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Stormarner Tageblatt

18. Oktober 2017 | 06:24 Uhr

Hamfelde : Hamfelder Hof baut Bauernmeierei

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

23 Bioland-Bauern bauen gemeinsam eine kleine, aber feine Molkerei in Mühlenrade zwischen Hamfelde und Köthel

von
erstellt am 16.Aug.2014 | 06:00 Uhr

Die Biomilch „Hamfelder Hof“ soll wieder aus der Region kommen. In Mühlenrade bei Trittau haben die Arbeiten für den Bau einer eigenen Meierei begonnen. 23 Bioland-Bauern haben sich zusammengetan, um das Millionen-Projekt zu stemmen. Sie und noch einige andere hatten ihre Milch bis 2011 bei Mili verarbeiten lassen. Damit war es vorbei, als die von Hansano übernommene Meierei in Trittau ihre Pforten schloss.

Weil Heinz Elfenkämper-Raymann vom Hamfelder Hof und die anderen Biobauern unabhängig bleiben wollten, gründeten sie die Hamfelder Hof Bauernmeierei GmbH & Co. KG. Zunächst hatte man versucht, die Mili-Meierei übergangsweise weiter zu betreiben. Das wollte Hansano nicht. Ein Standort im Trittauer Gewerbegebiet zerschlug sich ebenso wie ein Standort auf dem Hofgelände. Die Gemeinde Hamfelde befürchtete eine zu hohe Verkehrsbelastung.

Fündig wurde man in Mühlenrade, das an der Landesstraße zwischen Hamfelde und Köthel liegt, aber zum Kreis Herzogtum Lauenburg gehört. Das Dorf ist mit 186 Einwohnern zwar noch kleiner als Hamfelde (245), Bürgermeister Bernd Salomon und der Gemeinderat können im Lieferverkehr auf der Landesstraße, auf der täglich rund 5000 Kraftfahrzeuge unterwegs sind, kein Problem erkennen. Salomon sieht vor allem die Vorteile durch eine Meierei. „Wir sind relativ klein und haben kaum Gewerbe. Als eigenständige Gemeinde müssen wir auch ein Stück weit ums Überleben kämpfen“, sagt der Bürgermeister, der auf Steuereinnahmen, aber auch auf Verbesserung in der Infrastruktur hofft.

Der 2500 Quadratmeter große Neubau entsteht in Ortsrandlage. Zum Dorf hin wird ein naturnaher Garten angelegt sowie im hinteren Bereich als Ausgleichsmaßnahme eine Streuobstwiese und eine extensiv bewirtschaftete Fläche. „Natürlich versiegeln wir Oberflächen, aber wir sind überzeugt, dass es uns gelingen wird, die Vorhabenfläche insgesamt ökologisch aufzuwerten“, sagt Janosch Raymann (28), der als Geschäftsführer der KG den Bau der Meierei geplant hat. Das Grundstück konnte mit Hilfe der Landgesellschaft erworben werden, den Bau fördert das Landwirtschaftsministerium. Trotzdem ist das Zehn-Millionen-Projekt „eine echte Mammutaufgabe für unser kleines Unternehmen“, so der 28-Jährige.

Gemeinsam mit dem Anlagenbauer Eliquo Protec und mit Unterstützung der Meierei Witzwort habe man die Planung immer wieder neu durchdacht und Standardverfahren hinterfragt, bis die gefundene Lösung alle Ansprüche erfüllte. „Uns ist es gelungen, die Vorteile eines kleinen und flexiblen Betriebs mit modernster Anlagen- und Gebäudetechnik zu einem überzeugenden Gesamtkonzept zu kombinieren“, so Janosch Raymann. Dazu gehören auch der Einsatz von UV-Licht anstelle von Chemikalien für die Wasseraufbereitung und eine kontrollierte Luftströmung für eine optimale Hygiene.

In einer Branche, in der seit 50 Jahren die Großen die Kleinen „gefressen“ haben, wirkt der Neubau einer kleinen Meierei wie ein Gegenentwurf. Wo Molkerei-Konzerne sich zusammenschließen und in Millionen Hektorlitern denken, startet man in Mühlenrade mit einer Kapazität von 6,5 Millionen Litern und einer Rohmilchmenge von zehn Millionen Litern.

Bei aller Kosteneffizienz kann man sich preislich aber nicht mit den Großen messen. Will man aber auch nicht. Dass die Menschen bereit sind, für eine regionale Biomilch mehr Geld auf den Tisch zu legen, hat der Erfolg der Marke bereits gezeigt.

„Wir unterscheiden uns über die Qualität. Das fängt bei der ökologischen Erzeugung auf unseren Höfen an. Mit einer eigenen Meierei haben wir die Verarbeitung in der eigenen Hand, können flexibel auf die Wünsche unserer Kunden eingehen und unsere Produkte genau so herstellen, wie wir es für richtig halten“, sagt der 28-Jährige, der darauf setzt, dass „Hamfelder Hof“ auch mit anderen Produkten erfolgreich sein kann: „Wir streben ein breites Sortiment an regionalen Molkerei-Produkten an.“

Bis zu der eigenen Meierei, in der auch Führungen angeboten werden sollen, war es eine langer Weg. 1986 pachtete Heinz Elfenkämper-Raymann den mütterlichen Hof in Hamfelde, stellte ihn mit seiner Frau Angelika Raymann auf biologisch organische Landwirtschaft um und trat dem jungen Bioland-Verband bei. Damals war in Norddeutschland keine Meierei bereit, Bio-Milch separat zu verarbeiten oder gar zu vermarkten. Möglich wurde das 1990, als der Hamfelder Hof die Zulassung zur Produktion von Vorzugsmilch erhielt und sie in den Handel bringen durfte. Daraus entwickelte sich der Markenname, an den sich 36 Biohöfe anschlossen und deren Milch in Trittau verarbeitet wurde.

Bis Hansano kam. Das Unternehmen versuchte zunächst, die etablierte Biomilch-Marke selbst zu übernehmen. Als das scheiterte, wollte man die Biobauern dazu bringen, ihre 18 Millionen Liter für eine neue Marke zu liefern, die „Wohldorfer Hof“ heißen sollte. Die blieben aber standhaft, und 23 von ihnen gründeten die Hamfelder Hof Bauernmeierei. Die GmbH & Co. KG ist zwar klein, „für uns ist das Projekt aber das mit Abstand größte Vorhaben, seit es die Marke Hamfelder Hof gibt“, sagt Janosch Raymann.

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