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Stormarner Tageblatt

21. August 2017 | 18:06 Uhr

Bad Oldesloe : Hindenburg soll bleiben

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Eine große Mehrheit bei der Einwohnerversammlung in Bad Oldesloe hat sich gegen die Umbenennungs-Pläne ausgesprochen.

Das Meinungsbild war eindeutig: Schon während der nicht ganz zwei Stunden angeregter Diskussion in der Oldesloer Festhalle zeichnete sich ab, dass die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer der Einwohnerversammlung gegen eine Umbenennung der Hindenburg- in Langestraße ist. Auf Antrag von Dieter Hoffmann (CDU) wurde dann auch über seinen Vorschlag, die Straße nicht umzubenennen, abgestimmt. Bürgerworthalter Rainer Fehrmann musste nicht durchzählen. „Eine ganz erhebliche Mehrheit“ , stimmte gegen die Rückbenennung. Nicht mehr ganz so viele, aber immer noch eine deutliche Mehrheit, sprach sich zudem für den Antrag von Wolfgang Gerstand (CDU) aus, dass vor einer Abstimmung über die Langestraße die Kosten und der Arbeitsaufwand für die Verwaltung ermittelt werden sollen.

Vorausgegangen war eine teilweise hitzige Debatte. Bürgermeister Tassilo von Bary machte mit einer kurzen Einleitung den Auftakt. Den Begriff „Rückbenennung“ kenne das Gesetz nicht, er müsse deshalb von einem Umbenennungsantrag ausgehen. 147 Anlieger seien betroffen, 75 Gewerbebetriebe. Behörden wie die Telekom, Post oder Abfallwirtschaft würden von der Stadt automatisch informiert. Gewerbeummeldungen seien nicht erforderlich. Grundbuchänderungen würden kostenlos vorgenommen, da es sich um Änderungen „von Amtswegen“ handele. „Es ist ein erheblicher Aufwand für alle“, so von Bary. Er ging auch auf die Person Paul von Hindenburg ein. Der sei ein „Militarist und Monarchist“ seiner Zeit gewesen. „Die alten Geschichtsbücher gelten nicht mehr, heute sehen ihn Historiker anders“, machte der Bürgermeister deutlich. Auch zehn Jahre nach Änderung seiner privaten Hausnummer bekomme er immer noch falsche Post.

„Nehmen Sie im Sinne des Friedens für unsere Stadt den Antrag zurück“, forderte Geschäftsmann Ulrich Mirus von den Initiatoren: „Die Stimmung ist vergiftet.“ Er hielt die Infotour von Maria Herrmann   (SPD) und Dr. Hartmut Jokisch (Grüne) durch Oldesloer Geschäfte für eine „alberne Aktion“. Die beiden würden verschweigen, dass sie „aus mindestens einem Geschäft achtkantig rausgeworfen“ wurden. Großes Gejohle im Saal. Ehrenbürger Walter Busch verteidigte Hindenburg: „Er war ein alter, greiser Mann, der nicht wusste und absehen konnte, was er tat.“ Uwe Timmermann ging noch einen Schritt weiter: „Hindenburg hat die russische Dampfwalze vernichtend geschlagen.“ In seinen Schimpftiraden gegen Linken-Politiker Hendrik Holtz ließ er sich nur schwer durch Ordnungsrufe des Bürgerworthalters bremsen.

Klaus Klingner (SPD) machte deutlich, worum es bei der Umbenennung der Lange- in Hindenburgstraße ging: „Es wurde nicht der Held von Tannenberg geehrt, nicht der erste gewählte Präsident, es ging auch nicht um seine Wiederwahl 1932, sondern um seinen Einsatz für die ‚Nationale Erhebung‘“, führte er aus. Die ach so arme Stadt habe plötzlich eine Villa für die NSDAP gehabt, das Blaue Haus sei zum berüchtigten Gefängnis geworden, sogar die Namen der Oldesloer, die von den Nazis verfolgt wurden, zählte Klingner auf. Zwischenrufe, das stimme doch alles nicht, konnten ihn nur kurz aus dem Konzept bringen.

Mathias Schmidt, Immobilienbesitzer und Vorsitzender von Haus und Grund, mahnte: „Ich muss schon 28 Euro pro Meter Gebäudefront für die Straßenreinigung bezahlen und jetzt auch noch die Kosten für die Umbenennung!“ Auch andere Redner führten die Betriebskosten für neue Geschäftsunterlagen an.

Nach dem offiziellen Teil wurde in kleinen Grüppchen noch munter weiterdiskutiert. Gestern Mittag überreichten die Geschäftsleute Johann Jessen und Ulrich Mirus 2273 Unterschriften, die in etwa 40 Innenstadtgeschäften gegen die Umbenennung gesammelt worden waren. Ob die Anträge der Einwohnerversammlung oder die Unterschriften etwas bewirken, wird sich heute Abend bei der Sitzung des Hauptausschusses ab 19 Uhr im Stadthaus zeigen.

Soll die Hindenburgstraße wieder ihren früheren Namen Langestraße bekommen?

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 18.Feb.2015 | 06:00 Uhr

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