Heute: Abschied im Bahnhof

Joachim Geisler  wie ihn die Bahnreisenden in Bad Oldesloe seit Jahrzehnten kennen.
Joachim Geisler wie ihn die Bahnreisenden in Bad Oldesloe seit Jahrzehnten kennen.

Joachim Geisler ist auf dem Oldesloe Bahnhof bei Reisenden und Pendlern enorm beliebt

shz.de von
19. Juni 2014, 18:13 Uhr

Über drei Jahrzehnte lang steht Joachim Geisler Reisenden mit Wort und Tat zur Seite. Der Bahnservice-Mitarbeiter ist längst zum Gesicht des Oldesloer Bahnhofs geworden. Zum einen für die Pendler, die ihn jeden Tag sehen, mit ihm reden, sich austauschen oder auch einfach nur nach einem Rat fragen und zum anderen für Reisende von überall her, die in Bad Oldesloe ankommen.

Für viele ist Geisler der erste Kontakt in der Kreisstadt – wohin muss ich, wo ist was, wo gibt es was? Geisler hat drei Jahrzehnte lang jede Frage geduldig und vor allem freundlich beantwortet. Auf deutsch und auch auf englisch. Jetzt endet seine Zeit am Bahnhof in Bad Oldesloe. Joachim Geisler geht in den verdienten Ruhestand nach insgesamt vierzig Jahren bei der Deutschen Bahn.

Gestern war sein letzter regulärer Arbeitstag. Und der Tag hatte es noch mal richtig in sich. Wegen der Bombenentschärfung (siehe Artikel auf Seite 17 ) war ab 14 Uhr der hintere Ausgang des Bahnhofs gesperrt. Pendler die im hinteren Bereich an der Turmstraße parkten, kamen nicht mehr zu ihren Fahrzeugen. Das brachte viele Fragen, viele Probleme und für Joachim Geisler noch ein paar Herausforderungen kurz vor dem Ruhestand. „Das mit der Bombe hat man sich doch extra für mich ausgedacht“, scherzt er. Seine Nachfolgerin Elfie Schröder hat er selbst angelernt. Sie war in dieser Woche bereits aktiv. „Ich glaube, sie wird das sehr gut machen. Sie ist sympathisch und hat auch diesen Draht zu den Kunden“, so Geisler.

Er erfreute sich stets sehr großer Beliebtheit bei Bahnkunden. Und das ist bei Mitarbeitern der Bahn heutzutage tatsächlich ein bemerkenswerter Fakt. „Die Kunden waren für mich immer das Wichtigste. Es ist ganz klar – sie bezahlen deinen Job. Das muss allen klar sein“, erklärt er seine Philosophie. Die Kunden werden es auch sein, die ihm am meisten fehlen werden. „Klar, das muss ich zugeben. Das wird erst Mal komisch, keine Frage. Es wäre auch seltsam, wenn das nicht so wäre. Aber nun beginnt halt ein anderer Abschnitt meines Lebens“, sagt er. Er werde nicht oft zu Besuch zum Banhof kommen, verspüre keine große Wehmut. „Ich habe damit für mich schon abgeschlossen. Es ist vorbei, und das ist in Ordnung. Wenn ich mal sowieso am Bahnhof sein werde, werde ich mich aber sicherlich freuen, Kollegen und Kunden von früher zu treffen“, so der sympathische Schaffner.

Immer wieder winken ihm Kunden zu, verabschieden und bedanken sich. Es steht fest : Geisler wird eine Lücke hinterlassen. Heute wird noch mal Abschied genommen, dann ist Schluss. „Die Kinder sind durch das Studium, wir haben ein kleines Haus in Schweden, und ich mache regelmäßig Hanteltraining“, erzählt er, „meine Frau muss noch ein paar Jahre arbeiten“.

Da sie beide im Schichtdienst arbeiteten, sind soziale Kontakte etwas zu kurz gekommen. „Das soll jetzt wieder mehr werden. Ich freue mich darauf, mal wieder alte Kumpel zu treffen“, sagte er. Dann kommt schon der nächste Kunde um die Ecke, und Joachim Geisler ist wieder gern der hilfreiche Geist.

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