zur Navigation springen

Bis 100 000 Euro : „Hilfe kann direkt vor Ort erfolgen“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Kirchenkreis unterstützt das Johanniter-Projekt „Care-Pakete für Irbid“, das syrischen Flüchtlingen mit Lebensmittelpaketen wirkungsvoll hilft.

shz.de von
erstellt am 22.Mär.2016 | 06:00 Uhr

Mitglieder von Hilfsorganisationen beladen ein Flugzeug mit Hilfsgütern für Flüchtlinge am Flughafen Berlin-Schöneberg – so stellen sich viele Menschen die Unterstützung für Krisengebiete vor – so in der Tagesschau oft genug gezeigt. „Natürlich gibt es das, und das ist auch gut so. Aber Hilfe kann auch direkt vor Ort erfolgen“, erläutert Schwalb von den Johannitern. Er ist Fachbereichsleiter der Johanniter-Auslandshilfe im Mittleren Osten und unterstützt mit seinem Team syrische Flüchtlinge in der kleinen jordanischen Stadt Irbid nahe der syrisch-jordanischen Grenze.

Das Johanniter-Projekt „Care-Pakete für Irbid“ hat sich der Kirchenkreis Plön-Segeberg ausgesucht, um syrischen Flüchtlingen direkt vor Ort zu helfen. Alles begann mit der Spende einer Privatperson, dann kam die Spendenaktion richtig ins Rollen. Inzwischen sind bereits 50  000 Euro an Spendengeldern an die Johanniter-Auslandshilfe überwiesen worden, weitere 25000 sind beschlossen, wovon bereits 12  000 Euro Spendengelder eingegangen sind. „Wir hoffen, dass unser Kirchenkreis insgesamt 100  000 Euro spenden kann“, so Synodenpräses Peter Wiegner.

Mit 50  000 Euro können 935 Pakete gepackt werden, die Lebensmittel wie Mehl, Reis, Öl, Zucker, Nudeln, Linsen und Salz enthalten. Die Zusammenstellung der Lebensmittel erfolgt in Jordanien und passt sich den Bedürfnissen der Flüchtlinge an. Ein Care-Paket wiegt 50 Kilogramm und wird von einer ehrenamtlichen Studenteninitiative syrischer Flüchtlinge in Amman gepackt. Es reicht einer fünf- bis sechsköpfigen Familie für vier bis sechs Wochen. „Mit den 50  000 Euro kommen wir bis Mitte des Jahres, hoffen aber, das Jahr mit weiteren Spenden noch voll zu bekommen“, so Probst Erich Faehling. Ein solches Lebensmittelpaket – angelehnt an die Care-Paket-Hilfsinitiative der USA für Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg – kostet etwa 50 Euro und wird an Flüchtlingsfamilien in Irbid verteilt, die bei heimischen Familien Unterschlupf gefunden haben. Über 5500 Syrer – davon rund 3000 Kinder – leben in oft beengten Verhältnissen. „Untergebracht sind sie in vermieteten Wohnungen, aber auch in Kuhställen“, erzählt Schwalb, der in zwei Wochen wieder nach Jordanien fliegt. So leben oft zwei Großfamilien – eine jordanische und eine syrische – oft mit bis zu 15 Personen unter einem Dach. Auch ein Drittel der jordanischen Familien wird mit Care-Paketen unterstützt.

„Wir möchten nicht nur Soforthilfe leisten, sondern auch dazu beitragen, das Klima in Jordanien stabil zu halten und den Flüchtlingen langfristig eine Perspektive zu bieten“, erklärt Propst Dr. Daniel Havemann. Man stelle sich die Unterbringung der Flüchtlinge immer in großen Lagern vor, die es natürlich auch gebe, aber an der syrisch-jordanischen Grenze werde Hilfe durch die Johanniter anders praktiziert – auch durch schulischen Unterricht und psychosoziale Unterstützung für traumatisierte Kinder. In der Hoffnung, dass die Flüchtlinge irgendwann einmal wieder in ihre Heimat zurückkehren können – und da hätten die über 5000 Syrer in dem 10  000 Einwohner großen Irbid die besseren Chancen als die aus dem Lager in Zaatari, wo 100  000 Menschen in unwürdigen Verhältnissen leben müssten, so Schwalb. „Wir müssen den Blick auf Beides richten: Auf die Unterstützung der Flüchtlinge hier bei uns in Deutschland, aber auch direkt vor Ort“, unterstreicht Havemann. Die Synode unterstütze nicht nur die engagierte Arbeit zur Integration der Flüchtlinge hier, sondern auch die Menschen, die in der Nähe ihrer Heimat Schutz vor dem Bürgerkrieg gefunden haben. 630  000 syrische Flüchtlinge leben offiziell im kleinen Jordanien, wahrscheinlich sind es doppelt so viele. Die Bedingungen sind katastrophal - auch, weil die Vereinten Nationen die Menschen nicht mehr versorgen können. Ziel sei es, so Schwalb, die Versorgung zumindest in Irbid zu sichern und Perspektiven zu schaffen. Jordanien und der Libanon hätten eine „unglaublich hohe Zahl“ an Flüchtlingen zu bewältigen. „Hätte die Welt vor Jahren mehr vor Ort investiert, müsste sie sich heute nicht um das Zehnfache engagieren“, ist sich Schwalb sicher. Und Faehling ergänzt: „Wir hoffen, mit unserer Spendenaktion ein Zeichen zu setzen, dass wir daran glauben, dass die Flüchtlinge irgendwann einmal wieder in ihrem eigenen Land sicher sind“. Bis dahin sei Hilfe weiterhin dringend notwendig – in Deutschland und Jordanien.


>Kontakt: Der Kirchenkreis hat ein Spendenkonto eingerichtet für das Projekt „Care-Pakete für Irbid“ . Weitere Information übert Propst Dr. Daniel Havemann, . (04551) 963 64 20 propst.havemann@kirchenkreis-ploe-se.de.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen