Bad Oldelsoe : Hilfe bei der Olivenernte

Oliven machen einen großen Teil der palästinensischen Wirtschaft aus.
Oliven machen einen großen Teil der palästinensischen Wirtschaft aus.

Der Oldesloer Hauptausschuss berät heute Abend über eine Städte-Partnerschaft mit Palästina.

Andreas Olbertz. von
21. Januar 2015, 06:00 Uhr

Schlägt Bad Oldesloe heute Abend ein neues außenpolitisches Kapitel auf? Auf der Tagesordnung des Hauptausschusses steht ein gemeinsamer Antrag von SPD, Grünen, FDP, Linken sowie dem fraktionslosen Wolfgang Schmidt, mit Jifna/Jalazoun im Westjordanland eine Städtepartnerschaft einzugehen.

Der Kopf hinter dem Antrag ist Dr. Hartmut Jokisch, Grünen-Politiker und städtischer Partnerschafts-Beauftagter für Beer Yaacov. „Das verfolge ich schon, seit ich städtischer Beauftrager bin“, erklärt Jokisch auf Nachfrage. Von den Mitgliedern des Freundeskreises Beer Yaacov sei das immer begrüßt worden. Konkret habe sich das Vorhaben allerdings als schwierig herausgestellt. Jokisch: „Ich habe lange nach Kontakten gesucht, das war nicht einfach.“ Über Pfarrer Dr. Paul Löffler und Nicola Abu-Khalil vom Deutsch-Palästinensischen-Freundschaftsverein kam die Anregung, Jifina als Partnerort zu nehmen. Erste Kontakte gibt es bereits und eine Oldesloer Delegation hat den Ort bereits besucht.

Das Ziel liegt für Jokisch auf der Hand. 1987 wurde die Partnerschaft zwischen Oldesloe und Beer Yaacov beurkundet. Damit soll Völkerverständigung praktiziert und vorgelebt werden, zwischen beiden Völkern soll eine dauerhafte Aussöhnung stattfinden. Seit 1996 unterhält Bad Oldesloe Partnerschaften mit dem französischen Olivet und dem polnischen Kolberg, „also zu Menschen, die vor 100 Jahren noch zu unseren ‚Erbfeinden‘ zählten“, heißt es in dem Antrag für den Hauptausschuss.

Das Verhältnis zwischen Israel und Palästina ist zerrüttet, beide stehen sich eher kriegerisch gegenüber. Mit der israelisch-palästinensischen-Partnerschaft soll deutlich gemacht werden, „dass solche Feindschaften überwunden werden können“. Jokisch und andere Oldesloer waren bereits mehrfach in Jifna. „Wir sind immer herzlich aufgenommen worden. Dort besteht großes Interesse, wesentlich mehr als von israelischer Seite“, so Hartmut Jokisch. Er ist sich bewusst, dass diese Bestrebungen von den Israelis kritisch gesehen werden. Etliche israelische Partner seien regelrecht „vergrätzt“ gewesen, als sie erfuhren, dass die Oldesloer Gruppe weiter nach Palästina reise. Jokisch gibt zu: „Es ist schwieriges Terrain, aber wert, sich darum zu bemühen.“

Wenn die Partnerschaft zustande kommt, hofft Hartmut Jokisch, sie auch mit Leben erfüllen zu können. Er kann sich Jugendbegegnungen vorstellen, eventuell könnten mit Sponsorenhilfe junge Palästinenser für Praktika nach Oldesloe kommen oder dort von Oldesloern Projekte realisiert werden – Umweltschutz, Unterstützung bei kleinen Infrastrukturproblemen oder schlicht nur Hilfe bei der Olivenernte. Doch sowas braucht erfahrungsgemäß mindestens ein Jahr Vorlaufzeit.

Bei Bürgermeister Tassilo von Bary kommt über den Antrag bislang keine Freude auf. „Ich kann da wenig mit anfangen“, sagt er auf Nachfrage. Von Seiten der Politik sei mit ihm noch nicht darüber gesprochen worden. „So richtig erschließt sich mir der Sinn noch nicht“, sagt der Bürgermeister. Auch bei der CDU gebe es noch „einige Fragen und Bedenken“, sagte Fraktions-Vorsitzender Horst Möller. Eine Meinungsbildung in der Fraktion stehe noch aus. Horst Möller: „Ich sehe uns da eher bei Enthaltung.“


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