Hier geht nichts den Bach runter

 Offizielle Abnahme der natürlichen Gewässergestaltung der Grinau zwischen Trenthorst und Groß Schenkenberg.  Foto: fsh
Offizielle Abnahme der natürlichen Gewässergestaltung der Grinau zwischen Trenthorst und Groß Schenkenberg. Foto: fsh

Umfangreiche Gestaltung: Die Grinau ist nach rund 60 Jahren wieder ein natürliches Gewässer

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01. September 2012, 08:07 Uhr

Gross Schenkenberg | 17 Kilometer lang schlängelt sich das Flüsschen Grinau durch Stormarn, das Herzogtum Lauenburg bis nach Lübeck. Von "Schlängeln" kann hier wirklich gesprochen werden, denn nach der umfangreichen naturnahen Gewässergestaltung zieht sich die Grinau in Mäandern durch die Landschaft. Das war nicht immer so, vor rund 60 Jahren wurde der vorher naturbelassene Bach aus Gründen der landwirtschaftlichen Nutzung begradigt.

"Damals ging die Versorgung mit landwirtschaftlichen Produkten vor. Da ging es ums Überleben", erklärt Katharina Weber vom Amt Bad Oldesloe-Land. Heute sei der Druck von den Landwirten genommen, ergänzt Ingenieur Peter Burmeister. Ohne den Verkauf von Grund und Boden durch Landwirte sei das Gewässerschutz-Projekt nicht möglich gewesen.

In zwei Bauabschnitten, letzterer wurde soeben offiziell durch den Gewässerpflegeverband Grinau abgenommen, wurden insgesamt zwei Kilometer der Grinau zwischen Trenthorst und Groß Schenkenberg in einen "guten ökologischen Zustand" versetzt - so wie es die neuen EU-Richtlinien im Gewässerschutz vorschreiben. Der erste Bauabschnitt kostete 95 000 Euro, der zweite 145 000 Euro. 90 Prozent der Kosten werden aus dem EU-Topf gefördert. Die Kosten beinhalten den Grundstücksankauf auf einem rund zehn Meter breiten Streifen den Bach entlang und die Entschädigung für die Eigentümer. Bis 2015 sollen schützenswerte und naturnahe Gewässer durch Maßnahmen wieder in ihren ursprünglichen ökologischen Zustand versetzt werden.

In der Grinau wurden Geröllstrecken angelegt, Mäander im Flussbett geschaffen, so dass der Bach wieder ganz natürlich fließen kann. Kiesbänke wurden aufgeschüttet, Totholz in den Bachlauf verankert, eine Solgleite in 30 Meter Länge angelegt. So soll bald wieder ein natürlicher Lebensraum für viele hei mische Tierarten entstehen. Der Bestand sei nämlich, so Diplom-Ingenieur Stefan Greuner-Pönicke, durch die damalige Begradigung beträchtlich zurück gegangen. Jetzt sollen wieder Forellen mit dem Wasser bis in die Ostsee gelangen, um von der Bachforelle zur Meerforelle zu werden. Zum Laichen sollen die Fische dann wieder zurück in ihre Heimat in die Grinau kommen.

Diversität der Flora und Fauna ist das Zauberwort - ob Laichplätze für die Forellen, Lebensraum für Steinbeißer, Libellen oder Köder fliegenlarven. Mit rund 1000 Pflanzen soll das Flussufer noch bepflanzt werden. Diese sollen nicht verkrauten, sondern ganz natürlich Schatten spenden und Heimat für weitere Tiere sein. Vorteil des Gewässerprojektes: Der Unterhalt ist nicht arbeits- und kostenintensiv. Weiteres Ziel für den Verlauf der Grinau in Richtung Lübeck: Der Bereich der Brandmühle muss dringend bearbeitet werden. Der Gewässerpflegeverband hofft auf weitere EU-Fördermittel.

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