durchschnittlichen Bedarf an Unterbringungskosten von 428,89 pro Monat. Gewährt werden aber lediglich 381,09 Euro. Den Betroffenen bleibt also nichts anderes übrig, als von dem Betrag, der das Existenzminimum darstellt, noch 50 Euro abzuknapsen.

„Da vegetiert man nur noch“, berichtet Carmen Sax aus leidvoller eigener Erfahrung. Die Sätze müssen angepasst werden. Lothar Kulik zitiert ein Bundesozialgerichtsurteil, dass eine Neuregelung vorschreibt. „Die alten Ermittlungen reichen nicht mehr.  Es muss ein Mietspiegel erstellt werden, der mindestens zehn Prozent der Wohnungen einbezieht“, sagt er.

Stormarn nimmt bei der Unterbringungskosten-Differenz mit 47,80 Euro eine unrühmliche Spitzenstellung ein. Nur im Kreis Segeberg ist die Lücke  zwischen dem anerkannten Kostensatz und der Miethöhe noch größer. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 32,28 Euro, kein Bundesland   erreicht den Stormarner Spitzenwert.

Doch mit einer schlichten Anhebung sei es auch nicht getan. Dann, so die Befürchtung von Susanne Agne, steige auch automatisch das Mietniveau weiter. Deshalb müsse wieder verstärkt in sozialen Wohnungsbau investiert werden. Nur wenn es ausreichend Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt gebe, könne das Mietniveau gehalten werden. Und  Lothar Kulik sagt: „Unsere Politik und Verwaltung sind dafür verantwortlich und aufgefordert, unverzüglich zu handeln.“

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