Hier sind Besucher auch ganz Ohr

Eingerahmt: An den Ausstellungswänden der Galerie sind die einzelnen Temperaturaufzeichnungen zu sehen.
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Eingerahmt: An den Ausstellungswänden der Galerie sind die einzelnen Temperaturaufzeichnungen zu sehen.

Sehen – messen – hören: Eine etwas andere Ausstellung wird von morgen an in der Trittauer Wassermühle präsentiert

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19. Januar 2017, 12:23 Uhr

Das ist mal was ganz anderes: In der Ausstellung des Künstlers Heiko Wommelsdorf, die am morgigen Sonnabend um 16 Uhr in der Wassermühle eröffnet wird, darf nicht nur geschaut, sondern auch gehört werden.

„Ich finde es sehr spannend, eine Ausstellung auch zu hören“, erklärt der gebürtige Bremer, der jetzt in der Hansestadt Hamburg lebt. Wommelsdorf hat Medien- und Klangkunst an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel und an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig studiert und bringt beide Aspekte in seine Arbeiten ein. Angelehnt an eine frühere Bewegung der „Institutionskritik“, bei der es um den idealen „white cube“ für die Präsentation von Kunst geht, zeichnet er mit einem Thermohygrographen die Luftfeuchtigkeit und Temperatur im jeweiligen Ausstellungsraum auf. Daran kann man dann beispielsweise erkennen, ob Besucher da waren, ob die Klimaanlage reguliert wurde oder ob die Sonne einstrahlte.

Zudem geht es auch in großen Museen nie ohne Störung ab: Der Luftbefeuchter steht auf einem Sockel, Geräusche der Besucher, der Klimaanlage stören ebenfalls die reine Kunstbetrachtung. „Mich fasziniert es, eine Ausstellung aus dieser Sicht zu hören. Manchmal interessieren sich insbesondere Kinder mehr für die technischen Geräte im Raum als für die Kunst“, hat Wommelsdorf festgestellt. Zudem sei die jeweilige Atmosphäre des Raumes mitentscheidend: Ob Gewölbekeller, Dachgeschoss, knarzende Dielenbretter – es beeinflusst die Kunstbetrachtung und für Wommelsdorf gehört daher alles zur Installation, was im Raum ist.

Die Klanginstallationen sind in der Galerie der Wassermühle zu hören. Der Künstler hat je drei nach oben und unten gerichtete Lautsprecher installiert, die eine Endlosschleife einer Tonleiter abspielen. Es hört sich jedoch an, als ob der Ton ewig steigt, der so genannte „Shephardeffekt“. Tatsächlich ist ein „Loop“.

Am Boden hat er eine Installation aus MP3-Playern und Klinkensteckern ausgestellt, die am Ende 128-In-Ear-Kopfhörer hat und Countrymusik abspielt. Diese Arbeit ist ein „Zitat“ einer Arbeit mit Dreiersteckdosen von Thomas Rentmeister, der in Braunschweig als Professor tätig ist und von dessen Arbeiten Wommelsdorf sehr beeindruckt war.

Zur Eröffnung kommt auch Landrat Dr. Henning Görtz und die Kuratorin der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn, Dr. Katharina Schlüter. Zur Einführung spricht Julia Kölle von der Stiftung.

Am Sonntag, 12. Februar, wird um 15 Uhr zum Künstlergespräch geladen. Samstag, 25. Februar, von 15 bis 17 Uhr beschäftigt sich das Kinderatelier mit der Kunst, Anmeldung: (04102) 70781015. Zudem werden Workshops mit Schülern des Gymnasiums Trittau veranstaltet.



>Die Ausstellung ist vom 21. Januar bis 19. März, jeweils sonnabends und sonntags von 11 bis 18 Uhr, bei freiem Eintritt geöffnet.



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