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Stormarner Tageblatt

18. Dezember 2017 | 16:07 Uhr

Stormarn : Heimische Eier gefragt wie noch nie

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Fipronil-Skandal: Kunden verunsichert – Nachfrage nach unbelasteten Produkten direkt von Stormarns Höfen steigt rasant an.

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2017 | 06:00 Uhr

Der Skandal um die mit dem Insektizid Fipronil verseuchten Eier aus den Niederlanden hat den Norden erreicht. Zwar sind Eier von Geflügelhöfen aus dem Kreis Stormarn nach dem neuesten Stand nicht mit dem Insektizid belastet.

Das Verbraucherschutzministerium führte stichpunktartige Proben in ganz Schleswig-Holstein durch und hatte nichts zu beanstanden. Doch trotzdem fühlen sich die Menschen im Kreisgebiet verunsichert und gehen lieber auf Nummer sicher.

„Stormarn ist vom Eierskandal definitiv nicht betroffen“, sagt Thomas Becker vom Geflügelhof Poggenpohl in Hamberge. Sein Betrieb sei Hühner- kein Eierproduzent und habe das belastete Desinfektionsmittel nicht verwendet. Landwirt Lars Wichmann vom Travenhof in Reinfeld profitiert von der allgemeinen Verunsicherung der Verbraucher. „Meine Hühner kommen mit ihrer Produktion gar nicht hinterher“, sagt er. Die Nachfrage nach den Traveneiern direkt vom Hof und von freilaufenden Hühnern sei so groß, dass dies fast zu einem „Luxus-Problem“ geworden sei. Niemand sei auf diesen Ansturm eingerichtet gewesen – erst recht nicht die Hühner. Er freue sich aber sehr über das gestiegene Interesse an seinen Eiern und regionalen Produkten ganz allgemein. Die Verbraucher würden gern ein wenig mehr für qualitativ hochwertige und garantiert unbelastete Eier ausgeben. „Das Ganze ist ein Skandal aus der Industrie, den die Bauern nun ausbaden müssen“, so Wichmann.

Nicht ganz so euphorisch sieht es Carsten Möller von „Eier Möller“ aus dem Neritzer Ortsteil Floggensee. Die Nachfrage nach den Eiern seiner freilaufenden Hennen sei zwar angestiegen, da aber Ferienzeit sei, sei dies nicht so extrem zu merken. „Dort, wo Aldi in der Nähe ist, zog der Absatz allerdings merklich an“, sagt er. Die Leute wollten halt auf Nummer sicher gehen.

Auch der Absatz an der Milchtankstelle von Familie Körting in Ahrensfelde stieg an. Dort werden neben Milch- und Grillfleisch von regionalen Höfen auch die Eier von Landwirt Wichmann aus Reinfeld verkauft.

Im Institut für ökologischen Landbau in Trenthorst, wo mit den Hühnern der Rasse Lehmann Dual geforscht wird, gibt auch Wissenschaftlerin Dr. Lisa Baldinger Entwarnung. Die Ursache der Verunreinigung sei die verbotene Einmischung des Insektizids Fipronil in das Reinigungsmittel Dega-16, wovon die Landwirte natürlich nichts gewusst hätten. Dieses Mittel sei im Öko-Legehennen-Betrieben nicht üblich, weshalb es beim Kauf deutscher Öko-Eier nur ein sehr geringes Risiko gebe. Im Öko-Institut könne man häufig sogar auf den Einsatz von chemischen Desinfektionsmitteln verzichten, da die Ställe mit 90 Grad heißem Wasser gereinigt würden. Anschließend ständen sie mehrere Wochen oder sogar Monate leer und trockneten in der Sonne. Dieses Verfahren töte die Bakterien ab.

„Heißes Wasser und in der Sonne trocknen lassen sind klassische und effektive Methoden, die auch auf den landwirtschaftlichen Betrieben angewendet werden“, erklärt Baldinger. Falls die Belegpausen zu kurz sind, wende man in Trenthorst das Öko-zugelassene Mittel Venno Vet 1 an. Auch Michael Drenckhahn, Pressesprecher des Kreises, gibt Entwarnung: „In Stormarn hat es grundsätzlich keine Untersuchungen des Veterinäramtes gegeben. Für Einwohner in Stormarn besteht keine Gefahr, wenn sie Eier mit dem Stempel DE für Deutschland kaufen. Deutsche Eier sollen clean sein.“

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