Reinfeld : Herrenteich hält den Negativ-Rekord

Der Herrenteich nach dem Abfischen: Es wurde eine bis zu drei Meter hoher Schlammschicht gemessen.
Der Herrenteich nach dem Abfischen: Es wurde eine bis zu drei Meter hoher Schlammschicht gemessen.

Der Herrenteich verschlammt immer mehr. Ein Fachmann stellte sein Konzept im Umweltausschuss vor.

shz.de von
23. Oktober 2018, 13:11 Uhr

Der Schlamm im Herrenteich ist seit vielen Jahren ein Problem und der Politik und Verwaltung bestens bekannt. „Jedes Jahr wird die Ausbaggerung des Herrenteiches aus Kostengründen verschoben“, ärgerte sich Gerd Herrmann (SPD) im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr. In den vergangenen Jahren wurden nur der Neuhöfer und der Schwarze Teich ausgebaggert.

„Der Schlamm wurde auf die Böschung verbracht“, so Bauamtsleiter Stephan Kruse. Das sei beim Herrenteich nicht möglich. Und die Kommunalpolitiker aller Fraktionen sind sich einig: Der Herrenteich und die sechs weiteren Reinfelder Teiche sind das Aushängeschild der Stadt und Grundlage für eine funktionierende Karpfenwirtschaft. Daher müsse – so die einhellige Meinung- die drohende Verlandung des 68 Hektar großen Gewässers verhindert werden. Eine langfristige Lösung muss her.

4000 Euro pro Hektar

Im Ausschuss stellte Burkhard Tesdorpf, gebürtiger Oldesloer und Geschäftsführer der Firma Söll, ein Konzept zur Schlammbeseitigung vor. „Wir haben an mehreren Stellen im Herrenteich Messungen vorgenommen. Reinfeld hält einen negativen Rekord. Ich habe in einem Teich noch nie so viel Schlamm gesehen wie hier“, sagt der Fachmann für „Gewässertherapie“. In der Spitze ergaben seine Messungen eine bis zu drei Meter hohe Schlammschicht.

Dem Ausschuss stellte er anschließend seine Methode der Schlammbeseitigung vor: Dies geschehe auf rein ökologische Art und Weise und erspare das um ein Vielfaches teurere und aufwändigere Ausbaggern mit schwerem Gerät. Entfernt werde mit einem speziellen Produkt der organische Anteil im Schlamm, der wichtige mineralische bleibe dabei erhalten. Dabei würden wichtige Stoffe und Mikroorganismen freigesetzt, die anschließend wieder ihre Arbeit im Teich machen könnten. Die Sauerstoffsättigung steige wieder an, der Phosphorgehalt sinke beträchtlich, Nitrate würde nicht beeinträchtigt. „Die Methode funktioniert ähnlich wie bei einer Verkompostierung“, so Tesdorpf weiter. Im Herrenteich sei es aber nicht möglich, den Schlamm mit nur einer Behandlung zu entfernen, Folgemaßnahmen seien da nötig. Die beste Zeit für diese Methode sei Anfang April. 4000 Euro pro Hektar soll die ökologische Entschlammung kosten.

Die Politiker entschieden nach längerer Diskussion, diese Methode erst einmal an dem wesentlich kleineren Schulteich zu testen und sich weitere Informationen über zwei zusätzliche Entschlammungsmethoden einzuholen, die mit einem ölfreien Kompressor arbeiten oder – ein Vorschlag der Unteren Wasserbehörde – durch Leitungen in der Tiefe Schlamm abbauen. 12 500 Euro sollen für die Entschlammung des Schulteiches in den Haushalt eingestellt werden.

Teich darf nicht kippen

Die Politiker sind sich sicher: Der Herrenteich darf nicht umkippen, und er muss bei Starkregen genügend Wasser aufnehmen können, damit es nicht zu einer Überschwemmung wie 2010 kommt. Deshalb endete die lange Diskussion über die Kosten für regelmäßige Messungen zur Überwachung der Teiche – ein sogenanntes Gewässer-Monitoring – in dem Beschluss, 5000 Euro für die Entwicklung eines später dauerhaft zur Verfügung stehenden Messprogramms in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Lübeck in den Haushalt einzustellen.



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