Bad Oldesloe : Hammerpreis für Grundstück

Interessante Offerte: Ein Makler bietet das Hero-Grundstück an.
Interessante Offerte: Ein Makler bietet das Hero-Grundstück an.

Nachdem Stadt Interesse zeigt, bietet Makler Fläche neben der Oase an

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13. April 2013, 09:12 Uhr

Bad Oldesloe | Als sie den Preis hörte, musste Kämmerin Mandy Treetzen erst mal tief Luft holen. "Oha, das ist ein Hammer", entfleucht es ihr. Auch Bürgermeister Tassilo von Bary verschlägt es fast die Sprache. Das leerstehende Grundstück neben der Oase soll stattliche 765 500 Euro zuzüglich 6,25 Prozent Maklercourtage kosten.

Seit Jahren steht das Grundstück an der Ratzeburger Straße leer. Autos werden dort geparkt, Pfützen bilden eine Kraterlandschaft. Mal soll dort ein McDonalds, dann wieder ein Kindergarten rein, es gab wohl diverse Überlegungen, die Fläche mit Wohnhäusern zu bebauen, auch eine Erweiterung der Oase war mal angedacht. Nie ist was draus geworden.

In jüngster Zeit sollte es etwas konkreter werden. Bei den Haushaltsberatungen vergangenen September wollte die Verwaltung 250 000 Euro in den Haushalt eingestellt bekommen, um das Grundstück kaufen zu können. Auf Antrag der SPD wurde diese Summe gestrichen, weil der Bürgermeister erst ein schlüssiges Konzept vorlegen solle.

Das tat er unlängst im Bauausschuss. Die Zahl der Sozialwohnungen in der Kreisstadt wird in den kommenden Jahren dramatisch zurück gehen. Angesichts der ohnehin angespannten Wohnungssituation im Hamburger Speckgürtel ergibt das düstere Aussichten. Für sozial Schwache wird es zunehmend schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden.

Zur Lösung dieses Problems schlug Bürgermeister Tassilo von Bary deshalb unter anderem vor, das Grundstück an der Ratzeburger Straße zu kaufen. Das ist für sozialen Wohnungsbau vorgesehen, aktuell ist die Deutsche Annington Besitzer, doch das Unternehmen zeigte keine Ambitionen, dort zu bauen. In der Vergangenheit seien Verkäufe nicht zustande gekommen, doch jetzt sei die Gelegenheit günstig. Die Oldesloer Wohnstätten Genossenschaft sei unter anderem interessiert, doch die Verhandlungen zwischen den beiden seien schwierig, weil sie ja gewissermaßen Konkurrenten auf dem Wohnungsmarkt seien. Also solle die Stadt gewissermaßen als Mittelsmann auftreten und das Grundstück kaufen. "Wir haben Angebote von Interessenten vorliegen", bestätigte der Verwaltungs-Chef. Das überzeugte die Bauausschuss-Mitglieder. Mit großer Mehrheit sprachen sie eine Kaufempfehlung aus.

Kaum ist das geschehen, wird das Areal über einen Makler im Internet angepriesen: "Interessantes Baugrundstück für Geschosswohnungsbau", heißt es da neuerdings. Gut 3700 Quadratmeter werden dort angepriesen, zentrale Lage, nur wenige Gehminuten von Bahnhof und Stadtzentrum entfernt. Bei einem Quadratmeterpreis von gut 202 Euro, der sich an den Bodenrichtwerten orientieren soll, kommt man dann eben auf mehr als eine dreiviertel Million für das Grundstück.

Bürgermeister von Bary ist erst mal von der Summe nicht weiter beunruhigt. "Die haben natürlich auch gelesen, dass wir daran interessiert sind", erklärt er. Ob die Stadt das Grundstück kaufe oder ein privater Interessent - die Sozialbindung bleibe bestehen. Und dann müsse ein Käufer der Stadt ja auch noch den Zuschuss erstatten, der mit der Fläche zusammen hänge.

In der kommenden Woche tagt der Finanzausschuss. Im nichtöffentlichen Teil soll nochmals über den Grundstückskauf beraten werden. Im Wesentlichen wird es darum gehen, Geld bereit zu stellen. Im Beschlussvorschlag ist wieder von 250 000 Euro die Rede - das scheint wohl etwas sehr optimistisch zu sein.

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