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Stormarner Tageblatt

13. Dezember 2017 | 00:41 Uhr

Hochburg im Schwänzen in der Schule

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Neues Buch über das frühe Schulwesen in Stormarn

shz.de von
erstellt am 05.Feb.2014 | 10:37 Uhr

„In unserer Zeit verursacht das Schulschwänzen, ein längst als erledigt angenommenes pädagogisches Problem, den Schulaufsichten wieder erhebliche Probleme“, sagt Rainer Hoffmann. Der Autor war bis zur Pensionierung Direktor der heutigen Stadtteilschule Poppenbüttel und hat eine Vielzahl von Aufsätzen zur regionalen Schulgeschichte des Alstertals in den Jahrbüchern des Alstervereins, des Spiekers und in der Zeitschrift Natur- und Landeskunde veröffentlicht. Jetzt ist von ihm das Buch „Schulversäumnisse. Am Beispiel des niederen Schulwesens des Kirchspiels Bergstedt vom 17. bis zum 20. Jahrhundert“ erschienen – eine bildungshistorische Untersuchung, die auf der Grundlage von Schul-Protokollen aus den Schulen des ehemaligen Stormarner Kirchspiels Bergstedt mit seinen Hamburger Exklaven Volksdorf und Wohldorf-Ohlstedt basiert.

Am Anfang der Abhandlung wird die Entstehungsgeschichte der Schulen des Alstertals (Bramfeld, Duvenstedt, Lemsahl-Mellingstedt, Poppenbüttel, Sasel, Wellingsbüttel, Volksdorf, Wohldorf-Ohlstedt) dargestellt – also der Schulen der nördlichen Stadtteile Hamburgs und der Dörfer Hoisbüttel, Tangstedt, Glashütte, Wilstedt und Rade.

Anhand von Zeitungsberichten zeigt Hoffmann auf, dass Hamburg und Kiel als „Schwänzerhochburgen“ gelten. Im Hauptteil der Studie untersucht der Autor, welche Maßnahmen die Schulverwaltungen in früheren Jahrhunderten zur Eindämmung der Schulversäumnisse bis zur vollständigen Durchsetzung der Schulpflicht im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ergriffen. Ausgehend von den Schulordnungen und gesetzlichen Bestimmungen für die niederen Schulen (für das ehemalige Herzogtum Holstein und die Hamburgischen Dörfer Wohldorf und Volksdorf) wird die Durchsetzung der Schulpflicht in der einst ländlichen Region im Kirchspiel Bergstedt dargestellt.

Was heute kaum noch jemand weiß: „Kinderarbeit gehörte zu einem strukturellen Faktor des Schulwesens vom 17. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts“, sagt Hoffmann. Die Kinderarbeit wurde zunehmend zum Konflikt zwischen Eltern und Arbeitgebern auf der einen, und Schulverwaltung und Lehrern auf der anderen Seite, die die Schulversäumnisse verhindern oder zumindest verringern wollten, so Hoffmann.

Ein Ergebnis der Studie ist, dass die Leistungsfähigkeit des schleswig-holsteinischen Schulsystems dem viel gepriesenen preußischen weit überlegen war. „Die mehr auf Konsens ausgerichtete dänische Schulverwaltung erreichte schon 1825 eine 100-prozentige Einschulungsquote, während Preußen nur eine Quote von 82 Prozent bewirkte“, sagt Hoffmann. Nach der Annektierung Schleswig-Holsteins durch Preußen im Jahr 1867 sank die Zahl der Schulversäumnisse nicht, sondern stieg sogar wieder an, so Hoffmann.

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