zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

12. Dezember 2017 | 15:47 Uhr

Trittau : Heuseler: „Noch schaffen wir das“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ehrenamtliche Helfer bei der Trittauer Tafel an der Leistungsgrenze / Kundenzahl hat sich verdoppelt

Die Trittauer Tafel stößt langsam an ihre Grenzen. Die Ausgabe musste bereits neu organisiert werden. Der Grund: Wegen der vielen Flüchtlinge ist die Kundenzahl auf 160 pro Woche gestiegen. Insgesamt werden etwa 600 Menschen versorgt, darunter 160 Kinder. Die Kundenzahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. „Es war ein Gewusel, ältere Kunden blieben weg, weil ihnen das zu viel wurde“, berichtet der Vorsitzende Jürgen Heuseler.

Oft hätten 70 Leute vor der Tür gestanden – derartiger Andrang führt in dem kleinen Tafelhaus zwangsläufig zu Problemen. Jetzt hat Heuseler ein Nummernsystem eingeführt. So wird festgelegt, wer zu welchem Zeitpunkt an den beiden Ausgabetagen dran ist. Durch Zettel, übersetzt in Arabisch und Farsi, sowie Tafeln vor Ort werden die Kunden informiert. „Ich konnte so die älteren Deutschen in zwei Gruppen zusammenfassen“, so Heuseler. Damit sich niemand benachteiligt vorkommt, rolliert das System wöchentlich, sodass jede Gruppe mal zuerst und mal zuletzt drankommt.

Vieles ist zusätzlich zu berücksichtigen: „Manche Kunden kommen aus dem Amt Sandesneben, müssen ihre Busse erreichen, andere müssen noch zum Sprachunterricht nach Oldesloe. Die werden dann vorgezogen“, erklärt Heuseler. Auch die Ausgabezeiten reichen nicht mehr. Mittwochs ab 15.30 Uhr und donnerstags ab 11.30 Uhr ist der „Laden ohne Kasse“ geöffnet. Früher reichte eine Stunde, jetzt mag Heuseler gar keine Schließzeit mehr nennen. Bis Mitte Januar wurde ein Aufnahmestopp verhängt, um das neue System einzuführen.

Die Situation ist für die Ehrenamtlichen eine starke Belastung. Heuseler möchte noch weitere Helfer verpflichten, auch für die gemeinsame Kleiderkammer mit dem DRK, die in diesen Tagen nicht öffnet, weil niemand Zeit hat. „Die Ware für die Tafel reicht noch, manchmal werden die Portionen eben kleiner“, erzählt Heuseler. Sollte der Zustrom zu groß werden, werde es Wartelisten geben.

Ein Problem ist auch die ungewisse Anzahl an Kunden. Wer als Flüchtling anerkannt wird und wegzieht, wird aus Gründen des Datenschutzes vom Amt nicht abgemeldet. So werden Veränderungen erst durch eigene Listenführung bemerkt.

Doch Jürgen Heuseler sieht positiv in die Zukunft, wandelt den bekannten Kanzlerinnenspruch für sich so ab: „Noch schaffen wir das.“ Für den 71-Jährigen hat die Tafelbetreuung mittlerweile das Ausmaß eines Halbtagsjobs angenommen. Über Unterstützung freut er sich deshalb. Apotheker Simon Nguyen spendet schon zum zweiten Mal den Jahresbedarf an Hygienehandschuhen. „Die sind für das Sortieren der Lebensmittel vorgeschrieben“, erklärt Heuseler. „Ich würde auch gerne ganz direkt mehr helfen, das lässt die Zeit aber nicht zu“, sagt Nguyen. Eine arabische Kundin war bei der Einführung des neuen Systems behilflich, indem sie den Infotext in mehrere Sprachen übersetzte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen