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Gemeinsam gegen Neonazis : Hinsehen und eingreifen!

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Auf der Regionalkonferenz „Rechtsextremismus“ geht es um Erfahrungsaustausch und Prävention.

Rechtsextremismus verstehen, erkennen und bearbeiten gelingt nur, wenn man die regionalen Bezüge und Vernetzungen von Neonazis einbezieht und zur Grundlage einer gemeinsamen Arbeit erhebt – unter dieser Prämisse findet am Sonnabend, 9. Mai, von 9.30 bis 17.15 Uhr die sechste Regionalkonferenz „Rechtsextremismus“ in der Lübecker Geschwister-Prenski-Schule statt. Die in Ratzeburg aufgrund von zahlreichen rechtsradikalen Aktivitäten angestoßene Initiative arbeitet kreis- und länderübergreifend. Ihr Ziel ist es, in Stormarn, Lübeck, Lauenburg, Nordwestmecklenburg, Ludwigslust und darüber hinaus einen Austausch und eine Zusammenarbeit von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren zu etablieren.

„Demokratie ist kein Besitz“, zitiert Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voß den kürzlich verstorbenen Günter Grass. Sie bleibe nicht, man müsse für sie kämpfen, um sie zu erhalten. Ziel sei es, die Aktiven aus- und fortzubilden, um präventiv handeln zu können. Neonazis agierten längst nicht mehr nach dem klassischen Muster, betont Mark Sauer vom Ratzeburger Bündnis. Im Internet seien sie gut vernetzt und mischten sich unter Gruppen wie Pegida. Nicht zu unterschätzen sei auch der „Alltagsrassismus“, der täglich stattfinde, sagt der Lübecker Senator Bernd Möller.

Die Stormarner Jugendschutzbeauftragte Petra Linzbach kennt diese Problematik ebenfalls. Auf der Regionalkonferenz in Bargteheide im vergangenen Jahr sei das thematisiert worden. „Wo kommen diese Bilder vom Anderssein in unseren Köpfen her?“ fragt sie. Wichtig sei es, dieses Thema weiter zu vertiefen und Prävention zu intensivieren.

Seit 2006 rechtsextreme Aktivitäten in Reinfeld bekannt wurden, seien viele Maßnahmen gegen Rechts im Kreis Stormarn ergriffen worden, so Linzbach. Darauf sei sie schon „ein wenig stolz“. Nachdem in Reinfeld 2008 Schüler T-Shirts mit der Aufschrift „88“ trugen und die NPD einen Stand auf einer Veranstaltung eröffnete, traten ein Jahr später weitere rechtsextreme Gruppierungen in anderen Städten und Dörfern des Kreises auf, heißt es in der Regionalanalyse.

Ein negativer Höhepunkt war der Nazi-Aufmarsch im Juni 2010 in Bargteheide, der mit einer Gegendemo unter dem Motto „Bargteheide bleibt bunt – keine Nazis in Stormarn und anderswo“ beantwortet wurde. 2009 wurde das Antirassistische Bündnis Stormarn mit 30 Partnern gegründet. Es gab drei Fachtagungen, 2011 wurde die Regionalanalyse erstellt. In den Kitas und an den Schulen im Kreis gab es diverse Präventivmaßnahmen, in Reinfeld gründete sich 2011 der „Kriminalpräventiven Rat“ in Bad Oldesloe wurde der Film „Blut muss fließen“ gegen Rassismus gezeigt. 2013 zählte Glinde die 500. Mahnwache vor dem Thor-Steinar-Laden. Und im Januar solidarisierten sich in Bad Oldesloe Hunderte mit den Flüchtlingen, nachdem eine Rauchgasbombe in der Asylbewerberunterkunft am Grabauer See gezündet hatte.

Laut Regionalanalyse ist Nordstormarn zwar kein rechtsextremer Brennpunkt, jedoch gebe es dort seit Jahren eine rechte Szene. „Präventions- und Gegenmaßnahmen sollten kreisweit in Schule und Jugendarbeit ansetzen“, sagt Petra Linzbach. Erschreckend das Fazit der Analyse: „Es handelt sich nicht um ein Randproblem. Rechtsextreme Einstellungen sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“

Anmelden können sich Interessierte zu den Workshops der Regionalkonferenz unter sauer@ratzeburg.de.

 

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erstellt am 22.Apr.2015 | 06:00 Uhr

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