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Grönwohlder Spezialitäten : Hier ist es besser als im Himmel

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Bauchredner aus ganz Deutschland kommen in Büttenwarder Gasthof „Unter den Linden“ zum Seminar zusammen.

von
erstellt am 28.Apr.2014 | 11:45 Uhr

Die beschauliche Gemeinde Grönwohld hat als Schauplatz der TV-Kultserie „Büttenwarder“ überregional Furore gemacht. Dabei spielt der „Gasthof Unter den Linden“ eine zentrale Rolle als Treffpunkt und Feierort der Büttenwarder. Dort wurde der Büttenwarder Karneval gefeiert – und jetzt das erste Stormarner Bauchrednerfestival. Das aber in echt.

Sechs Bauchredner aus der ganzen Republik reisten nach Grönwohld. Sie trafen sich für ein Seminar ihrer Kunst und luden zum Gastspiel in den Landgasthof, wo sich im kleinen Saal 150 Besucher drängten, darunter weit gereiste Fans, unter anderem eine Damenhandballmannschaft aus Walsrode.

Hektor der Gaukler ist der Initiator und als Moderator hat er sich Bauernkluft nach Büttenwarder Art geworfen. Die Gags sind oft genauso bodenständig. Die böse Schwiegermutter oder die zänkische Ehefrau werden immer wieder gern verhohnepiepelt: „Meine schönsten Ehejahre waren die in russischer Kriegsgefangenschaft.“ Das tut der Faszination keinen Abbruch, denn es sind ja nur Puppen. Die wirken gerade im Dialog anschaulich und lenken mit ihren Bewegungen die Aufmerksamkeit des Publikums vom „schweigenden“ Bauchredner weg.

Auch die vielen Frauen im Saal applaudieren frenetisch. Über die Schwiegermutter- und Ehefrau-Klischees können sie hinwegsehen, dann natürlich bekommt auch das männliche Geschlecht sein Fett ab. Am originellsten sind die Dialoge von „Manfred der Werner“, der mit seinem Schutzengel „Johnny Walker“ auftritt. Der macht seinem Namen alle Ehre, scheint mit schwerer Zunge zu lallen: „Hier ist es noch besser als im Himmel.“

Bauchredner Manfred hat seine Kompagnons selbst entworfen, und mit seiner Schnecke „Helix textila“ hat er noch einen zweiten Auftritt. Ihre Lieblingsspeise seien „Franzosen in Knoblauch“. Sie berichtet auch von einem Auftritt als Nacktschnecke in einer Strip-Show: „Aber das wurde mir dann zu schleimig.“

„Dr. Bauch“ alias Dr. Max Steuber hat seine Zeitungsente Toni mitgebracht, „die am Freitag schon die Sportergebnisse kennt und am Sonntag erklärt, warum sie nicht stimmten.“ Der Allgemeinarzt aus dem Emsland sammelt nebenbei Spenden für den Kinderschutzbund: „Ich bin selbst in einem Kinderheim groß geworden.“

Hörenswert ist auch Dietmar Belda alias „Didibel“, der auch mit zwei Puppen in drei verschiedenen Stimmlagen agiert. Und „Sönke der Zauberer“ erklärt, warum Adam und Eva nicht aus dem Paradies vertrieben worden wären, wenn sie Chinesen gewesen wären: „Dann hätten sie den Apfel weggeschmissen und die Schlange gegessen.“

Lustig waren auch die wiederkehrenden Ansprachen an die rein fiktiven „Frau und Herr Schneider“ im Publikum. Sie zogen sich als Running Gag aller Künstler durch den gesamten Abend. „Bei dem Nachnamen ist die Trefferquote hoch“, erklärte eine der Puppen zwischendurch.

Möglich machte das Festival „Hektor der Gaukler“ alias Stephan Eichler. Der Grönwohlder bot seinen Freunden vom Bauchrednerverein aus einem „Bauchgefühl“ heraus Stormarn als Tagungsort an. „Einmal im Jahr treffen wir uns irgendwo in Deutschland“, sagt Hans-Jürgen Kellner. Im kommenden Jahr werde es in Konstanz sein. Dann absolvieren die Profis und Anfänger ein Seminar, um ihre Fertigkeiten zu verbessern. Moderator war diesmal Christian Eisert, unter anderem Gag-Schreiber für Harald Schmidt.

„Ich bin eigentlich nur der rote Faden und ein Zauberer“, sagt Eichler bescheiden zu Beginn des Abends. Tatsächlich lernt er schon seit Jahren das Bauchreden. „Aber ich muss mir immer zu 200 Prozent sicher sein“, sagt er. Aufgetreten ist er bisher nur einmal vor Kindern im „Blauen Elefanten“. „Aber die kleinen Zuschauer waren begeistert“, sagt er.

Etwa 50 Seminaristen waren teils drei Tage im Hotel Forsthaus Seebergen einquartiert oder sie übernachteten im Wohnmobil. Im Landhaus Schäfer lernten sie tagsüber, wie sie ohne Mundbewegungen reden und ihr Publikum damit faszinieren können. Der NDR hat das Geschehen fürs Fernsehen dokumentiert, der Beitrag soll heute in der Sendung Schleswig-Holstein Magazin gezeigt werden, ab 19.30 Uhr bei N 3.

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