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Stormarner Tageblatt

22. Oktober 2017 | 18:12 Uhr

Hier kamen die Gäste in Puschen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Ende der kleinen Kneipe: In Stubben ist nach 57 Jahren Schluss / Gemeinde verliert beliebten Treffpunkt

„Es ist ein schwerer Schritt, aber es muss sein.“ Annette Pehmöller schenkt in ihrer kleinen Kneipe am Dorfplatz in Stubben nächsten Montag das letzte Bier aus. Dann geht eine 57-jährige Ära zu Ende. Dort wurde nicht nur das Feierabendbier getrunken. Die Kneipe war ein Treffpunkt für Smalltalk und auch der Kulturverein Stubben kam dort zu Treffen zusammen. Die werden dort stattfinden, doch jeder muss sich selbst sein Getränk dann mitbringen. „Verkaufen darf ich ja dann nicht mehr“, so die 73-jährige.

Die Kneipe wurde 1958 von Schwiedermutter Ida Pehmöller gegründet. Sie hatte mit ihren vier Söhnen 1955 ihr Haus in Stubben durch ein Feuer verloren. Sie wohnte danach zur Miete und baute nebenbei ein neues Haus am Dorfplatz. Dort eröffnete sie 1958 einen Laden und eine kleine Kneipe. Der Laden wurde Mitte der 1970er Jahre geschlossen. Die Kneipe blieb bestehen. 1984 übernahm Annette Pehmöller mit Ehemann Horst (heute 80) die Gaststube. Die ist 25 m² klein und bietet mit Tresen, Tischen und Stühlen 22 Gästen Platz. „Wir waren immer eine Feierabendkneipe. Hier kamen die Gäste in Gummistiefeln und in Puschen“, so Annette Pehmöller: „Wir hatten jeden Tag geöffnet.“ Ihr Mann arbeitete damals auch noch als Bautischler. Die Kneipe war ein beliebter Treffpunkt in Stubben und beherbergte auch den Sparclub „Fleißige Biene“, dem bis zu 55 Sparer angehörten. „Wir hatten hier viel Spaß.“

Die Einrichtung ist noch so wie bei der Eröffnung 1958. Die Stühle wurden zwischenzeitlich aber neu bezogen und auch der Tresen ist neu. Der kam zwischen Weihnachten/Neujahr 1962 bei einem Feuer zu Schaden.

„Ich dachte damals, da wären Einbrecher am Werk“, so die Wirtin. Doch die Geräusche, die sie im Schlafzimmer im Obergeschoss hörte, waren die Korken, die durch die Hitze aus den Schnaps- und von den Bierflaschen flogen. Doch die Pehmöllers steckten damals nicht den Kopf in den Sand. Sie schrubbten und putzten, sodass Silvester wieder in der kleinen Kneipe gefeiert werden konnte. Wir hatten keine Farbe an den Wänden und als Tresen diente ein Küchentisch“, sagte Pehmöller die 1951 von Plön nach Stubben kam und zunächst auf einem Bauernhof arbeitete. Es gab keine Zapfanlage. Bier wurde nur in Flaschen ausgeschenkt. „Jeder Gast konnte sagen, welches Bier er trinken wollte.“ Bis zu seinem nächsten Besuch war das Bier dann besorgt.

Annette Pehmöller fällt es sehr schwer, die Tür der Kneipe, die zuletzt nur noch montags und freitags geöffnet war, für immer zu schließen: „Ich habe lange überlegt. Es lohnt sich einfach nicht mehr. Die Kosten übersteigen die Einnahmen.“ Im Dorf hat es sich bereits herumgesprochen. Das Gros war geschockt von der Nachricht. „Ich möchte mich bei allen Gästen bedanken, die mir bis zum Schluss die Treue gehalten haben“, so die Wirtin. Montag wird sie neben Bier auch Schnittchen bieten.




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