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Erdbebenkatastrophe : Hilfe für Nepal aus Sülfeld

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Michael von Pein engagiert sich seit Jahren für die Menschen am Fuße des Himalaya

„Sie werden keinen finden, der nicht mit strahlenden Augen zurückkommt. Wer ein mal da war, wird abhängig.“ Seit seiner ersten Nepal-Reise 1982 ist Michael von Pein auch dem Reiz des Landes zwischen Indien und Tibet erlegen. Fünf Mal war er dort. Doch der Sülfelder ist nicht nur Nepal-Reisender, sondern engagiert sich auch seit vielen Jahren für das Land. Nie war diese Hilfe wichtiger als jetzt nach der schweren Erdbebenkatastrophe, die tausende das Leben kostete.

Anfangs war er Mitglied in einem Verein, der seit 20 Jahren eine große Schule in Nepal unterhält. Damit war Schluss als von Pein mitbekam, dass der Schulleiter in großem Stil Spenden in die eigene Tasche umleitete. Weil der Vorstand nichts unternahm, traten 25 Mitglieder aus und gründeten vor vier Jahren einen eigenen Verein: Zuki – Zukunftskinder Nepal. „Unser Geld können wir besser verwenden“, begründet Vorstandsmitglied Michael von Pein den Schritt.

Peshala, eine 19-jährige Schülerin, wurde beim Vorstand vorstellig. Sie bat um Hilfe beim Aufbau einer Gesundheitsstation. Der 61-Jährige räumt ein, dass der Verein die junge Frau anfangs unterschätzte. Sie absolvierte eine Ausbildung zum „Health Assistant“ und schickte eine Zeichnung, wie die kleine Klinik aussehen solle. Und ein Grundstück habe sie auch.

Das ist genau das, was der Verein möchte: Keine Projekte überstülpen, sondern engagierte Einheimische dabei unterstützen, eigene Ziele zu realisieren. Zuki ließ die Baupläne von einem deutschen Statiker erdbebensicher überarbeiten. Michael von Pein: „Unsere Klinik ist fast das einzige Gebäude in der Region, das noch steht.“ Mit 30  000 Euro unterstützte der Verein den Bau, weitere 10  000 Euro wurden in die Ausstattung investiert. Leiterin Peshala bekommt monatlich 250 Euro Gehalt. Mit dem Geld aus Deutschland bestreitet sie nicht nur ihren Lebensunterhalt, sie unterstützt auch ihre Familie und hat noch etwas zur Seite gelegt.

„Vor einer Weile hat sie uns vor vollendete Tatsachen gestellt und mitgeteilt, dass sie Holz und Wellblech gekauft hat, um damit einen Kindergarten zu bauen“, berichtet von Pein. Jeder Sack Zement, jede Blechplatte muss von Trägern in das entlegene Dorf Shreechaure getragen werden. Steine hauen die Einheimischen selber. Dank des Spendenlaufs einer Dresdner Schule konnte der hölzerne Kindergarten durch einen Massivbau ersetzt werden.

Die kleine Klinik wurde nach ihrer Gründerin benannt: Peshala Medical Center (PMC). 300 Patienten werden dort durchschnittlich pro Monat behandelt. Peshala habe es geschafft, dass das PMC von der Regierung offiziell als Krankenhaus anerkannt wird und wenigstens etwas Geld bekomme. Voraussetzung war die Einrichtung eines Labors. Auch dabei half Zuki. Peshala bringt Kindern Hygiene bei, was zu einer deutlichen Verringerung der Krankheitsrate führt. Zudem engagiert sie sich für Empfängnisverhütung.

„Ein Gesundheitszentrum ist immer ein Ansiedlungspunkt“, sagt Michael von Pein. Rund um das PMC haben viele Menschen Hütten gebaut. In gebrochenem Englisch teilte Peshala ihren Unterstützern mit, dass das Krankenhaus das Erdbeben unbeschadet überstanden habe. Weil die Dorfbewohner fast alle zur Arbeit auf den Maisfeldern waren, habe es keine Toten gegeben.

Aber 60 Prozent der Häuser seien „completely gone“, 30 Prozent unbewohnbar. In den restlichen zehn Prozent könne wenigstens noch gekocht werden. Schule, Kreisverwaltung und Regierungskrankenhaus seien zerstört. Ganz aktuell berichtete Peshala gestern, dass die ersten Patienten wegen Durchfalls behandelt werden müssen. „Die Situation spitzt sich zu“, befürchtet der Sülfelder: „Die Leute zählen auf uns. Wir werden sie jetzt natürlich nicht hängen lassen. Und wenn wir da nur ein paar Paletten Wellblech hintragen lassen … in drei bis vier Wochen beginnt die Monsum-Zeit.“

 


>Infos und Spendenkontonummer unter www.zuki-nepal.de

 

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 29.Apr.2015 | 12:00 Uhr

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