Hier wird alles genau durchleuchtet

 Elisabeth Samusch und Edzard Leffers  an einer restaurierten Isolux-Anlage aus dem Jahr 1944.
1 von 2
Elisabeth Samusch und Edzard Leffers an einer restaurierten Isolux-Anlage aus dem Jahr 1944.

Seifert ist ein Pionier der Röntgen-Technologie und weltbekannt für den Einsatz in der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung

23-2117406_23-54777749_1400258067.JPG von
12. Dezember 2017, 13:40 Uhr

Am Anfang stand eine Innovation. Richard Seifert, der Großvater von Elisabeth Samusch, zog nach seiner Lehre nach Hamburg und machte sich dort am 12. Dezember 1892 im neuen Gebiet der Elektrizität selbstständig. Seine Firma baute und betrieb kleine und mittelgroße Blockstationen zur Erzeugung und Verteilung elektrischer Energie.

Das was den Kurs der Firma bis heute bestimmen sollte, sollte, ereignete sich Ende 1885: Wilhelm Conrad Röntgen entdeckte die „X-Strahlen“. Nur ein paar Monate später brachte Richard Seifert seinen ersten Röntgenapparat auf den Markt – fast zeitgleich mit einem weiteren deutschen Unternehmen sowie Thomas A. Edison.

Die X-Strahlung konnte nur in einem Vakuumglaskolben erzeugt werden. Die bezog der Feinmechaniker und Elektrotechniker Seifert vom damals führenden Glasbläser, der auch die Glühbirnen lieferte. Durch weitere Kontakte zu Physikern und Professoren entstand die „Hamburger Schule“, so Elisabeth Samusch, „in der auch die anderen im Hamburger Raum hergestellten Röntgengeräte entwickelt wurden.“

Die Röntgenbilder revolutionierten die Diagnostik, und das Unternehmen wuchs rasant. Nach zehn Jahren beschäftigte Seifert 60 Mitarbeiter, zum 25-jährigen Jubiläum 1917 waren es 160 und man verkaufte die Geräte „in alle zivilisierten Länder der Erde“.

Der Erste Weltkrieg bedeutete aber ebenso wie später der Zweite einen großen Einschnitt. 1929 übernahm Richard Seifert Junior die Firma, der bereits seit 1913 Prokura besaß und Mathematik, Physik und Elektrotechnik studiert hatte. „Er hat Pionierarbeit für Röntgengeräte geleistet“, sagt Elisabeth Samusch über ihren Vater, der 1969 starb und ihr die Firma sieben Jahre zuvor übertragen hatte.

Wilhelm Conrad Röntgen hatte zwar schon Durchstrahlungsprüfungen technischer Objekte gemacht, die X-Strahlen wurde aber nur in der Medizin eingesetzt. 1927 präsentierte Dr. Richard Seifert Junior auf der Werkstoffschau in Berlin einen mobilen Isovolt Röntgen-Apparat für die Schweißnahtprüfung. Es markiert den Beginn der industriellen Werkstoffprüfungen. Seiferts Isolux Röntgenapparate wurden bis weit in die Nachkriegszeit im medizinischen Bereich, für das Prüfen von Schweißnähten und Leichtmetall-Gussteilen sowie von Serienteilen im Flugzeugbau eingesetzt.

1954 begann die Produktion der ersten mobilen Eresco Strahlenquellen, die sich so gut verkauften, dass die Firma die Medizintechnik aufgab und sich ganz auf die zerstörungsfreie Prüfung (non-destructive testing: NDT) und Analytik konzentrierte.

Weil man stark wuchs und in Hamburg auf mehrere Standorte verteilt war, suchte man Anfang der 1960er Jahre einen neuen Standort für das Unternehmen. 1964 kam Seifert nach Ahrensburg.

In der Bogenstraße „begann die Ära von Dr. Günther Basler, Dr Schäfer und Dr. Burschke“ erinnert sich Elisabeth Samusch. In den 1970er Jahren entwickelte Seifert als weltweit erste eine vollautomatische Röntgenanlage für die Prüfung von Aluminiumrädern, Lenkgehäusen oder Motorblöcken. Zudem gelang Seifert der Schritt in die Prüfung von Großanlagen. Nun gehörten auch die Nasa und Arianespace mit ihren Raketen- und Raumfähren zu den Kunden.

Dass der Sprung nach China gelang, hatte man den hochwertigen Produkten aus der Vergangenheit zu verdanken. Als Seifert 1975 erstmals bei einer Messe in China vertreten war, waren dort noch medizinische Röntgengeräte im Einsatz, die man in den 1930er Jahren nach Japan geliefert hatte. „Das Vertrauen der Chinesen in unsere Produkte hat sehr zu unserem Erfolg beigetragen,“ sagt die ehemalige geschäftsführende Gesellschafterin, die auch mit 81 Jahren noch häufig im Unternehmen ist.

Ihr gehören noch immer die Gebäude. Die Firma hatte sie 2001 an Agfa NDT verkauft, der die Röntgenfilme für die Werkstoffprüfung herstelle. Anfang 2004 wurde Agfa NDT von der Inspection Technologies Sparte des US Konzerns General Electric übernommen, den, den Thomas A. Edison am selben Tag wie Richard Seiferts seine „Licht- und Kraftanlagen“ gegründet hatte.

Mit einer Innovation hatte die 125-jährige Geschichte der Firma begonnen, und nur mit Innovationen wird sie auch erfolgreich weitergehen. „Wir sind mit unseren Produkten sehr gut positioniert, bauen auf die Erfahrung unserer Mitarbeiter und bilden unseren Nachwuchs selbst aus“, sagte Standortleiter Edzard Leffers beim Jubiläumsempfang. Digitalisierung, automatische Bildverarbeitung 3 D-Druck und vollautomatisches Fahren seien Themen der Zukunft.

Vor wenigen Monaten hatten die Ahrensburger die Speed-Cam auf den Markt gebracht, die erste Serienanlage für schnelle Computertomographie von Gussteilen. Es ist die aus Krankenhäusern bekannte CT-Röhre nur auf Bauteile ausgerichtet. „Die dreidimensionale Bildgebung ermöglicht die Prüfung und auch Messung im Inneren von Bauteilen, was bislang nicht möglich war“, sagt Dirk Eggers, der für Produkte und Qualität zuständig ist. Günstig ist das nicht. 1,5 Millionen Euro kostet eine Speed-Cam. Aber „die Metrologie wird ein zusätzliches Feld werden“, ist Eggers mit überzeugt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen