Nach Dauerregen in SH : Hochwasserlage entspannt sich weiter

Bei Willenscharen (Kreis Steinburg) laufen die Wassermassen von den Wiesen langsam zurück in die Stör.

Die Pegelstände gehen zurück. Der Einsatz an der Grander Mühle geht aber noch weiter.

shz.de von
06. Januar 2018, 16:44 Uhr

Reinbek/Kellinghusen | Nachdem Dauerregen und Hochwasser in Schleswig-Holstein für überflutete Straßen, steigende Pegelstände und eingeschränkten Schiffsverkehr sorgten, entspannt sich die Lage im Süden des Landes weiter. Die Pegel sind gefallen.

Nur noch an der Grander Mühle in Kuddewörde sind einige Einsatzkräfte der dortigen Feuerwehr im Einsatz. Rund 2000 Sandsäcke schützen dort das traditionsreiche Gebäude, das als die älteste Korn-Wassermühle Norddeutschlands gilt. Die Helfer sollen dort voraussichtlich bis Montag bleiben.

Die Einsätze rund um die Bille in Reinbek und am Klärteich von Brunstorf (bei Schwarzenbek) wurden am Sonntag nach einer Lagebesprechung der Einsatzleitung beendet. Insgesamt waren rund 150 Einsatzkräfte aller beteiligten Einheiten – Feuerwehr, THW, ASB / DRK, Polizei und Technische Einsatzleitung Stormarn (TEL) im rund 50-stündigen Einsatzgeschehen eingebunden

Der Pegel der Bille – einem Nebenfluss der Elbe – hatte zwischenzeitlich mit über 2,20 Meter einen historischen Höchststand erreicht und drohte, in Reinbek überzulaufen. Freiwillige Feuerwehr und ehrenamtliche Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) waren im Großeinsatz. Bereits am Samstag gab es dort Entwarnung, weil der Pegel sich gesenkt hatte. Zum Einsatz gehörte auch die Kontrolle und das Beseitigen von Treibgütern im Flussverlauf, damit die Wassermengen störungsfrei ablaufen können.

Mit Sandsäcken versuchten Anwohner in Reinbek ihre Grundstücke vor den Wassermassen zu schützen.
Peter Wüst

Mit Sandsäcken versuchten Anwohner in Reinbek ihre Grundstücke vor den Wassermassen zu schützen.

 

Pegelstände im Kreis Steinburg gehen leicht zurück

Auch im Kreis Steinburg bessert sich die Lage. Hier hatten die Regenwassermassen am Freitag die Bramau bei Wrist und die Stör bei Kellinghusen über die Ufer treten lassen. Straßen und Wiesen wurden überschwemmt. Anwohner mussten mit Sandsäcken und Flutschutzwände ihre Grundstücke sichern.

So berichtete shz.de im Video über die Hochwasserlage am Freitag:

 

Der Pegelstand ist in der Nacht zu Samstag leicht zurück gegangen. Bei Willenscharen laufen die Wassermassen von den Wiesen langsam zurück in die Stör. Der Pegelstand der Stör in Kellinghusen ist leicht gesunken. Die Birkenallee ist aber weiterhin überschwemmt. Der Wasserstand der Bramau in Wrist ist auch leicht gesunken. Bei Stellau tritt das Wasser nicht mehr über den Deich.

Schleusen im Nord-Ostsee-Kanal wieder in Betrieb

Auch der Nord-Ostsee-Kanal steht der Schifffahrt wieder im vollen Umfang zur Verfügung. Seit 0.30 Uhr Samstagnacht seien die Große Nordschleuse und die Kleine Südschleuse wieder in Betrieb. Das teilten die Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter Brunsbüttel und Kiel-Holtenau in der Nacht zu Samstag mit. Die Entwässerung des Nord-Ostsee-Kanals sei damit beendet und beide Schleusen stünden der Schifffahrt wieder zur Verfügung.

Wegen des extremen Hochwassers galt am Freitag für sämtliche Schiffe auf dem Kanal ein Tempolimit von 12 Kilometern pro Stunde. Normalerweise dürfen die meisten Schiffe den Kanal mit 15 km/h befahren. Zusätzlich wurden die Schleusen in Brunsbüttel am Donnerstag und Freitag jeweils für mehrere Stunden dicht gemacht.

Über den Nord-Ostsee-Kanal werden rund zehn Prozent des Landes entwässert. Die Schleusen des NOK haben bei Sturmflut außerdem die Funktion von Deichen und werden ab einem Pegelstand von acht Metern geschlossen. Der gut 100 Kilometer lange Kanal gilt als meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Rund 95 Frachter nutzen ihn täglich auf ihren Wegen zwischen der Deutschen Bucht und der Ostsee.

Ein mit Sand beladener Lkw sorgt durch sein Gewicht dafür, dass die Fähre in Brunsbüttel anlegen kann.
Karsten Schröder

Ein mit Sand beladener Lkw sorgt durch sein Gewicht dafür, dass die Fähre in Brunsbüttel anlegen kann.

 

Dennoch ist der Fährbetrieb auf dem Kanal durch den hohen Pegelstand stark eingeschränkt. In Brunsbüttel etwa pendelt seit Freitag nur eine Fähre zwischen der Nord- und Südseite des Kanals. Damit überhaupt Fahrzeuge transportiert werden können, steht ein mit Sand beladener Lkw mit einem Gesamtgewicht von 40 Tonnen mittig auf der Fähre. Während der Überfahrt verlagert der Lkw so das Gewicht, dass die Fähre problemlos auf jeder Seite anlegen kann. Dieses Verfahren soll vorerst bis Montag fortgeführt werden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen