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Stormarner Tageblatt

18. Oktober 2017 | 19:28 Uhr

Himmlisch – Taufengel ist zurück

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Holzfigur war arg in die Jahre gekommen und wurde in nur acht Wochen bei der Lübecker Firma Butt gereinigt und restauriert

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2016 | 13:31 Uhr

„Unser Taufengel ist nach nur acht Wochen schon wieder da. Ich freue mich sehr“, sagt Marlies Stolp von der Ev. Kirchengemeinde und schaut zu dem historischen Holzengel hoch, der bereits wieder sicher an seiner Eisenkette über dem Taufbecken vor dem Altarraum hängt.

Die Restauratorinnen Catherina Staiger und Britta Butt von der Lübecker Firma Butt hatten ihn zuvor – abgesichert mit mehreren Spanngurten und auf dickem Schaumstoff gebettet – in einem Kleinbus zur Matthias-Claudius-Kirche transportiert. Dort packten Pastor Bernd Berger, Ingo Stolp und Klaus Peter Rocksien kräftig mit an, um das wertvolle Kunstwerk aus dem Jahre 1776 sicher in die Kirche, auf das bereitstehende Gerüst und dann an den Haken zu hängen. Für Marlies Stolp geht damit ein Traum in Erfüllung. Sie hatte sich im Vorwege für die Restaurierung des Engels engagiert.

Nach der Kirchen-, Glocken- und Turmuhrsanierung, die sie und ihre fleißigen Helfer mit zahlreichen Aktionen wie die „Talente rund um die Kirche“, Basarverkäufen und Spenden unterstützten, ist dies die letzte große Aktion der Reinfelderin als Mitglied des Kirchengemeinderates. „Frau Stolp ist zwar nicht mehr im Gemeinderat, wird sich aber sicher noch weiter stark mit einbringen“, ist sich Pastor Berger sicher und dankt ihr für ihren unermüdlichen Einsatz.

Im Oktober ging der Engel auf Reisen und wurde von den erfahrenen Restauratoren generalüberholt. Das war auch dringend nötig, denn der Engel hatte diverse Fehlstellen, war stark verschmutzt, die Farbe blätterte ab. Zuletzt war der Engel 1981 restauriert worden, zuvor sogar für einige Jahre auf dem Dachboden des Pastorats in der Versenkung verschwunden. Zuerst entfernte Gemälde- und Skulpturrestauratorin Catherina Staiger die Notsicherung an den Fehlstellen. Dann bearbeitete sie diese mit Leim-Kreide-Kitt, glich die Fassung wieder an, nahm am Ende eine Gesamtretusche mit Ölfarbe vor, denn das gute Stück hatte im Laufe der Jahre vor allem auf dem Rücken Schimmel angesetzt, trug zum Abschluss den Firnis auf – alles in Absprache mit dem Denkmalamt.

In der Kirche erscheint der Engel dann doch in einem anderen Licht als in der Werkstatt. Catherina Staiger gleicht noch schnell ein paar Stellen mit Ölfarbe aus. „Als Farbe haben wir ein abgetöntes Weiß benutzt, das dem Original sehr nahe kommt“ erklärt Britta Butt. Das freut auch Pastor Berger, der den Engel in seiner ursprünglichen Schlichtheit ganz besonders schön findet. „Das Reinfelder Exemplar unterscheidet sich in seiner Schönheit und künstlerischen Machart von den üblichen Taufengeln in den ländlicheren, kleinen Kirchen. Er ist von besonders guter Qualität“, so die Restauratorin.

Denn er wurde vom bekannten Lübecker Bildhauer Diedrich Jürgen Boy, der auch die Figuren der Lübecker Puppenbrücke schuf, gestaltet. „Mitte des 18. Jahrhunderts hatten Taufengel ihre Blütezeit, im 19. Jahrhundert war diese auch schon wieder vorbei“, so Butt. Da ging es dem Reinfelder Taufengel wie vielen anderen: Er geriet in Vergessenheit. In der Matthias-Claudius-Kirche hing er um 1910 im Eingangsbereich, wie Britta Butt bei ihrer Recherche im Marburger Archiv herausfand. 1984 erhielt er seinen endgültigen Platz über dem neuen Taufstein. „Vielleicht hatte er ursprünglich sogar einen Palmzweig in der Hand“, sinniert die Restauratorin. Die Finger der linken Hand deuteten darauf hin. Die Kosten der Instandsetzung – finanziert durch Spenden und einen Zuschuss des Kirchenkreises – belaufen sich auf 6000 Euro.

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