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Bad Oldesloe : Hier hat jeder einen an der Waffel

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die plattdeutsche Psycho-Komödie „De Neurosen-Kavalier“ der Oldesloer Bühne feiert diesen Sonnabend Premiere im Kub.

Die Oper „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss kennt fast jeder, aber wer um Himmels willen ist der Neurosen-Kavalier? Die Oldesloer Bühne widmet sich diesem eigenartigen Typ namens Felix Bollmann in ihrem neuen plattdeutschen Stück – und eines ist sicher – hier wird (fast) jeder von seinen Leiden kuriert. Beim Theaterstück „De Neurosen-Kavalier“ wird zwar auch gesungen, doch ansonsten handelt es sich um eine Psycho-Komödie in Platt, in der alle Akteure unter einer besonderen Art von Neurose leiden – fast wie im wirklichen Leben also. Die Premiere des ebenso lustigen wie turbulenten Stücks können alle Freunde plattdeutscher Boulevardkomödien Samstag, 25. Februar, 19 Uhr, im Kultur- und Bildungszentrum (Kub) erleben.

„Eigentlich hat hier jeder einen an der Waffel“, beschreibt Birgit Kuhlke ihr wildes, bunt gemischtes Ensemble, dem man das auf den ersten Blick nicht unbedingt ansieht. Die Regisseurin hat sich für den „Neurosen-Kavalier“, der vor 30 Jahren in Stuttgart uraufgeführt wurde, entschieden, denn das Thema ist heute aktueller denn je. „Inzwischen hat doch jeder Zweite eine Neurose“, meint Birgit Kuhlke, Spielleiterin der Oldesloer Bühne, die mit dem Neurosen-Kavalier ihr 47. plattdeutsches Stück aufführt.

Die Hauptrolle hat Wolfgang Wriedt übernommen, der zum ersten Mal bei der Oldesloer Bühne mitspielt. Der Poggenseer ist leidenschaftlicher Laienspieler bei der Theatergruppe Reinfeld. „Seit sechs, sieben Jahren spiele ich immer in Platt“, erzählt der Finanzbeamte, der die anspruchsvollste, weil längste Sprechrolle übernommen hat und viel auswendig lernen musste. Er spielt Felix Bollmann, einen Warenhausdieb, der in seiner bewegten Biografie auch mal einige Semester Veterinärmedizin studiert hat und sich nun ausgerechnet in eine psychotherapeutische Praxis verirrt. Eigentlich will er hier nur sein Diebesgut sicher verpacken und sich in Ruhe umziehen, doch dann kommt alles ganz anders, als er sich das vorgestellt hat.

Eine Reihe von Patienten wartet schon in der Praxis auf Behandlung und Felix Bollmann feiert einen therapeutischen Triumph nach dem anderen, denn er ist ein Ganove mit Herz und ein gewaltiges Schlitzohr. Der echte Nervenarzt weilt auf einem Kongress und Bollmann wird für dessen Vertretung Doktor de Witt (gespielt von Rainer Wilken) gehalten und von Sprechstundenhilfe Fräulein Engel herzlich willkommen geheißen. Eine Paraderolle für Ines Lachs, die zwar nur „so la-la“ Platt spricht, dafür aber umso reizender daher kommt mit ihrer blonden Perücke und dem weißen Kittel. „Ich bin eine besonders blonde Blondine“, betont die 48-Jährige, die von allen Männern auf der Bühne charmant umgarnt wird.

An Patienten mangelt es nicht. Da ist die Bestsellerautorin Claudia Carrera (Hannelore Garber), die eine heftige Textilneurose entwickelt hat, oder der etwas dröge Finanzbeamte Jürgen Appelhans, der unter einer Möbelneurose leidet. Weil er eine starke Abneigung gegen Chefs und alle „Oberen“ hat, kann er an keinem Tisch vorbei gehen. Allerdings hält er sich für Elvis und kleidet sich auch so, wie sein großes Vorbild. Diese Rolle hat Henning Moss sehr gerne übernommen, denn am Schluss darf der bekannte Oldesloer Musiker auch ein paar Elvis-Hits zur Gitarre singen.

Und er opfert sogar seinen Schnauzbart für die Rolle. „Der wird vor der Premiere noch wegrasiert“, sagt Henning Moss, der mit Plattdeutsch groß geworden ist. „Bei uns zu Hause wurde nur Platt gesprochen“, so der 60-Jährige, der sich zwecks eines Therapiegesprächs erst mal auf die Couch legt. Auf der nimmt später auch Sybille Bast Platz, eine kleptomanische Witwe, die von Marion Teller gespielt wird. Der Knaller aber ist Heike Gräpel in der Rolle der Kommissarin Maiwald. Gekleidet in einen langen Trenchcoat und auf der Suche nach dem Kaufhausdieb, ist ihr jeder hier in der Praxis ziemlich verdächtig. „Ich mache auf Columbo für Arme und werde echt unterschätzt“, sagt die Vorsitzende der Oldesloer Bühne. Doch sie zeigt bald, dass mit ihr nicht zu spaßen ist.

„Nicht nur wir, auch die Zuschauer werden viel Spaß haben. Das Stück ist auch gut geeignet für Leute, die nicht viel Platt verstehen“, verspricht Heike Gräpel und freut sich auf viele Zuschauer. Also auf zur Premiere am kommenden Sonnabend, ab 19 Uhr im Kub!


>Weitere Aufführungen gibt es:

❏Sonntag, 26. Februar, 19 Uhr
❏Sonnabend, 4. März, 19 Uhr
❏Sonntag, 5. März, 18 Uhr
❏Sonnabend, 11. März, 19 Uhr
❏Sonntag, 12. März, 18 Uhr


>Karten gibt es unter anderem in der Stadtinfo, Beer-Yaacov-Weg 1, per E-Mail: karten@oldesloerbuehne.de und beim Bühnentelefon unter: 0157/329470808




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erstellt am 21.Feb.2017 | 06:00 Uhr

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