zur Navigation springen

Bad Oldesloe : Hitzige Diskussion um den Tegel

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Anwohner machen im Bau- und Planungsausschuss ihrem Ärger Luft und der Bürgermeister sieht sich verunglimpft.

Der Sitzungssaal im Oldesloer Stadthaus war bei der jüngsten Sitzung des Bau- und Planungsausschusses bis in die hinterste Ecke belegt.

Die Tagungsordnungspunkte, die den Großteil der Besucher besonders interessierten, waren die, die sich um die Einrichtung eines Neubaugebietes direkt hinter ihren Grundstücken am Tegel am Rande Oldesloes beschäftigen sollten.

Schon in der Vergangenheit hatte es Ärger gegeben: Angeblich sollte es hinter verschlossenen Türen eine Absprache mit den möglichen Investoren von der Sparkassen-Immobiliengesellschaft (SIG) gegeben haben. Ein vermeintlicher Informant aus Politikerkreisen plauderte die Inhalte aus dem „nicht-öffentlichen Teil“ aus. In der Folge hatte es eine gut besuchte und hitzige Einwohnerversammlung gegeben. Auf dieser wurden Anträge gestellt und ein Fragenkatalog aufgesetzt, der abgearbeitet werden sollte.

Genau daran entzündete sich jetzt der Streit. Denn aus Sicht der rund 30 Anwohner in der Einwohnerfragestunde war nicht genug von dem aufgenommen worden, was die Anwohner gefordert hatten. „Die Beantwortungen waren nicht befriedigend. Und wir würden gerne wissen, wann und wie wir über die nächsten Schritte informiert werden. Wir müssen ja auch die Zeit haben, dann eine Stellungnahme abzugeben oder zuzustimmen“, machte Karl Heinz Dose, Anwohner am Tegelkamp, seine Position deutlich. Vor allem die Verkehrssituation sei schon jetzt sehr schlecht. Baufahrzeuge könnten nicht zur Erschließung des möglichen Baugebiets durch das Wohngebiet fahren. Ein vorliegendes Verkehrsgutachten sei ungenügend, zeige aber trotzdem auch schon Probleme auf.

Missverständnisse, Fehldeutungen und -interpretationen von Fachbegriffen sowie Unwissen um politische und bürokratische Abläufe erschwerten die Diskussion. Während die Anwohner erst alle Gutachten vorliegen haben möchten, ist das laut Verwaltungsseite nur möglich, wenn das Bauvorhaben in die Wege geleitet wurde. Ein Umstand, der die Anwohner erboste.

„Gibt es schon Verträge und Verpflichtungen gegenüber dem Investor? Wer hat die Verträge unterschrieben? War die Person dazu überhaupt befugt?“, trug Karl-Heinz Dose einen Fragenkatalog vor, den Ludwig Lutter erarbeitet hatte.

„Nein, es gibt keine Verträge oder Verpflichtungen“, so Bürgermeister Tassilo von Bary. Er erntete dafür Kopfschütteln und Gelächter. „Der ist doch geschmiert“, rief ein Anwohner. „So ein Lügner“, moserte ein anderer. „Warum entsteht der Eindruck, dass das Vorhaben noch unter diesem Bürgermeister durchgesetzt werden soll, weil man es vielleicht mit dem nächsten nicht mehr machen könnte?“, fragte Anwohnerin Carola Dose-Tiepolt. „Wir haben leider keine Steuergelder zur Verfügung, um ein besseres Verkehrsgutachten erstellen zu lassen. Wir würden zu ganz anderen, Ergebnissen kommen“, führte sie weiter aus. „Wir schauen ganz genau hin, wer hier heute wann den Finger hebt“, fügte sie an. „Ich verwehre mich gegen solche Vorwürfe“, so von Bary. Zum Teil gingen auch in der Folge Äußerungen stark in Richtung Verleumdung.

Von juristischen Konsequenzen will von Bary aber absehen. „Die Enttäuschung ist trotzdem da. Ich verstehe, dass die Emotionen hochkochen, wenn man als Anwohner betroffen ist. Aber dass dann unter die Gürtellinie getreten wird und die Sachebene komplett verlassen wird, ist respektlos und unverschämt“, so von Bary.

Die Art und Weise wie er und auch die restliche Verwaltung angegriffen worden sei, sei „in dieser Form absolut nicht hinnehmbar“, so Uwe Rädisch (CDU). Der wollte die Diskussion gerne beenden. „Die Art, wie hier manche Anwohner auftreten, ist nicht der Umgangston, der im Ausschuss gepflegt wird. Das ist stillos“, sagte er. „Ich muss sagen, dass die Diskussion sehr unerfreulich verläuft. Ich hätte mir von den Anwohnern gewünscht, dass sie die Regeln im Ausschuss akzeptieren“, meinte Vorsitzende Maria Herrmann (SPD). „Ich verzweifle ein wenig mit Ihnen. Sie stellen Fragen, die werden beantwortet und Sie stellen die Frage nochmal“, wandte sie sich an die Protestierenden vom Tegelkamp.

Die FBO schlug sich auf die Seite der empörten Anwohner. Man müsse die Sorgen verstehen, lautete die Grundaussage von Matthias Rohde (FBO). „Sie sind doch echt der Wolf im Schafspelz. Sie haben doch selbst schon eine sehr unrühmliche Rolle gespielt“, konterte Herrmann. „Es ist unmöglich und unverantwortlich, wie die FBO versucht, das Thema jetzt für sich auszunutzen“, sagte Rädisch.

In der durch das schroffe Auftreten der Bürger emotional aufgeladenen Atmosphäre gingen wichtige Argumente fast ein wenig unter. So die Frage Karl-Heinz Doses danach, wo das Konzept für die Baugebiete der gesamten Stadt bleibe. „So ein Konzept ist immer auch ein Progress. Es entwickelt sich“, antwortet Scheuber ausweichend.

Dass dieses die gesamte Stadt umfassende Konzept fehlt, war maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Grünen gegen die Einleitung des Bauplanungsverfahrens stimmten. Sie möchten erst einen Überblick über ein Konzept für die ganze Stadt. Die SPD möchte ebenfalls ein Wohnungsbaukonzept für die gesamte Stadt und dass fest verankert wird, dass ein Drittel der entstehenden Wohneinheiten zum „sozialen Wohnungsbau“ gehören. Die CDU stimmt für die Einleitung der Bauplanung.

„Wenn die Tegelanwohner jetzt feiern, feiern sie zu früh. Das Wohngebiet ist nicht gestorben, sondern wird sicherlich wieder auf den Tisch kommen. Wir als SPD sind sicherlich nicht grundsätzlich dagegen, stellte Herrmann klar, nachdem einige Anwohner die Abstimmung offensichtlich als Sieg fehlinterpretiert hatten.

 

zur Startseite

von
erstellt am 06.Okt.2015 | 13:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen