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Stormarner Tageblatt

17. August 2017 | 18:06 Uhr

Ortsumgehung : Hammoor in der Sackgasse

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Ortsumgehung ist in weite Ferne gerückt. Zwei Varianten könnten allerdings noch umgesetzt werden – in etwa zehn Jahren.

Wo, bitte, geht’s zur Ortsumgehung? Gute Frage! Verkehrsminister Reinhard Meyer hatte am Donnerstagabend das Aus für die beschlossene Südumgehung verkündet (wir berichteten). Man werde die Variante 1.4, die die Gemeinde vor fast acht Jahren beschlossen hatte, nicht weiter verfolgen, Grund: Bei einer ökologischen Neukartierung habe sich gezeigt, dass man mit dieser Variante keine Chance vor Gericht hätte. Damit befindet sich Hammoor in der Sackgasse.

Die Bewertung erfolgte auch nach Maßstäben, die das Bundesverwaltungsgericht im Fledermaus-Urteil zur A  20 bei Bad Segeberg festgelegt hatte. „Da reicht es schon, dass die Zählung der Brutvögel nicht nach den Kriterien erfolgt ist“, sagt Harald Haase, Sprecher des Verkehrsministeriums: „Wenn man im Grunde sicher sein kann, vor Gericht zu verlieren, ist es das Schlaueste, die Reißleine zu ziehen.“

Das sieht Hammoors stellvertretender Bürgermeister Horst Lassen anders. Ende Dezember waren Vertreter von Amt und Gemeinde zu einem Gespräch nach Lübeck geladen. „Ich dachte, wir bekommen den Planfeststellungsbeschluss“, so Lassen. Stattdessen wurde den Hammoorern mitgeteilt, dass es neue Erkenntnisse zur Umgehungsstraße gebe, die mit der ökologischen Entwicklung vor Ort und dem A  20-Urteil zusammenhingen. Was für Lassen nach so vielen Jahren Vorlauf „ein Witz“ ist, ist für Landrat Klaus Plöger logisch: „Es ist schade, dass die Umgehung jetzt nicht kommt, aber wenn ich mit großer Wahrscheinlichkeit vor Gericht scheitern würde, wäre es dumm, einfach weiterzumachen.“

Eine nördliche Umgehung, die Ministerium und Straßenbauamt positiver beurteilten, „wird nicht kommen“, sagt Lassen: „Da können die sich auf den Kopf stellen.“ Nach dem Gespräch in Hammoor machte Minister Meyer aber auch deutlich, dass man sich die ortsnähere Südumgehung vorstellen könne. Die Trasse der Variante 1.2 zweigt in der ersten Kurve nach der Ortsgrenze Bargteheide/Hammoor nach Süden ab, kreuzt den Lohweg nördlich des Gehöfts und dann noch den Kamp, bevor sie auf die K  106 trifft. „Ich würde mich freuen, wenn Hammoor sich auf eine Trasse verständigt“, sagt Landrat Plöger, „sonst gibt es nämlich keine Chance auf eine Umgehungsstraße.“

Dabei solle ja, so Bürgermeister Helmut Drenkhahn, eine Ortsumgehung gebaut werden. „Aber nur dort, wo die Vorzugsvariante ist. Die ist genehmigungsfähig und gerichtsfest“. Die Nordtangente sei im Vergleich zur abgesägten Variante 1.4 die bessere Alternative. Allein wegen der Bau- und Benzinkosten. Bei der 1.4 hätte der Umweg zur Hauptstraße knapp 1,4 km betragen. Die 2.1 sei sogar 46 Meter kürzer. Mit dem Nordring würden pro Jahr 500  000 Liter Benzin gespart. Drenkhahn gab an, dass sich auch die Polizei und der Verkehrsausschuss des Kreises gegen die Trasse 1.4 ausgesprochen hätten. Grund seien längere Fahrzeiten und die geplanten vier Ampelkreuzungen gewesen.

Er betonte, dass es eine Landesstraße und die Gemeinde nicht Bauherr sei, wie von Anwohnern immer mal wieder vermutet. Man könne nur zustimmen oder ablehnen. Ob Nordtangente 2.1 oder Südvariante 1.2: „Beide erfordern den gleichen Zeitaufwand“, so der Bürgermeister. Der Südring wäre sogar etwas besser. „Er führt nur über Ackerland.“ Aber das ist Zukunftsmusik, die Umsetzung in weite Ferne gerückt – zum Leidwesen vieler Anwohner.

Die Verzögerung hat nicht nur Folgen für Hammoor selbst, wo „die ersten schon ihre Häuser verkaufen und weg wollen“, so Lassen, sondern auch für Bargteheide. Dort hat man die Gewerbegebiete nördlich der K  106 etwa mit dem Aldi-Zentrallager ebenfalls in Erwartung einer Ortsumgehung ausgewiesen. „Wir werden jetzt überlegen müssen, ob wir überhaupt noch gewerbliche Ausweisungen in Hammoor und Bargteheide vornehmen“, so Norbert Leinius, Geschäftsführer der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS).

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erstellt am 17.Feb.2015 | 06:00 Uhr

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