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Stormarner Tageblatt

19. November 2017 | 17:17 Uhr

Hala und Ziead sagen tschüss!

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Abschied des syrischen Ehepaars: Die Zukunftspläne, der Umzug und die neue Heimat in Rendsburg

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2017 | 17:38 Uhr

Menschen sind aus Syrien geflohen, um den Wirren des Krieges in ihrem Heimatland zu entkommen. Sie haben gefährliche Fluchtwege in Kauf genommen, um hier Asyl zu beantragen und in Frieden leben zu können. So auch das Ehepaar Hala Ismaiel (28) und Ziead Zankello (29) aus Aleppo. Beide sind vor fast zwei Jahren in Norddeutschland angekommen und versuchen, sich ein neues Leben aufzubauen. Das Stormarner Tageblatt hat die jungen Syrer – beide studierten an der University of Fine Arts in Aleppo – bei ihrem Werdegang seit vielen Monaten begleitet. Nun steht der Abschied von den jungen syrischen Flüchtlingen bevor. Im 13. Teil unserer Serie erzählen Hala und Ziead von ihren spannenden Zukunftsplänen, ihrem Umzug und einer neuen Heimat in Rendsburg.

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Die vergangenen Wochen waren für Hala und Ziead eine nervliche Zerreißprobe. Wochenlang waren sie auf Wohnungssuche in Kiel. Ihre Wohnung in Stubbendorf hatten sie bereits zu Ende September gekündigt. Nun hieß es, fieberhaft nach einer neuen Bleibe in der Landeshauptstadt zu suchen. „Das war sehr, sehr schwierig, es gab zwar genug Wohnungen, aber viele wollten Flüchtlinge nicht als Mieter haben“, sagt Hala. Die Zeit drängte, die Sachen waren bereits gepackt. Immer wieder fuhr das syrische Ehepaar nach Kiel, sah sich Wohnungen an, bekam wieder und wieder eine Absage.

  „Wir hatten schon fast die Hoffnung aufgegeben und wussten nicht weiter“, erinnert sich Ziead. Doch dann gab es am Ende doch noch ein Happy End. In Rendsburg wurden Hala und Ziead in letzter Minute fündig. Seit Anfang Oktober wohnen sie bereits in ihrem neuen Zuhause. Von dort aus sei Kiel noch gut zu erreichen, meinen beide. Zudem wohnen Halas Eltern Myassar und Mahmoud in Büdelsdorf – also gleich nebenan. „Wir brauchen zwar noch Möbel, Kühlschrank und Waschmaschine, aber die Wohnung ist schön“, erzählt Hala.

  In Kiel verspricht sich das Ehepaar größere Chancen als auf dem Dorf. Ziead wird an der Fachhochschule Kiel ein Jahr lang ein Studienkolleg für Ausländer besuchen, bevor er sein Studium im Bereich Multimedia fortsetzen wird. Die Zulassungsprüfung dafür ist Mitte November. So hat es auch Halas Bruder Joud getan. Er studiert jetzt seit einiger Zeit Informatik an der Kieler Universität.

  Für Hala allerdings kommt ein komplett neues Studium nicht in Frage. Sie wartet auf die Zertifizierung ihrer Zeugnisse von der Universität in Aleppo, die sie nach Bonn geschickt hat, und sucht einen Ausbildungsplatz im Bereich Mediengestaltung oder Grafikdesign – natürlich in Kiel und Umgebung.

  Kurz vor dem Umzug wollten Hala und Ziead eine weitere sprachliche Hürde nehmen: Die Deutschprüfung B2 an einer Lübecker Sprachschule. „Leider konnten wir die Prüfung nicht machen. Wir hatten zu viele Besichtigungstermine und daher keine Zeit mehr, vor der Prüfung genug zu üben“, bedauert die junge Syrerin. Aber das Paar gibt natürlich nicht auf und ist bereits auf der Suche nach einer Sprachschule in Kiel.

  „Die Sprache ist so wichtig, wir wollen weiterkommen“, ergänzt Ziead. Und sie haben im vergangenen Jahr immense Fortschritte gemacht, können sich gut im Alltag und auch schriftlich verständigen. „Wir wollen uns ja komplett integrieren und hier ein neues Leben aufbauen, für uns selbst sorgen können“, betont Ziead. Das haben Hala und Ziead (fast) geschafft.

  Dankbar sind sie für die Unterstützung in den vergangenen zwei Jahren. Als sie nach ihrer gefährlichen Flucht endlich in Deutschland ankamen, wurden sie mit offenen Armen aufgenommen – auch vom verstorbenen Jan Kühl, der sie in seinem Haus in Stubbendorf aufnahm und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stand. Sie lernten eine Sprachpatin kennen, erhielten eine großzügige Spende einer Frau aus Bargteheide für ihre erste Ausstellung, konnten ihr Comic-Magazin und ihre Zeichnungen in einer Berliner und einer Hamburger Galerie ausstellen.

  Der schönste Moment sei jedoch die Ankunft der Mutter aus Syrien im Frühjahr gewesen. Zwei Jahre lang hatte Hala sie nicht gesehen. Damit waren Vater, Mutter, Tochter und Sohn wieder vereint. Aber auch Schicksalsschläge wie der Tod von Zieads Vater musste das Paar bewältigen. „Wir haben hier sehr viel Zuspruch, sehr viel Unterstützung, liebevolle Aufnahme und viele neue Freunde gefunden und verlassen mit einem lachenden und einem weinenden Auge Stormarn“, sagen beide wie aus einem Munde.

 Trotz vieler Widrigkeiten und einer langen Wartezeit auf Papiere und Sprachkurse sei es eine unvergessliche Zeit gewesen, für die sie sehr dankbar seien: „Wir werden keinen jemals vergessen und weiterhin Kontakt zu allen halten. Unsere Freunde sind bei uns immer willkommen“, sagt das Paar unisono. Natürlich bliebe ihre „alte“ Heimat Syrien immer in ihrem Herzen, doch ihre neue sei nun in Deutschland. Hala und Ziead sehen eine Chance für ihr Leben: „Hier fühlen wir uns wohl, hier wollen wir in Frieden leben.“

ENDE

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