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Stormarner Tageblatt

19. November 2017 | 19:08 Uhr

Heimplantage: Ein Jahr Haft auf Bewährung

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Eine aufmerksame Nachbarin hat die Züchterkarriere eines 36-jährigen Ammersbekers zum Ende kommen lassen. „Sie hat uns angerufen und von Drogengeruch im Hausflur berichtet“, sagte ein Polizeibeamter aus. Mit einem Kollegen kam er der Sache auf die Spur: „Wir konnten es auch deutlich riechen.“ Sie gingen der Nase nach und klingelten an der richtigen Tür. „Als sie geöffnet wurde, strömte uns noch stärkerer Geruch entgegen. Bei der Durchsuchung stießen die Beamten auf eine Schusswaffe, 46 Cannabis-Pflanzen und auf 182 Gramm hochwertiges Marihuana. Dafür muss sich der Ammersbeker jetzt vor dem Schöffengericht in Ahrensburg verantworten.

„Ich habe gedacht, das kannst du doch selber anbauen“, sagt er freimütig aus. Denn in Hamburg seien die Preise dafür so angestiegen. Die Waffe habe er bei seinem Großvater auf dem Dachboden gefunden. Dabei handelte es sich um eine Pistole vom Kaliber 4 Millimeter, die bis in die 70-er Jahre frei verkäuflich an Erwachsene war. „Ich habe damit vor Jahren im Wald auf Dosen geschossen“, sagt er aus. 40 Patronen hatte er gefunden und verschossen. Sein Pech: Eine letzte Patrone steckte noch im Magazin. Das war zwar beschädigt, aber die Waffe war noch funktionsfähig. Außerdem lag sie griffbereit in einer Schublade, direkt unter dem beschlagnahmten „Gras“. „Das bedeutet eine extreme Strafverschärfung“, sagt der Vorsitzende Richter. Für Drogenhandel mit Waffenbesitz drohe eine Mindeststrafe von fünf Jahren Haft. Auch schlummernde Waffen seien immer griffbereit.

Der Angeklagte bestreitet einen Handel. „Ich kiffe seitdem ich 18 bin, pro Tag drei bis vier Gramm.“ Früher habe das Gramm fünf D-Mark gekostet. „Heute kostet es zehn Euro bei schlechterer Qualität.“ Der Staatsanwalt runzelt die Stirn, der Richter gibt ihm recht: „Früher war der Wirkstoffgehalt niedriger.“ Das beschlagnahmte Gras hatte über 14 Prozent THC-Anteil und gilt damit als nicht geringe Menge. Zudem fand die Polizei auf dem Balkon noch 1100 Gramm Pflanzenmaterial mit geringem Gehalt. „Das wollte ich kompostieren“, sagt der Angeklagte.

Der ausgebildete Lagerist arbeitet zurzeit nicht, er lebt vom Erbe seiner Mutter. „Ich sehe aber ein Änderungsbedürfnis und bin auf Jobsuche“, sagt er. Gezüchtet hatte er die Pflanzen in einer dunklen Abstellkammer mit Kunstlicht. „Er war sehr kooperativ und freundlich“, sagt der Polizist aus, „er sprach von Eigenbedarf und einer guten Ernte, deshalb war der Geruch so stark.“ Hinweise auf Drogenhandel habe es nicht gegeben.

Der Staatsanwalt bezweifelt, dass diese Menge nur für Eigenkonsum bestimmt war. Er fordert ein Jahr und drei Monate Haft, die für zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt werden. Außerdem eine Geldbuße von 1200 Euro. Der Anwalt beschreibt den Angeklagten als „tapsigen Bär, der keinem etwas Böses will.“ Der Anbau für Eigenbedarf sei nicht zu widerlegen. Es sei ein Paradebeispiel für dusseligen Anbau, den die Nachbarn riechen mussten. Drei bis sechs Monate Haft auf Bewährung seien hier angemessen. Das werde dem nicht Vorbestraften zur Warnung dienen.

Ein Jahr Haft mit zwei Jahren Bewährungsfrist verhängt das Ahrensburger Schöffengericht schließlich. Statt einer Geldauflage muss der Angeklagte 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Nachteilig habe sich die geladene Waffe ausgewirkt. „Das ist die Mindeststrafe in so einem Fall“, sagt der Richter, „zurzeit ist das Gesetz noch so gestaltet.“ Von Reue oder Abstinenz habe er nichts gesehen: „Sie werden weiterhin genussvoll kiffen.“ Er möge seinen Lebenswandel grundsätzlich überdenken, gibt der Richter dem Angeklagten noch mit auf den Weg.






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